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Bürger schützen sich besser

Die Kriminalitätsstatistik für 2019 liegt vor. Die Zahlen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen im Osterzgebirge und seinem Vorland.

Rico Sommerschuh, der Leiter des Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde, steht hier in der Leitstelle des Standorts Dippoldiswalde. Er erklärt die Zahlen der Kriminalitätsstatistik in seinem Bereich.
Rico Sommerschuh, der Leiter des Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde, steht hier in der Leitstelle des Standorts Dippoldiswalde. Er erklärt die Zahlen der Kriminalitätsstatistik in seinem Bereich. © Egbert Kamprath

Tabellenschlusslicht, wer will das schon sein. Aber in dieser Tabelle stehen die Einwohner von Hartmannsdorf-Reichenau sicher gern weit hinten. In der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde sind für die beiden Ortsteile ganze sechs Kriminalfälle erfasst. Die Polizei hatte dort also alle zwei Monate einmal mit einer Straftat zu tun. Nun ist logisch, dass in einer kleinen Gemeinde auch wenig passiert. Aber auch umgerechnet auf die Einwohnerzahl ist es in der Erzgebirgsgemeinde mit 5,9 Kriminalfällen pro 1.000 Einwohnern am ruhigsten. Ähnlich sicher lebt es sich noch in Dorfhain und Rabenau.

Schwerpunkte in den größeren Städten

Die Schwerpunkte der Kriminalität im Polizeirevier Dippoldiswalde, das den ehemaligen Weißeritzkreis von Wilsdruff bis hoch nach Zinnwald umfasst, liegen in den größeren Städten, wie Revierleiter Rico Sommerschuh informiert. Weitaus am meisten Arbeit haben seine Kollegen in den Städten Freital mit 1.707 Straftaten, Wilsdruff mit 609 und Dippoldiswalde mit 471 Straftaten. Gemessen an der Einwohnerzahl sind Altenberg und Tharandt weitere Schwerpunkte.

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Insgesamt hat die Polizei im Revierbereich 4.028 Straftaten erfasst. Das sind weniger als im Vorjahr. Davon sind 2.528 aufgeklärt worden. Das entspricht einer Quote von 62 Prozent.

Deutlich weniger schwere Diebstähle

Rund ein Drittel aller Fälle machen Diebstähle aller Art aus, die sogenannte Eigentumskriminalität. Dabei freut sich Rico Sommerschuh über eine Zahl, auch wenn er sie nicht ganz erklären kann. Bei besonders schweren Diebstählen ging die Zahl von 616 auf 495 Fälle zurück. Darunter fallen alle Delikte, bei denen die Diebe erst ein Hindernis überwinden müssen, ein Fenster aufbrechen, ein Fahrradschloss knacken oder ähnliches, bevor sie an ihre Beute gelangen. „Vielleicht wirken hier auch die Präventionsprogramme der Polizei, und die Bürger schützen ihr Eigentum besser“, nennt er eine mögliche Ursache. Dieser Rückgang ergab sich, obwohl beispielsweise im vergangenen Frühjahr eine Diebstahlserie in Arztpraxen in Dippoldiswalde zu verzeichnen war. „Dazu fanden sich Spuren. Wir konnten die Fälle aber bisher nicht aufklären“, sagt Sommerschuh. Diese Serie endete nach kurzer Zeit wieder ebenso abrupt, wie sie begonnen hatte. 

Insgesamt haben seine Kollegen 88 Diebstähle aus Wohnungen zu bearbeiten gehabt. Davon waren aber knapp die Hälfte einfache Diebstähle. Da war die Tür offen oder es hat sogar jemand, der einen Schlüssel hatte, lange Finger gemacht. 49 regelrechte Wohnungseinbrüche sind passiert, genau so viel wie im Jahr zuvor. „Das sind Fälle, die gehen den Menschen besonders nahe, weil ihr engstes Lebensumfeld betroffen ist“, sagt Sommerschuh. Weniger aufregend, aber zahlenmäßig häufiger sind bei den Eigentumsdelikten die 271 Ladendiebstähle, 153 Diebstähle aus Autos und 81 geklaute Fahrräder.  

Ein Zehntel weniger Rauschgiftdelikte

Die Rauschgiftkriminalität ist 2019 gegenüber 2018 um ein Zehntel zurückgegangen. In diesem Bereich sind die Zahlen allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Es ist selten, dass ein Rauschgiftdelikt angezeigt wird. In der Regel findet die Polizei nur etwas, wenn sie selbst kontrolliert, beispielsweise auch, wenn jemand unter Drogen Auto fährt. Dann hat sie in der Regel aber auch gleich einen Täter. Deswegen liegt hier die Aufklärungsquote sehr hoch. Der Rückgang betrifft allerdings vorwiegend den Konsum von Rauschgift mit 199 Fällen. Der Schmuggel oder Handel hat leicht zugenommen auf 32 Fälle. Bei den meisten Fällen ging es um Cannabis, nicht mehr so häufig wie früher um Crystal. Andere Arten von Drogen spielen in der Weißeritzregion kaum eine Rolle, berichtet der Polizeichef.

Viel Gewalt in Freital

Bei der Gewaltkriminalität steht Freital mit 67 Fällen ganz vorne in der Statistik vor Dippoldiswalde mit 13 Fällen sowie Klingenberg und Wilsdruff mit je acht Fällen. In diese Rubrik fallen Mord und Totschlag ebenso wie die Körperverletzung bei einer Schlägerei. Bei 121 Tatverdächtigen waren 32 dabei, die nicht deutsch sind. Dabei erfasst die Statistik auch Auseinandersetzungen von Ausländern untereinander, beispielsweise in der Unterkunft. Das erklärt, warum hier die Gemeinde Klingenberg, wo es sonst eher ruhig ist, verhältnismäßig viele Fälle zu verzeichnen hat. Dort ist ein großes Asylbewerberheim. Vier Fälle von Mord oder Totschlag gab es 2019. Hier erfasst die Statistik aber auch die versuchten Taten. 

Weißeritzregion folgt dem sächsischen Trend

Die Stadt Altenberg ist bei der sogenannten Straßenkriminalität mit 47 Fällen außergewöhnlich stark vertreten, hinter Freital und Wilsdruff. Dazu zählen Delikte, die nicht im Haus passieren wie Sachbeschädigungen an Autos, Fahrraddiebstähle, Graffittis oder ähnliches. Insgesamt geht diese Form der Kriminalität seit zwei Jahren zurück. Hier hat die Polizei größere Probleme, die Täter zu finden. Die Aufklärungsquote liegt bei 22,9 Prozent.

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Wer dachte, dass im Corona-Jahr 2020 die Zahl der Kriminalfälle zurückgeht, den belehrt die Statistik des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde eines Anderen.

Insgesamt folgt die Entwicklung in der Weißeritzregion den Trends, die sich im Landkreis und im gesamten Freistaat Sachsen abzeichnen. Die Zahl sinkt im Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde von 4.677 Straftaten im Jahr 2017 über 4.299 im vorletzten Jahr auf 4.028 im Jahr 2019. Wie die Entwicklung weitergeht, ist derzeit offen. Bei bestimmten Delikten könnte der momentane Stillstand des öffentlichen Lebens wegen der Corona-Epidemie durchaus einen Rückgang bringen. Kfz-Diebstähle nennt Sommerschuh als Beispiel. Was andererseits derzeit in den Wohnungen passiert, die viele Menschen kaum verlassen können, ist von außen kaum sichtbar.

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