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Schulunterricht auf dem Bauernhof 

Ein besonderes Projekt bringt Grundschüler und Studenten zusammen. Dabei können beide Seiten etwas lernen.

Von Thomas Riemer
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Nico (8) aus der Grundschule Lampertswalde hatte wie seine Mitschüler Spaß am Projekt und probierte sich an der Euter-Attrappe.
Nico (8) aus der Grundschule Lampertswalde hatte wie seine Mitschüler Spaß am Projekt und probierte sich an der Euter-Attrappe. © Anne Hübschmann

Lampertswalde/Skäßchen. Mucksmäuschenstill ist es im Aufenthaltsraum der Agrargenossenschaft Skäßchen zumindest für einige Minuten. Hin und wieder dringt ein Lachen durch die Wände. „Die Kinder sind sehr aufgeschlossen und vor allem neugierig“, sagt Jessica Kutzner. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen Lars Jungnickel aus Freital und Falk Lohmann aus Volkersdorf ist die Schönbornerin für einen Vormittag in das renommierte Landwirtschaftsunternehmen in Skäßchen gekommen, um Wissen weiterzugeben. 

Denn die drei Studenten der Fachschule für Landwirtschaft in Großenhain unterrichten diesmal Grundschüler aus Lampertswalde. Das, so Jessica Kutzner, gehöre zu einem Projekt, bei dem Schüler eben Schüler unterrichten. Für die Studenten ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung. „Dafür gibt es eine ,große‘ Note“, bestätigt Jessica und schmunzelt. Für sie ist es quasi ein Heimspiel, denn wenn sie gerade nicht studiert, arbeitet sie auch in Skäßchen. Für die Drittklässler aus Lampertswalde wiederum ist es ein Exkursionstag im Rahmen des Sachkundeunterrichts. So ist also allen geholfen.

Euter-Attrappe und Getreidequetsche

Die drei Studenten haben neben ihrem „Fahrplan“ für den theoretischen Teil viel Gepäck mitgebracht: Handmähdrescher, Getreidequetsche, Merkblätter, Wissenstests, Rinderfutter, Euter-Attrappe zum Ausprobieren des Melkens. Auch landwirtschaftliche Maschinen können die Kinder bestaunen. Vielleicht, so die Hoffnung, nehmen ja die Grundschüler Erkenntnisse mit – zum Beispiel, dass Kühe gar nicht lila sind und es sehr viele verschiedene Getreidesorten gibt. „Wir wollen helfen aufzuklären, wie man zum Beispiel Getreide auseinanderhält“, bestätigt Jessica Kutzner.

Anschauungsunterricht bekamen die Grundschüler gleich zu Beginn, als sie den Fachleuten der Agrargenossenschaft beim Melken zuschauen durften und einen Blick in die Kälberzucht werfen konnten. „Einige der Schüler sind landwirtschaftlich durch ihre Eltern ,vorbelastet‘“, sagt Jessica Kutzner. Doch es gebe auch Kinder, die zum Beispiel denken, dass Silage aus Kot besteht und „Landwirtschaft stinkt“. Letzteres gehöre natürlich dazu, sagt die Schönbornerin. 

Doch genau deshalb wolle man mit solchen Vormittagen die künftige Generation von Landwirten aufklären und einen differenzierteren Blick auf den Berufszweig entwickeln. Dazu gehören eben ein Blick in einen Stall, die Maschinenbesichtigung oder einfach nur die Erkenntnis, wie viel eine Kuh am Tag frisst und was nötig ist, um ausreichend Milch zu bekommen.

Zwei Wintersemester absolvieren die Studenten der Fachschule für Landwirtschaft. Die Ausbildung ist einem Studium gleichzustellen, an dessen Ende der Titel steht „Staatlich geprüfter Wirtschafter für Landwirtschaft". Für Jessica Kutzer steht fest, dass sie auch nach dieser Ausbildung in der Agrargenossenschaft Skäßchen arbeiten wird. Und wer weiß: Vielleicht hat ja dieser oder jener der Grundschüler aus Lampertswalde am Freitag die Erkenntnis gewonnen, dass ein solcher Beruf auch etwas für ihn ist.