merken
PLUS

Krügers sind doch nicht weggezogen

Da eine Umsiedlung nicht gefördert wird, sind sie geblieben. Ein Ringdeich soll die Klosterbucher künftig schützen.

Von Tina Soltysiak

Der Regen der vergangenen Tage hat an den Nerven von Giesela Krüger gezehrt. Mit bangem Blick hat sie die Niederschläge in Klosterbuch wahrgenommen, und die Berichterstattung und die Wetterprognose in den Medien verfolgt. „Als ich hörte, dass die Schneeschmelze in diesem Jahr wesentlich geringer als im letzten Jahr war und deshalb die Talsperren viel Wasser auffangen können, habe ich mich etwas beruhigt“, erzählt die 64-Jährige. Die Erinnerungen an den Juni 2013 sind ihr und ihrem Ehemann Gunter sofort ins Gedächtnis gerückt. „Vormittags ist zuerst der Damm hinter dem Grundstück gebrochen und das Wasser über das Feld in Richtung der Häuser gelaufen, am frühen Abend dann auch noch von Richtung Straße“, erzählt Krüger. Als das Wasser bereits 50 Zentimeter hoch auf ihrem Grundstück stand, ist Giesela Krüger von der Feuerwehr abgeholt und in Sicherheit gebracht worden. Ihr Mann ist geblieben, hat gemeinsam mit seinem Bruder noch die Stube leer geräumt – so gut es ging. Dann haben auch die beiden Männer die Flucht ergriffen. Einen

Meter zehn stand das Wasser im Garten der Familie. Noch heute können sie an der Schuppentür die Wasserlinie erkennen. „Wir hatten Glück, dass es dieses Mal nicht bis in die Stube hineingelaufen ist. Der Keller ist bis zur Decke geflutet gewesen“, erzählt Krüger. Sauna, Waschmaschine, Trockner, ein vertäfelter Hobbyraum – das alles ist zerstört worden. Den Schaden beziffert Gunter Krüger auf rund 50 000 Euro. Glücklicherweise habe die Versicherung alles gezahlt. „Allerdings haben wir einen neuen Vertrag unterzeichnen müssen. Der Beitrag hat sich verdoppelt und im Schadensfall müssen wird eine Selbstbeteiligung von 3 000 Euro aufbringen“, sagt Gunter Krüger.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Wäre das Wohnzimmer wie 2002 auch abgesoffen, wäre seine Frau nicht wieder mit nach Klosterbuch zurückgezogen. „Dazu hätte mir die Kraft gefehlt. Es war so schon eine Überwindung“, sagt sie. Doch sie haben den Wiederaufbau gemeinsam in Angriff genommen. „Unsere Familie hat uns tatkräftig unterstützt“, sagen sie.

Umsiedlung unmöglich

Auch wenn es für die beiden ein schmerzlicher Schritt geworden wäre – gern hätten sie sich umsiedeln lassen – ja weit weg vom Fluss. Aber das Geld aus dem Fluthilfefonds darf nicht für die Umsiedlungen verwendet werden, hieß es 2013 aus dem Landtag. So steht es in der Richtlinie, die Bund und Länder für die Verteilung der Gelder beschloss. Die Betroffenen hatten die Wahl, ob sie das Geld aus dem Fonds für den Wiederaufbau verwenden oder woanders neu bauen wollen. „Unser Haus ist abbezahlt, noch einmal einen Kredit aufzunehmen, kam für uns nicht infrage“, erzählt Krüger. Deshalb haben sie die Ärmel hochgekrempelt und den Garten, der mit einer zehn Zentimeter hohen Schlammschicht bedeckt war, in Ordnung gebracht. Die Wege sind hergerichtet, Blumen blühen im Beet und der Rasen hat sich erholt. Ein Idyll – so als wäre nichts gewesen.

Schon in wenigen Wochen werden die Bagger hinter ihrem Grundstück anrollen. Dann beginnen die Bauarbeiten am Ringdeich, den die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen errichten wird. Es ist eine zweiteilige Hochwasserschutzanlage. Dabei wird ein neuer, etwa ein Kilometer langer Deich, der an der nördlichen Klostermauer beginnt und bis zum alten Ostdeich verläuft, entstehen. Daran anschließend verläuft der Deich bogenförmig auf die Straße zu. Nach der Kreuzung setzt sich dieser bis zum alten Westdeich fort, umläuft die westliche Ortsbebauung und führt zurück bis an die Muldenbrücke. Nach der Brücke wechselt die Bauart und es schließt sich eine neue 370 Meter lange und bis zu 1,75 Meter hohe Hochwasserschutzwand an, die bis zur Gaststätte führt.

Je nach Geländeniveau hat der Ringdeich eine Maximalhöhe von 3,10 Metern. „Er wird mit Gräsern aus der Region begrünt. Die Samen hat der Klosterbucher Verein Be-greifen gesammelt“, sagt Wolfgang Stützer, Betriebsteilleiter Elbe der LTV. Auf dem Damm sollen nach seiner Fertigstellung Heidschnucken weiden.

Zusätzliches Problem Grundwasser

Die Hochwasserschutzmauer besteht aus Stahlbeton. „Die Sichtachsen sollen mit Natursteinen verkleidet werden, damit es ein Bild gibt“, erklärt Stützer. Aber die Klosterbucher plagt nicht nur das Wasser von oben und das aus der Freiberger Mulde. „Sobald es etwas kräftiger regnet, werden unsere Keller feucht, weil das Grundwasser nach oben drückt“, erzählt Gunter Krüger. Auch das Problem hat die LTV berücksichtigt. „Es gibt Entwässerungsstellen für das Grundwasser, das im Bedarfsfall über den Deich hinweg gepumpt werden muss“, erklärt Wolfgang Stützer.

Dem Baubeginn des Ringdeiches sind archäologische Grabungen vorausgegangen (DA berichtete). Diese sind abgeschlossen, die Grabungsflächen mit Erde verfüllt. Rund drei Millionen Euro wird der Hochwasserschutz kosten.Das Kloster selbst ist von den Maßnahmen des Konzeptes nicht betroffen.