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Kriminalität im Kreis Meißen nimmt zu

Brandstifter, Autoknacker und Fahrraddiebe - erstmals seit 2013 hat die Polizei wieder mehr zu tun als im Vorjahr. Nur selten sind die Täter Ausländer.

Im Juni 2019 griff die Polizei nach einer Serie von Brandstiftungen zu einer recht ungewöhnlichen Maßnahme: Sie führte in Nünchritz eine Befragung aller Anwohner durch.
Im Juni 2019 griff die Polizei nach einer Serie von Brandstiftungen zu einer recht ungewöhnlichen Maßnahme: Sie führte in Nünchritz eine Befragung aller Anwohner durch. ©  Sebastian Schultz/Archiv

Landkreis. Der Sommer 2019 war in vielerlei Hinsicht besonders. Heiß, trocken und ziemlich lang. Für die hiesige Kriminalpolizei war er aber vor allem eines: arbeitsreich. Denn immer wieder hinterließen Brandstifter ihre Spuren in der Region zwischen Radebeul und Strehla.

Für reichlich Schlagzeilen sorgte etwa eine Serie von vier Brandstiftungen in einem Wohnblock an der Karl-Max-Straße in Nünchritz. Weil die Kellerbrände die Anwohner nicht nur zutiefst verunsicherten, sondern auch gefährdeten, führte die Polizei eine umfangreiche Befragung vor Ort durch. Schlussendlich konnte die Kripo den Täter - einen 28-jährigen Deutschen, der erst kurz zuvor nach Nünchritz gezogen war - ermitteln. Der Fall wurde erfolgreich abgeschlossen. Doch das gelang nicht immer.

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Bereitschaftspolizei häufiger im Einsatz

Die Bilanz für 2019 ist deutlich: Erstmals seit 2013 hatte die Polizei im Kreis Meißen wieder mehr zu tun als im Vorjahr. Nachdem die Fallzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind, ist für das Jahr 2019 wieder ein Anstieg zu beobachten. Insgesamt 10.959 Fälle haben die Beamten vergangenes Jahr in der Region erfasst, fast 400 mehr als noch im Jahr davor.

Für Polizeipräsident Jörg Kubiessa ist das keine Überraschung: "Da sich die Entwicklung schon im Frühjahr abzeichnete, haben wir die polizeiliche Präsenz erhöht, sodass wir die sächsische Bereitschaftspolizei doppelt so oft wie noch 2018 als Unterstützung zum Einsatz gebracht haben." Insgesamt konnte die Polizei 6.566 Fälle aufklären, das entspricht einer Quote von 59,9 Prozent. Etwas weniger als noch im Vorjahr.

Polizeipräsident Jörg Kubiessa bei einer Pressekonferenz. Aufgrund der aktuellen Situation wurde die Kriminalitätsstatistik dieses Jahr aber nur per Mitteilung vorgestellt.
Polizeipräsident Jörg Kubiessa bei einer Pressekonferenz. Aufgrund der aktuellen Situation wurde die Kriminalitätsstatistik dieses Jahr aber nur per Mitteilung vorgestellt. © Ronald Bonss/Archiv

Für den Anstieg der Fallzahlen ist auch eine Serie von Autoaufbrüchen verantwortlich, die sich im Spätsommer vergangenen Jahres im Raum rund um Riesa ereignete. Im September und Oktober verging kaum ein Tag, ohne dass der Polizei eine eingeschlagene Autoscheibe gemeldet wurde. Das Tatmuster war dabei immer ähnlich. Meist schlugen die Täter zwischen 12 und 18 Uhr zu, an Badeseen nahe Riesa oder direkt im Stadtgebiet, niemand bemerkte die Vorfälle. Dabei hatten manche Opfer ihre Autos nur fünf Minuten nicht im Blick.

Immer lag jedoch etwas auf dem Sitz oder in der Mittelkonsole. Einmal schlugen die Täter die Autoscheibe für fünf Euro Kleingeld ein, die der Halter wohl für Parkautomat oder Einkaufswagen in die Konsole gelegt hatte. Manchmal waren es nicht einmal Wertsachen, die die Aufmerksamkeit der Einbrecher auf sich lenkten. Ein leerer Einkaufsbeutel tat es auch. Am Ende standen rund um Riesa mehr als 40 Diebstähle aus Kraftfahrzeugen in lediglich sechs Wochen zu Buche. Kreisweit sind für vergangenes Jahr 501 Diebstähle an oder aus Kraftfahrzeugen registriert. Hinzu kommen fast 700 Fahrdiebstähle und knapp 800 Diebstähle aus Geschäften.

Bekämpfung von Diebstählen im Fokus

Dementsprechend fällt auch die Bilanz des Polizeipräsidenten aus: "Die deutlichsten Zuwächse gibt es im Bereich der Eigentumskriminalität, insbesondere bei Wohnungseinbrüchen, Autoaufbrüchen, Fahrraddiebstählen sowie Kellereinbrüchen", sagt Jörg Kubiessa. Der Polizeipräsident warnt aber auch vor einer Überinterpretation der Statistik. „Die prozentualen Anstiege in einzelnen Bereichen der Eigentumskriminalität klingen im ersten Moment dramatisch. Bei einer Betrachtung der vergangenen Jahre relativiert sich dieser Eindruck jedoch schnell", so Kubiessa. Tatsächlich entsprechen die Fallzahlen in etwa denen des Jahres 2017, die bis dahin zu den niedrigsten gehörten. "Gleichwohl ist die Bekämpfung der Eigentumskriminalität eine Hauptaufgabe für das aktuelle Jahr.“

© SZ Grafik/Sylvia Tietze

Noch deutlicher als bei der sogenannten Eigentumskriminalität ist der Anstieg der Straftaten bei der Rauschgiftkriminalität. Insgesamt 500 Fälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr, etwa 100 mehr als noch im Jahr zuvor. Neun von zehn Fällen konnten aufgeklärt werden, die ermittelten Täter waren zumeist männlich. Hierbei handelte es sich aber nur selten um Drogendealer oder Schmuggler. „Der Anstieg betrifft in erster Linie Konsumentendelikte", erklärt Polizeipräsident Kubiessa. "Wir beobachten insbesondere bei Kontrollen des Fahrzeugverkehrs eine Zunahme von Drogenfeststellungen. Diese Entwicklung wird sich auch in der Verkehrsstatistik niederschlagen.“

Zahl ausländischer Täter nimmt ab

Ganz anders sieht die Situation derweil bei den Straftaten von Ausländern aus: Waren im Jahr 2018 noch 811 der mehr als 4.000 ermittelten Tatverdächtigen nichtdeutscher Herkunft, ist ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 726 gesunken. Von den ausländischen Tatverdächtigen waren etwa 45 Prozent Zuwanderer, also Asylbewerber, Ausländer mit Duldung oder ausreisepflichtige Personen. Ihr Anteil an den ausländischen Tatverdächtigen lag damit fünf Prozentpunkte unter dem Wert aus dem Vorjahr.

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