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Kühles Frühjahr, verregneter Sommer

Das vergangene Jahr im Rückblick des Goldbacher Hobby-Meteorologen Dietmar Pscheidt.

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© Uwe Soeder

Bischofswerda. Das Jahr 2016 können wir abhaken. Kalendarisch sowieso. Aber auch meteorologisch. Es gab keinen richtigen Winter. Der Frühling kam nur langsam in Fahrt. Der Sommer war über weite Strecken kühl und feucht. Und Weihnahtnachten, nun ja, waren wieder einmal grün statt weiß.

Der Wetter-Rückblick fürs Bischofswerdaer Land

Skilaufen war 2016 nur an wenigen Tagen möglich – in Rugiswalde dank Kunstschnees.
Skilaufen war 2016 nur an wenigen Tagen möglich – in Rugiswalde dank Kunstschnees.
Lisa Marie hatte ihre Freude an den Schneeglöckchen. Doch es dauerte, bis es im Frühjahr warm wurde.
Lisa Marie hatte ihre Freude an den Schneeglöckchen. Doch es dauerte, bis es im Frühjahr warm wurde.
Schwerer Start für die Bauern: Die zweite Aprilhälfte und die ersten drei Mai-Wochen waren zu trocken.
Schwerer Start für die Bauern: Die zweite Aprilhälfte und die ersten drei Mai-Wochen waren zu trocken.
Der eigentliche Sommer kam im September. Die Freibäder in Burkau (Foto) und Steinigtwolmsdorf gingen in die Verlängerung, sehr zur Freude der Besucher.
Der eigentliche Sommer kam im September. Die Freibäder in Burkau (Foto) und Steinigtwolmsdorf gingen in die Verlängerung, sehr zur Freude der Besucher.
Zentimeter große Hagelkörner – hier aufgenommen auf dem Butterberg – richteten am 23. Mai großen Schaden an.
Zentimeter große Hagelkörner – hier aufgenommen auf dem Butterberg – richteten am 23. Mai großen Schaden an.
Gut beraten war, wer den Regenschirm dabei hatte. Der Jahresniederschlag betrug 960 Millimeter, über 100 Millimeter mehr als in anderen Jahren.
Gut beraten war, wer den Regenschirm dabei hatte. Der Jahresniederschlag betrug 960 Millimeter, über 100 Millimeter mehr als in anderen Jahren.

Aus Sicht des Goldbacher Hobby-Meteorologen Dietmar Pscheidt stellt sich die Jahresbilanz differenziert dar. Hinsichtlich der Temperaturen war 2016 ein völlig normales Jahr, sagt er. Das von ihm gemessene Jahresmittel lag bei 9,1 Grad Celsius und damit voll im Bereich des 21-jährigen Mittels von 9 Grad. „Seit dem Jahr 2000 zeigt die Trendlinie einen fast konstanten Verlauf, mal ein leichter Anstieg dann wieder ein Abfall. Der bislang höchste Jahreswert von 2014 (10,4 Grad Celsius) und der Wert von 2015 (9,8 Grad Celsius) wurden nicht mehr erreicht“, schreibt Dietmar Pscheidt in seiner Jahresanalyse. Die El-Nino-Jahre mit ihrer Auswirkung auf die Pazifisch Dekadische Oszillation (PDO) und die Häufigkeit von Südwest-Wetterlagen, die heiße Sahara-Luft nach Mitteleuropa bringen, sind vorerst Vergangenheit.

Der in Goldbach gemessene Jahresniederschlag von über 960 Millimeter lag mehr als 100 Millimeter, also 100 Liter auf dem Quadratmeter, über dem Durchschnitt der vergangenen 21 Jahre. Dietmar Pscheidt: „Dass der Anteil von Starkniederschlägen größer geworden ist, gehört genau so zur Realität wie die nach wie vor noch nicht eingetretene, in den Medien aber häufig prophezeite Abnahme von Niederschlägen östlich der Elbe. Dass der Regen von West nach Ost weniger wird, gehört zu den Eigenschaften des Übergangsklimas unserer gemäßigten Zone.“

Zögerliche Erwärmung

Zu den markanten Wetterdaten und -abläufen 2016 gehören unter anderem, dass der Februar und September zu warm, der April, Oktober und November dagegen zu kühl waren. Der Winter mit Schnee und Kälte beschränkte sich auf eine Woche vom 17. bis 23. Januar; es fehlte eine östliche wie nördliche Anströmung kalter Luftmassen. Der tiefste Wert des Jahres wurde in dem Bischofswerdaer Ortsteil am 19. Januar mit -13,1 Grad registriert.

Der meteorologische Frühling brachte 2016 nur eine zögerliche Erwärmung. Der „Aprilsommer“ fiel nach 2015 erneut aus, und die zweite Aprilhälfte sowie die ersten drei Maiwochen waren ziemlich trocken. Bis sich am 23. Mai ein schweres Unwetter über der Region Bischofswerda entlud. Starkregen, Sturm und Hagel verursachten teilweise erhebliche Schäden, darunter im Berggasthof auf dem Butterberg. Das Dach der Veranda wurde zerstört, ein fünfmal fünf Meter großes Pagodenzelt im Biergarten wurde umgerissen.

Der wechselhafte Sommer fand im September eine Verlängerung mit noch sieben Sommertagen, einem mehr als im August. Allerdings wurden in Goldbach für den meteorologischen Sommer nur zwei heiße Tage registriert, an denen das Thermometer die 30 Grad-Marke überschritt. Der höchste Wert des Jahres wurde am 25. Juni mit 32,3 Grad gemessen. Und auch folgende Zahl ist bemerkenswert: In der Nacht zum 26. Juni, als ein Gewitter in Starkregen überging, fielen in Goldbach in knapp drei Stunden 69,7 Liter Regen, eine unglaubliche Rekordmenge, sagt Dietmar Pscheidt. (SZ)