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Krisen-Gespräche ohne Konsequenzen

Dresdens Volleyballer verlieren erneut. Trainerin Roll darf trotzdem weiterarbeiten.

© c by Matthias Rietschel

Von Michaela Widder

Die Jungs wollten es allen zeigen. Den Fans, dem Vorstand, den Sponsoren. Nach der miserablen Leistung beim Pokal-Viertelfinale gegen Bühl, die zeitweise an Arbeitsverweigerung erinnerte hatte, war die Ansage klar: Wiedergutmachung. Die Körpersprache war eindeutig, der Wille da. Doch gegen Bottrop, das man im Achtelfinale noch sensationell 3:2 besiegt hatte, waren die Männer vom VC Dresden gestern im Bundesliga-Duell trotzdem chancenlos – mit 0:3 (18:25, 18:25, 18:25).

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Der Eishockey-Torhüter hängt die Schlittschuhe an den Nagel.

Der Verein steckt in seinem zweiten Erstliga-Jahr mitten in seiner ersten größeren Krise. „Wir wollten einiges wiedergutmachen, das war auch an der Körpersprache zu sehen“, sagte Trainerin Sylvia Roll. „Aber trotzdem haben wir es nicht geschafft, in unser Spiel zu finden.“

Matthias Broda brachte es auf den Punkt: „Die Jungs wollten, aber konnten heute nicht.“ Der VC-Geschäftsführer hatte die wichtigste Aussage des Tages schon vor dem Sechs-Punkte-Spiel getätigt. „Am Personal wird sich nichts ändern. Wir stehen voll hinter unserm Trainerteam.“ Nach der Blamage am vergangenen Donnerstag, als sich einige Spieler nicht nur lethargisch, sondern zu allem Übel auch noch respektlos ihrer Trainerin gegenüber verhalten hatten, sollte es Konsequenzen geben.

Die beiden Geschäftsführer Broda und Jan Pretscheck haben deshalb seit Freitagabend intensive Einzelgespräche mit Roll, ihrem Co Stefan Thormeyer und den meisten Spielern geführt. Auch mit Sven Dörendahl, dem Coach der Vorsaison und Sportdirektor im Ehrenamt, besprach man sich.

Was passiert hier gerade? Erreicht die Trainerin noch die Mannschaft? Was heißt es überhaupt, Profi zu sein? Die Mannschaft stand vor einer Zerreißprobe.

„Es war ein reinigendes Gewitter, manchmal ist das ja auch gut“, sagt Broda. „Wir haben viele kritische Punkte angesprochen, in manchen Punkten, was nicht so funktioniert, hat die Trainerin recht, in anderen die Spieler und in wieder anderen der Sportdirektor.“ Das größte Problem, wie oft im Leben, sei die Kommunikation. „Wir müssen miteinander reden, nicht übereinander“, fordert Broda und nimmt alle Protagonisten im Verein in die Pflicht. „Hätten sich alle loyal verhalten, wäre die Situation so nicht passiert.“ Im Gespräch hätte man niemandem „die Gelbe Karte“ gezeigt. Aber Broda machte deutlich: „Wir scheuen uns nicht davor, auch personelle Konsequenzen zu ziehen. Es geht nicht um Personen, es geht um das Projekt.“ Jeder sei ersetzbar, auch ein Spieler.

In dem Verein, der sich mit der Verpflichtung von der früheren Nationalspielerin Roll als Vollzeitcoach weiter professionalisiert hat, klaffen dennoch manchmal Anspruch und Wirklichkeit auseinander. „Die Spieler wollen wie Profis behandelt werden. Da müssen sie sich auch professionell verhalten“, sagt Broda.

Nach den Einzelgesprächen, die bis gestern Mittag andauerten, habe er jedenfalls „das Gefühl, dass das Trainerteam die Mannschaft erreicht“. Eric Grosche, der mächtig geknickte Kapitän, sagte: „Alle haben sich für das Trainerteam ausgesprochen.“ Den Kopf hatten seine Männer dennoch nicht so schnell freibekommen. „Wir haben viel zu verbissen gespielt, zu wenige Bälle totgekriegt. Es muss dringend was passieren“, meint Grosche. Vor allem in der Annahme und im Aufschlag – zwei Kopfelemente – zeigte sich das Team bezeichnenderweise zu flatterhaft.

Nach dem Tohuwabohu der vergangenen Tage ist es nun an der Zeit, wieder Ruhe in die Mannschaft zu bekommen. Die Partie gegen Bottrop war das letzte Heimspiel dieses Jahres. Bei den BR Volleys in Berlin hat der Tabellenvorletzte am kommenden Sonnabend ohnehin nur eine Außenseiterchance. „Wir müssen wieder zueinanderfinden, das passiert aber nicht in einem Klettergarten oder so“, sagt Roll, für die bei ihrer Arbeit so immens wichtig ist, „dass wir eine Einheit sind. Wir ziehen alle an einem Strang: Trainer, Co-Trainer, Spieler.“ Die Konsequenz, so Roll und Broda unisono, sei nun, „dass jeder seinen Beitrag leistet“. Einen Beitrag, der das gemeinsame Ziel Klassenerhalt verfolgt.