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Kündigen jetzt Händler Neukirch die Freundschaft?

Der Landkreis will im Hofgericht Asylbewerber unterbringen. Im selben Haus liegen Läden. Offen, wie die Betreiber reagieren.

Von Ingolf Reinsch

Kunden im Neukircher Mitteldorf bleibt ihr Fleischer erhalten. Wahrscheinlich auch dann, wenn der Landkreis, wie beabsichtigt, das „Hofgericht“ ersteigern und das ehemalige Hotel im Haus zum Heim für Asylsuchende umbauen sollte. „Die Lage an der Neukircher Hauptstraße ist top. Das Geschäft läuft gut. Ich möchte es nicht aufgeben“, sagte Dr. Peter Grabein, Chef der Schiebocker Fleisch GmbH, gestern auf Anfrage. Das Bischofswerdaer Unternehmen unterhält im Hofgericht eine Filiale.

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Über mögliche Auswirkungen, sollten in die beiden oberen Etagen Asylbewerber einziehen, möchte Peter Grabein nicht spekulieren. „Offiziell bin ich noch nicht informiert worden. Wir werden abwarten und schauen, was auf uns zukommt“, sagt er.

Im Modegeschäft nebenan ist derselbe Satz zu hören. Noch sei nichts entscheiden, heißt es mit Blick auf den ausstehenden Kreistagsbeschluss – und in der Hoffnung, dass die Gemeinde Kreisräte und -verwaltung doch noch überzeugen kann, dass es in Neukirch geeignetere Immobilien als das Hotel inmitten des Ortes gibt.

Jan Kubasch, Geschäftsführer von „Fuß und Schuh“, dritter Mieter im Haus, sagt, er sei wegen der Pläne des Landkreises verunsichert. „Nicht aus politischen Gründen“, betont er. „Aber wir wissen nicht, wie unsere Kunden reagieren.“ Die Mehrzahl der Kunden des unter anderem auf Orthopädieschuhtechnik spezialisierten Geschäftes sind ältere Menschen. „Ihnen fällt es mitunter schwerer, sich auf neue Situationen einzustellen“, sagt Jan Kubasch.

Seit der Geschäftseröffnung hat sich „Fuß und Schuh“ in Neukirch etabliert. Kunden kommen nicht nur aus dem Ort, sondern aus weiten Teilen des Oberlandes. Das seit Jahren unter Zwangsverwaltung stehende „Hofgericht“ hat Potenzial, für Neukirch zu einem Handelszentrum zu werden. „Gut wäre, wenn wieder ein Discounter einziehen würde“, so Jan Kubasch.

Das Gebäude soll am 14. Januar 2014 am Amtsgericht Bautzen zwangsversteigert werden. Dass der Landkreis den Zuschlag bekommt, ist noch nicht gewiss. Sollte er Eigentümer werden, würde er wohl versuchen, die Geschäfte im Erdgeschoss zu halten. In der Beschlussvorlage für die Kreisräte am kommenden Montag heißt es dazu: „Durch die weiteren Geschäfte in dem Gebäude bestehen außer der genannten Eigennutzung (gemeint ist das Asylbewerberheim – d. Red.) Mieteinnahmen, derzeit 3 000 Euro im Monat.“