SZ +
Merken

Küsschen von Duke

Struppen. Die spastischgelähmte Sandra hat durch Delfine in Florida gelernt, ihre Hände zuöffnen. Spenden machten die Therapie möglich.

Teilen
Folgen

Von Heidi Körner

Sandra gelingt es, die Arme zu heben. Und sie kann ihre verkrampften Hände öffnen. Mutter Annemone Peuckert ist überglücklich. Die reichlich drei Wochen in Florida haben ihrer 15-jährigen Tochter so gut getan.

Spenden hatten es ermöglicht, dass das spastisch gelähmte Mädchen in Key Lago von erfahrenen Therapeuten mit Hilfe von Delfinen behandelt werden konnte. In nur einem halben Jahr waren über 12 000 Euro auf dem Spendenkonto von „Dolphin Aid“ für die Struppenerin eingegangen. Der in Düsseldorf ansässige Verein organisiert seit 1995 diese Therapien für Patienten in ganz Deutschland.

„Alles war ganz toll eingerichtet“, schwärmt Mutter Peuckert. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung – Sandra durfte keinem zusätzlichen Stress ausgesetzt werden, um die Behandlung nicht zu gefährden – begann die Kur.

Musiktherapie zum Lockerwerden, Trockenübungen. Und dann ging es ins Becken zu den Delfinen. Wenn Sandra kleine Aufgaben löste, gab es Küsschen von Duke. Für das Mädchen die schönste Belohnung, wenn sich der Delfin ihr ganz sanft näherte. „Schon wenn wir die Anlage von weitem aus dem Auto sahen, hat sie gelacht“, erinnert sich die Mutter an die unbeschwerten Tage in Key Lago. „Ich bin sicher, dass die Menschen, die uns immer ganz offen und freundlich begegneten, auch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Sandra sich geöffnet hat.“ Ganz anders als in Deutschland seien die Amerikaner auf sie zu gekommen, hätten immer ein nettes Wort gehabt oder auch eine liebe Geste. Das war nicht nur in Key Lago so, sondern auch bei Ausflügen in die Everglades, nach Miami oder Key West.

Krasser konnte der Gegensatz nicht sein zu dem, was die Familie auf der Rückreise erlebte. Nach stressiger Wartezeit wegen Unwetters und 16 Stunden Flug landeten Peuckerts gegen 11 Uhr in Düsseldorf. Doch im Flugzeug war erst einmal Endstation. Der Rollstuhl für Sandra war nicht zu finden. „Wir sollten das 25 Kilo schwere Mädchen tragen, sagte uns einer vom Personal“, berichtet Annemone Peuckert kopfschüttelnd. „Wir hatten aber auch vier Koffer, Reisetaschen und den Spezialsitz von Sandra …“ Nach nervenzehrender Warterei fand sich der Rollstuhl. Aber da fuhr kein Bus mehr zum Flughafenhotel. „Wir alle brauchten nur noch Schlaf. Deshalb hatten wir vorsorglich in dieser Herberge gebucht, da ist der Transfer gleich inbegriffen.“ Doch die Busse fahren nur bis 10.30 Uhr, dann erst abends wieder, erfuhr die völlig gestresste Familie. „Nehmen Sie doch ein Taxi“, riet das Hotel. „Das war die deutsche Variante von Service und Freundlichkeit.“ Peuckerts merkten schmerzlich: Sie waren wieder zu Hause.

Und trotzdem: „Es waren unvergessliche Tage in Florida. Wir danken allen, die uns die Reise und die Therapie für Sandra ermöglichten“, sagt Annemone Peuckert, „auch wenn sich nicht alle Träume erfüllten. Die Mundmotorik ließ sich bei Sandra nicht behandeln. Sie braucht auch weiterhin ein Speichellätzchen, musste die Familie einsehen. Sandra gelingt es aber jetzt, ihren Mund zu schließen. „Wir wussten, dass wir unsere Wünsche nicht zu hoch schrauben dürfen.“ Dass sie jetzt viel lockerer ist und sogar langsam die Arme heben kann, sei ein riesiger Erfolg. Jetzt muss sie zu Hause fleißig weiter trainieren, damit die kleinen Fortschritte nicht auf der Strecke bleiben und es weiter voran geht.