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Krumme Ikea-Preise

Handel. Trotz Rekordumsatz reicht der Möbelriese die Erhöhung der Mehrwertsteuer an seine Kunden weiter.

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Von R. Obertreis, J. Morgenroth

Frankfurt am Main/Dresden. Die schwedische Möbelhaus-Kette Ikea wird die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent voll an die Kunden weitergeben, allerdings erst zum 1. Februar 2007. „Wir wollen Transparenz und klar kommunizieren, was unser Preis ist und was die Mehrwertsteuer ausmacht“, sagte Ikea-Deutschland-Chefin Petra Hesser gestern in Frankfurt am Main. Man habe die Erhöhung auch nicht vorweggenommen. Alle rund 9 000 Artikel werden neu ausgezeichnet, einen neuen Katalog wird es nicht geben. Auch an Schwellenpreisen wie 99 oder 179 Euro soll nicht festgehalten werden. Dadurch wird es bei Ikea ab Februar krumme Preise geben, wie etwa 101,56 oder 183,63 Euro. Hesser bekräftigte aber, dass generell die Preise weiter sinken sollen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr seien sie im Schnitt um fünf Prozent nach unten gegangen, im Jahr davor um sechs Prozent.

Auch die Expansion in Deutschland sieht Hesser noch lange nicht abgeschlossen. Derzeit betreibt die Kette 39 Märkte. Im laufenden Geschäftsjahr werden weitere Häuser in Hannover, Augsburg und in Niedereschbach nördlich von Frankfurt am Main eröffnet, nach dem im Jahr zuvor neue Häuser unter anderem in Erfurt und Koblenz eingeweiht worden waren. Mögliche weitere Standorte sind Rostock und Berlin.

Die ungezügelte Expansionspolitik des Möbelriesen schafft allerdings auch Probleme: Die Häuser kannibalisieren sich zunehmend gegenseitig. So leidet die Ikea-Niederlassung in Halle-Leipzig unter dem im Oktober 2005 neu eröffneten Haus in Erfurt. „Wir haben natürlich Kunden, die nun lieber nach Erfurt statt zu uns fahren. Das hat sich im Umsatz bemerkbar gemacht“, gibt der Leipziger Ikea-Chef Dieter Gilsbach zu. Allerdings sei Leipzig nun wieder auf dem besten Weg, sich davon zu erholen.

Besser lief es bei Ikea im Chemnitzer Neefepark. „Der Umsatz hat sich bereits im vergangenen Geschäftsjahr positiv entwickelt. Im September konnten wir ein zweistelliges Umsatzplus verzeichnen“, so Einrichtungshauschef Raymond Döring. In Dresden stehen die Zeichen auf Expansion: Ikea will sich im Elbe Park um 10 000 auf 25 000 Quadratmeter vergrößern. Entschieden ist noch nichts, frühester Baubeginn wäre 2008.

Längere Öffnungszeiten sollen bundesweit für neue Impulse sorgen, hofft Deutschland-Chefin Petra Hesser. Sobald die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen seien, will Ikea von Montag bis Donnerstag bis 21 Uhr, am Freitag und Sonnabend bis 22 Uhr öffnen.

Die neuen Häuser waren im vergangenen Geschäftsjahr für die Hälfte des Umsatzzuwachses von 6,7 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro verantwortlich. Ohne die beiden neuen Filialen legte Ikea in Deutschland um etwa 3,3 Prozent und damit deutlich stärker als die Branche zu. Damit hat Ikea den Umsatz in den letzten acht Jahren verdoppelt. Weltweit betreibt Ikea 238 Möbelmärkte in 34 Ländern – im vergangenen Jahr eröffnete auch das erste Ikea-Haus in Japan. Derzeit prüfen die Schweden den Einstieg in Indien.