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Kritik an Jobvergaben beim Bundesamt

Kommen auch Einheimische und Quereinsteiger zum Zug? Gerade läuft eine neue Bewerbungsrunde für Weißwasser.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht neben dem virtuell zugeschalteten Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der neuen Außenstelle des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrol
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht neben dem virtuell zugeschalteten Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der neuen Außenstelle des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrol © dpa

Als das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) im November 2019 auf seiner Homepage die ersten Stellen für Bürosachbearbeiter und Führungskräfte für die neue Außenstelle in Weißwasser ausschrieb, bewarben sich rund 600 Interessenten aus Weißwasser, der Lausitz und Deutschland. Unter ihnen war auch Silke K. * aus Weißwasser.

Kritik an Kommunikation des Amtes

In den Ausschreibungen hieß, dass auch Quereinsteiger bei den Stellenvergaben berücksichtigt werden und es keine Altersbeschränkungen gibt. Zum anderen sollen die Behördenjobs einen gewissen Ausgleich für die durch den Kohleausstieg verloren gehenden Arbeitsplätze in und um Weißwasser sein. Silke K., Anfang 50, kaufmännisch ausgebildet und mit Erfahrungen in Sachen Team-Leitung, sah in den Ausschreibungen eine persönliche Alternative. 

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Denn nachdem ihr einstiger Arbeitgeber, ein Dienstleister für Energieversorger, als Konsequenz des Fehlens von Folgeaufträgen Kündigungen aussprach, war auch sie auf Jobsuche. Nach vielen Bewerbungen fand sie eine Anstellung im Handel. Da die Konditionen nicht gerade attraktiv waren, bewarb sich die Weißwasseranerin weiter. Auch beim Bafa.„Dort ist mein Bewerbungseingang Mitte Januar durch eine automatische Eingangsbestätigung per Mail quittiert worden. Da vier Wochen später keine weitere Reaktion vorlag, rief ich in Eschborn an. Dort sagte man mir, ich solle mal im Spam-Ordner nachsehen.“ Dies tat sie. Doch es gab keine weitere Mail. Silke K. hoffte daher nach dem Telefonat auf eine Nachricht.

„Mich ärgert, dass ich bis heute keine Antwort der Behörde habe. Aus der Zeitung erfuhr ich aber, dass die Außenstelle Weißwasser mit über 30 besetzten Stellen nun arbeitet. Ich frage mich daher, ob ältere Bewerber oder Quereinsteiger möglicherweise doch keine Chance haben.“ Abgesehen davon, sagt sie, müsse man jede vergebliche Bewerbung, mit oder ohne Absage, verarbeiten. „Man erfährt ja nie, ob man Fehler machte oder, trotz angeblichen Fachkräftemangels, nicht gut genug ist.“

Neue Jobs und Neubewerbungen

Zur Kritik am Bewerbungsverfahren und der Kommunikation mit den Bewerbern befragt, teilt das Bafa gegenüber Tageblatt mit, dass ein Bewerbermanagementsystem auf der Behördenhomepage genutzt werde. „Das aktuelle Verfahren hat sich auf Grund der Corona-Krise allerdings leider sehr verzögert und ist noch nicht beendet. Daher wurden noch keine Absagen verschickt. Dies wurde den BewerberInnen in Form von Zwischennachrichten per E-Mail mitgeteilt, die möglicherweise im Spam-Ordner der Bewerber landeten“, erklärt Nikolai Hoberg von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Abgesehen davon finden auf Grund der Vielzahl eingegangener Bewerbungen noch immer Vorstellungsrunden statt, weshalb erst nach Abschluss des Verfahrens alle unberücksichtigten Bewerber eine Absage erhalten.“

Zu lange im Ungewissen gelassen

Die Begründungen sieht Silke K. skeptisch. „Man lässt Bewerber zu lange im Ungewissen und unterstellt ihnen unterschwellig, nicht mit E-Mail-Verkehr umgehen zu können.“ Darauf hoffen, dass Bewerbungen automatisch in den Pool für neue Stellen übernommen werden, können Interessenten auch nicht. Für die bis Sommer 2020 weiteren rund 30 zu besetzenden Stellen in Weißwasser – wo es bis Jahresende insgesamt rund 120 Behördenarbeitsplätze geben soll – sind laut Hoberg Neubewerbungen erforderlich.Was Quereinsteiger betreffe, sagt er, halte der Bund Wort. „Aktuell ist eine Ausschreibung für das Energie-Info-Center online, bei der sich auch Quereinsteiger bewerben können. Und damit sich gerade Menschen ohne bisherigen Verwaltungshintergrund bewerben können, ist die aktuelle Ausschreibung besonders offen gestaltet. Damit hat jeder Weißwasseraner eine Chance, sich zu bewerben und einen Arbeitsplatz beim Bafa zu bekommen“, so Hoberg. Zu finden seien die Bürosachbearbeiter-Stellen, für die nur eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig sei, auf der Bafa-Homepage, bei Monster, interamt.de, bund.de und Arbeitsämtern. Zudem würden Jobanzeigen in regionalen Tageszeitungen geschaltet. Im Laufe des Jahres, so der Bafa-Sprecher weiter, würden noch Sachbearbeiter-Stellen (Fachhochschul- oder Bachelor-Abschlüsse) sowie Stellen für Referenten und Führungskräfte ausgeschrieben.

Momentan unklar sei dagegen, wann und welche Ausbildungsmöglichkeiten die Behörde in Weißwasser bieten wird. „Leider können wir noch keine Ausbildungs-, Studien- oder Praktikumsplätze anbieten, da sich die Außenstelle noch im Aufbau befindet. Perspektivisch plant das Bundesamt, wie in der Zentrale in Eschborn, auch in Weißwasser jungen Menschen Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten.“

Widersprüchliche Auswahlkriterien

Was die Auswahl bei laufenden Jobvergaben betreffe, so wende laut Hoberg die Behörde das Prinzip der Besten-Auslese an, unabhängig von Wohn- oder Herkunftsort der Bewerber. Altersbegrenzungen gäbe es ebenfalls nicht.

Silke K., die inzwischen einen anderen attraktiven Job fand, sieht Widersprüche in den Aussagen. „Besten-Auslese und nicht nötige besondere Qualifikationen passen für mich nicht zusammen.“ Ihrer Ansicht nach sei es auch ein Unterschied, ob die Jobs vorrangig Ortsansässige erhalten oder sie Zuzügler und Pendler anlocken sollen. * = Name ist der Redaktion bekanntInformationen zu aktuellen Stellenausschreibungen: bafa.de

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