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Künstliche Flut in Hennersdorf

Szenen aus Dresden, Dipps und Döbeln: Alles wird im Waldbad Hennersdorf nachgestellt.

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Von Franz Herz

Was geht am Donnerstagabend Michael Ebert durch den Kopf? Vor der Kamera ringt Sören Hellwege, ein Kollege von der Wasserwacht Freital, mit der Strömung, um zu einem Haus zu kommen. Wieder drängt die Flut ihn ab. Ebert sitzt beim Filmdreh im Hennersdorfer Bad neben Regisseur Hannes Schuler.

Vor fünf Jahren zur Flut haben die Rettungsschwimmer Michael Ebert und Ralf Schindler genau diese Szene durchlebt. In Taucherausrüstung kämpften sie sich durch die Rote Weißeritz und holten vier Menschen aus zwei Häusern von der Teufelsinsel in Ulberndorf – Minuten, bevor das vordere Gebäude zusammenbrach. Das ist eine der Szenen, die die Produktionsfirma Ottonia Media für das Doku-Drama „Die Flut“ im Hennersdorfer Bad dreht.

„Wenn man sich das noch einmal ansieht, kommt die ganze Erinnerung wieder hoch“, sagt Ebert. „Da wird klar, welches Glück man gehabt hat.“ Er hätte auch selbst spielen können. Aber das haben die Filmemacher nicht vorgesehen. Sie führten über 40Stunden Gespräche mit Betroffenen, suchten sich einzelne Schicksale heraus und drehen sie nun im Auftrag des MDR wie in einem Spielfilm nach.

Hauptdrehort ist Schmiedeberg mit dem Hennersdorfer Bad. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Schmiedeberg von der Flut arg betroffen war. Hier werden alle Szenen gedreht, egal ob sie sich ursprünglich in Döbeln, Dresden, Dipps oder im sachsen-anhaltinischen Jeßnitz zugetragen haben. „Das Naturbad eignet sich gut für unsere Zwecke“, sagt Nicole Zscherny, die Aufnahmeleiterin. Es ist kein Problem, die Kamera so zu führen, dass der Eindruck entsteht, die Handlung spiele in einer Stadt.

Die Filmleute haben einen Location-Scout losgeschickt, einen Spezialisten, der Aufnahmeplätze sucht und Hennersdorf gefunden hat. „Die anderen Drehorte haben wir anschließend in der Nähe gewählt“, sagt Zscherny. So kommen der Campingplatz Paulsdorf, die Turnhalle in Schmiedeberg oder das Geschäft von Ausbau und Technik ins Fernsehen.

Der Regisseur will die Szene mit der Freitaler Wasserwacht jetzt noch ein viertes Mal drehen. „Wir brauchen Wasser!“ Marcel Matthes von der Hennersdorfer Feuerwehr ruft seinem Kameraden an der Pumpe zu: „Auf Rohr C Wasser marsch!“ Die Feuerwehr ist mit einem halben Dutzend Helfern dabei und sichert den Wassernachschub. Schuler gibt über das Megaphon Anweisungen. Sören Hellwege kämpft im künstlichen Wolkenbruch wieder mit der Flut, die zwei Feuerwehrspritzen erzeugen. Michael Ebert lässt keinen Blick von dem Geschehen. Dabei ist der Wasserwachtler heilfroh, dass es diesmal nur Filmaufnahmen sind.