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DJs kribbelts in den Fingern

Endlich gibt's für die Gute-Laune-Macher wieder erste Termine. Langeweile hatten sie in der Corona-Pause aber trotzdem nicht.

Daniel Wehner kann es kaum erwarten, mit seiner Power Station Diskothek wieder für gute Laune beim Publikum zu sorgen.
Daniel Wehner kann es kaum erwarten, mit seiner Power Station Diskothek wieder für gute Laune beim Publikum zu sorgen. © privat

Von März bis Juni war überhaupt nichts los. Sämtliche Veranstaltungen, bei denen er gern aufgelegt hätte, wurden abgesagt. Allmählich sieht DJ Daniel Wehner aber wieder Licht am Ende des Tunnels. Und ist mit diesem Blick in die Zukunft nicht allein.

Wie die meisten seiner Kollegen hat Wehner den Vorteil, nur im Nebenjob für gute Musik zu sorgen. "Das ist ein absoluter Vorteil. Da geht man viel entspannter mit der Situation um", bekennt der Jänkendorfer. Die Hände in den Schoß gelegt hat er in den vergangenen Monaten aber nicht. "Was sonst nur ansatzweise möglich war: Ich konnte mich intensiver meiner Familie widmen." Haus, Hof und Garten sind inzwischen ebenfalls auf Vordermann gebracht. Und auch die Disko-Technik. "Ich bin jahrelang mit CDs durchs Land gezogen. In den vergangenen Wochen habe ich alles digitalisiert." So langsam spürt der Musiker aber eine innere Unruhe: "Es wäre schon schön, wenn es allmählich wieder Nachfragen gäbe."

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Nicht alle verschobenen Termine werden nachgeholt

Die sind tatsächlich schon eingegangen. Runde Geburtstage, Hochzeiten mit maximal 100 Personen finden wieder statt. Alles was größer geplant war, wurde in den Herbst oder sogar ins nächste Jahr geschoben. Wie die Nieskyer Sportgala, bei der Wehners Power Station Diskothek für ausgelassene Stimmung hätte sorgen sollen. "Das ist nun mal so", nimmt es der DJ recht gelassen. Wenngleich er nicht davon ausgeht, dass alle verschobenen Termine auch tatsächlich nachgeholt werden. "Das sind inzwischen so viele, das ist gar nicht zu schaffen."

Gespannt ist der DJ auch, was im Winter mit den Karnevalsveranstaltungen passiert. "Nur im Sitzen und mit Mundschutz - da kommt keine Stimmung auf. Ich denke, da fallen auch diese Termine aus." Daniel Wehner müsste dann auf das närrische Volk in Särichen verzichten. Eine Prognose, wann sich die Lage normalisiert, möchte er nicht abgeben. "Das weiß ja keiner. Ich hoffe nur, dass so viel wie möglich stattfinden kann."

Dr. Taste hat von März bis Juni in seinem Studio in Trebus viel ausprobiert. Jetzt hofft er darauf, dass er bald wieder auf der Bühne stehen kann.
Dr. Taste hat von März bis Juni in seinem Studio in Trebus viel ausprobiert. Jetzt hofft er darauf, dass er bald wieder auf der Bühne stehen kann. © André Schulze

Dies ist auch der sehnlichste Wunsch von Torsten Jurke, der als Dr. Taste seit Jahrzehnten bei Dorffesten, Faschingsmuggen oder Firmenfesten den Musikgeschmack des Publikums bedient. Der Trebuser macht dies jedoch im Hauptberuf. Verdient hat er in den vergangenen Wochen aber nichts. Deshalb muss Dr. Taste jetzt kleinere Brötchen backen. "Ich beschwere mich nicht. Habe immer gewusst, dass ich mal länger krank werden kann oder eine Phase ohne Engagements durchstehen muss." Im Moment lebe er von dem, was er auf der Kante liegen habe. "Das funktioniert natürlich nicht unendlich lang." Zumal auch sein zweites Standbein, die Kegelbahn in Uhsmannsdorf, im Moment gar keine Einnahmen erzielt.

Trotz aller Unwägbarkeiten hat Dr. Taste die Zeit ohne Auftritte intensiv genutzt. "Ich habe meine Instrumente ins Studio gepackt, konnte verschiedenes ausprobieren, habe anderen Künstlern geholfen und auch selbst ein paar neue Lieder gemacht." Spätestens 2021, wenn er sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, möchte er in der Region wieder für gute Laune sorgen. Ob es - wie in normalen Jahren - wieder 70 oder 80 Veranstaltungen werden, steht angesichts von Corona auf einem anderen Blatt.

Musikalische Abwechslung in Altenpflegeheimen

Die DJs Markus Förster und Sebastian Noll waren trotz aller Absagen auch in der Corona-Krise musikalisch unterwegs. Markus Förster, eigentlich Stamm-DJ beim großen Pfingstreitturnier in Horka, legte diesmal zwar erneut auf - allerdings ohne Publikum, quasi im "stillen Kämmerlein". Denn das, was er und die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins zu bieten hatten, wurde übers Internet gestreamt. "Eine ganz neue Erfahrung - es war schön, aber das direkte Feedback der Leute hat eben gefehlt."

DJ Sebastian Noll, Sängerin Nicci Schubert und die Stadtfeuerwehr Niesky erfreuten die Bewohner des Altenpflegeheims "Abendfrieden" in Niesky in der Corona-Krise mit einem kleinen Konzert von der Drehleiter aus.
DJ Sebastian Noll, Sängerin Nicci Schubert und die Stadtfeuerwehr Niesky erfreuten die Bewohner des Altenpflegeheims "Abendfrieden" in Niesky in der Corona-Krise mit einem kleinen Konzert von der Drehleiter aus. © Sebastian Noll / Steffen Walter

Das bekam Sebastian Noll ganz intensiv, reichlich und unmittelbar serviert. Denn zusammen mit Sängerin Nicci Schubert sorgte er beim Auftritt am Nieskyer Altenpflegeheim "Abendfrieden" und bei zwei weiteren Terminen vor Görlitzer Senioren für musikalische Abwechslung bei den durch Corona zeitweise ziemlich vereinsamten betagten Herrschaften. Bei kleineren, privaten Veranstaltungen ist der Nieskyer inzwischen wieder sehr gut nachgefragt. Wann es öffentlich richtig losgeht, vermag er allerdings nicht zu sagen. "Ich denke, frühestens bei den Weihnachtsmärkten."

Auftragseinbruch bis zu 80 Prozent

DJ René Holz ist in den vergangenen Wochen unter die Handwerker gegangen. Kaputte Kabel löten, Technik säubern - "das sind Aufgaben, zu denen man sonst einfach nicht kommt", gewinnt er den Wochen ohne Auftritte etwas Positives ab. Ein Auftagseinbruch von 80 Prozent gegenüber normalen Jahren hat ihn, der sonst beim Sommerfest und dem Neiße Adventure Race in Rothenburg für Stimmung sorgte, musikalisch ziemlich eingeschränkt. Allerdings setzt er auf einen baldigen Neubeginn in der Branche. Und darauf, dass nicht alles gecancelt wird. "Das Oktoberfest in Rietschen wurde bisher jedenfalls nicht abgesagt", ist er zuversichtlich.

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