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Kritik an Polen bei Schweinepest-Bekämpfung

Wegen fehlender Informationen sei unklar, wie nah die Seuche inzwischen an die sächsische Grenze herangerückt sei.

In Sachsen wurden bereits im letzten Jahr Wildschweinzäune im Rahmen einer Seuchenschutzübung aufgebaut, wie hier in Schirgiswalde.
In Sachsen wurden bereits im letzten Jahr Wildschweinzäune im Rahmen einer Seuchenschutzübung aufgebaut, wie hier in Schirgiswalde. © SZ/Uwe Soeder

Die polnischen Behörden haben in den vergangenen zwei Monaten in der Nähe der Grenze zu Deutschland so gut wie keine Wildschweinkadaver mehr gefunden. Dennoch bereitet sich das sächsische Sozialministerium weiterhin intensiv auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor, teilte Ministeriumssprecher Andreas Friedrich mit. Möglicherweise sei das Seuchengeschehen in Grenznähe zum Erliegen gekommen. Denkbar sei aber auch, dass die polnischen Behörden sich in der Fallwildsuche auf Ost-Polen konzentrierte, da dort die wirtschaftlich bedeutenden Schweinhaltungen Polens liegen.

Inzwischen vertrete jedoch auch der Bund die Einschätzung, dass Polen keine ausreichenden Bemühungen unternehme, eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest nach Deutschland zu verhindern. „Aufgrund der fehlenden Informationen aus Polen wissen wir nicht, wie nah die Tierseuche tatsächlich an Deutschland herangerückt ist“, sagte Friedrich. Aus diesem Grund habe das Ministerium in ganz Sachsen, besonders jedoch in den grenznahen Landkreisen Görlitz und Bautzen zusätzlich zur Wildabwehrbarriere verstärkte Früherkennungsmaßnahmen angeordnet.

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Bisher gibt es in Deutschland noch keinen Schweinepest-Fall. In Polen wurden seit Anfang des Jahres circa 2.500 Fälle gemeldet. Im März wurde ein Kadaver etwa 10,3 Kilometer von der Grenze entfernt gefunden. Es war der bisher westlichste Fundort. Der aktuellste Fund in Westpolen stammt vom 20. Mai. Er liegt ungefähr 26 Kilometer von Deutschland entfernt.

Friedrich sagte, sollte es zu einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Sachsen kommen, werde ein Krisenstab innerhalb weniger Stunden im Sozialministerium eingerichtet. Ihm werden Vertreter der Veterinärbehörden, der Landesuntersuchungsanstalt, der Tierseuchenkasse, der Tierkörperbeseitigungsanlage, der veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, des Agrar- sowie des Innenministeriums, des Bauernverbandes, der Tierärztekammer sowie die Amtstierärzte der betroffenen Kreise angehören.

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Das Risiko für einen Ausbruch ist nach Einschätzung des Sozialministeriums in ganz Deutschland hoch. Die Erkrankung könne jederzeit eingeschleppt werden. Die Übertragung sei beispielsweise möglich durch Essensreste oder Transportfahrzeuge. Zudem bestehe hohes Risiko einer Einschleppung entlang der Grenze zu Polen durch einwandernde Wildschweine.

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