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So startet Sachsen in das neue Schuljahr

Nicht alle freien Lehrerstellen konnten besetzt werden. Die Gewerkschaft GEW hat wegen Corona außerdem Zweifel am Regelbetrieb nach den Ferien.

Am 31. August beginnt in Sachsen das neue Schuljahr.
Am 31. August beginnt in Sachsen das neue Schuljahr. © Eric Weser

Dresden. Am Montag ist es soweit: Das neue Schuljahr beginnt. Nach aktuellem Stand werden dann etwa 485.600 Schüler die öffentlichen und freien Schulen im Freistaat besuchen und damit rund 3.000 mehr als im vergangenen Jahr. Um den Bedarf zu decken, wollte das Kultusministerium 1.100 neue Lehrer einstellen. Wie die Situation wenige Tage vor dem Schulstart aussieht - ein Überblick.

178 Lehrerstellen bleiben frei

Insgesamt wurden 922 Stellen mit ausgebildeten Lehrern besetzt. Die meisten unterrichten künftig an Grundschulen und Gymnasien. Zu grundständig ausgebildeten Lehrern kommen noch 121 Seiteneinsteiger hinzu. Sie wurden schon im Mai eingestellt und können nach einer dreimonatigen Qualifikation am Montag in den Schulen anfangen. Der Anteil der Seiteneinsteiger liegt damit bei elf Prozent, im vergangenen Schuljahr waren es noch 20 Prozent.

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Die Situation an den Grundschulen hat sich weiter verbessert. Sachsenweit konnten in diesem Jahr fast alle Stellen besetzt werden. In den Regionen Chemnitz und Leipzig wurden sogar mehr Lehrer eingestellt als geplant. 

An den Oberschulen bleiben besonders viele Stellen frei: Nur 213 von 291 wurden besetzt. Auch an den Gymnasien konnten 55 Stellen nicht vergeben werden – die Hälfte davon in Dresden und Leipzig. Der Grund: Während im Vorjahr sogar mehr Gymnasiallehrer eingestellt wurden als gebraucht, konnten sie sich in diesem Jahr zum ersten Mal nur direkt an den Schulen auf freie Stellen bewerben. Die Gymnasiallehrer, die bei diesen schulscharfen Bewerbungen nicht zum Zuge kamen, erhielten alternative Angebote – etwa an Oberschulen. Von insgesamt 589 gymnasialen Bewerbern nahmen 115 diese Angebote an.

An den Förderschulen bleiben 27 Stellen offen, an den Berufsschulen fehlen sachsenweit acht Lehrer.

Mangelregionen bleiben Bautzen und Chemnitz

Gerade für die ländlichen Regionen habe es zu wenige Bewerber gegeben, teilt das Kultusministerium mit. Die Versorgung mit Lehrern bleibe daher weiter angespannt. Insgesamt hatten sich 1.271 ausgebildete Lehrer in Sachsen beworben. Die meisten wollten am Gymnasium und mehr als 70 Prozent in Dresden und Leipzig arbeiten.

Nur in Leipzig konnte auch für fast alle Stellen ein Lehrer gefunden werden. Im Osten von Sachsen sind zum Schuljahresbeginn noch 42 Stellen offen – von 130. In der Region Bautzen fehlen vor allem Grund- und Oberschullehrer. In der Region Chemnitz konnten nur 70 Prozent der freien Stellen besetzt werden. Von den 77 gesuchten Oberschullehrern wurden nur 27 eingestellt. 

Auch in der Zwickauer Region fehlen vor allem Oberschullehrer.  Bei den anderen Schularten konnten in diesem Jahr fast alle Stellen vergeben werden.

Mehr Lehrer gefordert

Kritik kommt von der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen. Selbst, wenn alle Stellen besetzt werden könnten, würde das den Lehrerbedarf an den Schulen nicht decken, sagt die Vorsitzende Uschi Kruse. Die neuen Lehrer würden nur die Altersabgänge ausgleichen. „Gleich viele Lehrer müssen so jedes Jahr mehr Schüler unterrichten.“ Ein Puffer für Vertretungen bei Krankheit, Urlaub oder Weiterbildung gibt es schon seit Jahren nicht mehr. 

Der gravierende Lehrermangel wird die Bewältigung der durch die Pandemie verursachten Probleme enorm erschweren, so Kruse. Sie appellierte an den Freistaat, „jeden auf dem Markt verfügbaren Lehrer einzustellen“. Man brauche mehr Personal, um etwa Lehrer in Quarantäne oder Lehrer, die als Risikogruppen nicht unterrichten können, zu vertreten. Im vergangenen Schuljahr hatten etwa drei Prozent der Grundschullehrer ein entsprechendes Attest vorgelegt. Wie viele es in diesem Schuljahr und an den weiterführenden Schulen sein werden, ist noch unklar. Die Zahlen werden erst in der kommenden Woche verfügbar sein, hieß es vom Kultusministerium.

Zweifel am Regelbetrieb

Auch im neuen Schuljahr muss mit Schulschließungen und Kürzungen der Stundentafel gerechnet werden, sagt Kruse. „Die Schulen sind vom Regelbetrieb weit entfernt.“ Sie warnte davor, Eltern und Schülern zu optimistische Versprechen zu machen. Die GEW hätte sich auch mehr Zeit für die Schulen gewünscht, um sich auf den Schulbeginn in Corona-Zeiten vorzubereiten. „Einen Kaltstart halte ich für schwierig“, sagte Kruse.

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Die GEW-Vorsitzende bezweifelt auch, dass Hygiene-Regeln wie Lüften und regelmäßiges Händewaschen überall eingehalten werden können. Viele Schulen hätten gar nicht genügend Waschbecken, damit sich alle Schüler in den Pausen die Hände waschen können. Auch lassen sich in manchen Schulgebäuden nicht in allen Räumen die Fenster öffnen. Kruse forderte, dass die Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet werden, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Außerdem müsse das Tragen einer Maske außerhalb des Unterrichts Pflicht sein.

So berichten wir über die Corona-Krise:

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