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Radebeul

Dreimal Feuer gelegt

Nach den Coswiger Pfingstbränden sucht die Kripo nach einem schwarz gekleidetem Mann mit schwarzem Rucksack.

Einer der größten Brände der letzten Wochen ereignete sich an der alten Zellstofffabrik.
Einer der größten Brände der letzten Wochen ereignete sich an der alten Zellstofffabrik. © Peter Redlich

Coswig/Meißen. Die Brandermittler sind sich sicher, das ist dreimal ein gelegtes Feuer. Pfingsten war bei der Coswiger Feuerwehr und den Kameraden der umliegenden Orte die Hölle los. Zu sieben Einsätzen mussten sie ausrücken. Mindestens zweimal war es am Pfingstwochenende Brandstiftung, einmal schon am 8. Mai. Schaden: Nicht unter 20.000 Euro.

Das größte Feuer wütete auf dem Areal der ehemaligen Zellstofffabrik an der Emil-Hermann-Nacke-Straße. Nachmittags gegen 16 Uhr stiegen aus den ziegelroten Hallen die ersten weißen Qualmwolken auf. Keine halbe Stunde später brannten drinnen Farbreste, alte Matratzen und jede Menge Unrat, der in den Hallen illegal gelagert wird. 

Kaum stieg der erste Rauch auf, ist von Zeugen in unmittelbarer Nähe ein Mann beobachtet worden. Schwarz gekleidet, schwarzer Rucksack, schwarzes Fahrrad. Etwa um die 30 Jahre, so die Aussagen der Beobachter an dem Nachmittag.

Über 50 Feuerwehrleute aus Coswig und den benachbarten Orten mussten zu Pfingsten löschen.
Über 50 Feuerwehrleute aus Coswig und den benachbarten Orten mussten zu Pfingsten löschen. © Peter Redlich

Gut zwölf Stunden später brennt es am Morgen des Pfingstsonntags erneut. Diesmal sind es Papiertonnen, direkt angelehnt an die Autowerkstatt Hellenberg in der Straße am Güterbahnhof. Die Tonnen kokeln das Werkstattgebäude an, doch die Feuerwehrmänner von Coswig können gerade noch ein Übergreifen auf das Haupthaus verhindern. Schon an diesem Morgen sprechen die Kameraden den Verdacht aus. Das muss ein Zündler sein.

Der dritte Brand ereignete sich bereits einen Monat früher, am Mittwoch, dem 8. Mai, ebenfalls in Coswig, keinen Kilometer entfernt von den beiden Pfingstfeuern. In der Eugen-d’Albert-Straße wird ein Holzstapel in Brand gesetzt. Das Feuer ergreift eine Gartenlaube und hätte, ohne den beherzten Einsatz der Feuerwehren, auch das benachbarte Einfamilienhaus erwischen können, sagen die Brandermittler.

Die Männer von der Kriminalaußenstelle (KAST) der Polizeidirektion in Meißen haben in den letzten Tagen und Wochen akribische Arbeit geleistet, um hinter Motiv und Ursache der Brände zu kommen. Es gibt einige Zusammenhänge, sagen sie. Die Mehrzahl der Feuer wurde an einem Wochenende gelegt.

Es waren immer leicht brennbare Materialien, die angezündet worden sind und die weiteres in Brand stecken sollten, sagt Jürgen Leistner, Leiter der KAST. Die Kripo geht von einer Brandserie aus, welche die Anwohner und Gewerbetreibenden besonders in der Gegend um die Kötitzer Straße sehr beunruhigt.

Es ist erst ein Jahr her, dass ein Zündler durch Coswig zog und Millionenschäden angerichtet hat. Das Feuer am Holzgroßhandel, ganz in der Nähe der jüngsten Brände konnte ihm nachgewiesen werden. Gebrannt hat es auch bei Dehner, bei Landmaxx und im Gewerbegbiet Sörnewitz. Immer war es Brandstiftung. Den Feuerleger zu finden gehört für Kriminalisten zu den schwersten Aufgaben, wenn der oder die Täter nicht in flagranti erwischt werden. Deshalb müssen sie auf die Mithilfe der Bevölkerung bauen.

Die Ermittler sind sich sicher, dass insbesondere zu Pfingsten in der Gegend – der Biergarten Skopi ist in der Nähe – bei dem sommerlichen Wetter Leute unterwegs waren und möglicherweise mehr gesehen haben, als bisher bekannt ist. Zieht man einen Kreis um die Brandorte, dann sind sie alle nicht weit voneinander entfernt.

Die Spezialisten vermuten, dass wegen der örtlichen Nähe der Brände der oder die Täter zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Auch am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr könnten an der Straße Am Güterbahnhof schon Leute auf der Straße gewesen sein und etwas beobachtet haben.

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Deshalb rufen die Polizisten die Bevölkerung auf, sich zu melden und Beobachtungen, auch noch so klein, mitzuteilen. Kriminalaußenstellen-Leiter Leistner: „Es können durchaus auch anonyme Hinweise in unsere Briefkästen sein, wenn sie weiterhelfen sollten. Mitunter gibt es Jugendliche, die sich sonst scheuen.“

Ansprechpartner sind dafür die Polizeidirektion unter Telefon 0351 4832233, das Revier Meißen unter 03521 4720 oder generell die 110.

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