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„Kulti“-Architekt droht mit Rechtsstreit

Die Stadt hält am Umbau des Kulturpalastes fest.Sein Schöpfer will sich damit nicht abfinden.

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Wie es um die Akustik im Kulturpalast Dresden bestellt ist, demonstrierte Wolfgang Hentrich ohne Worte. Bei der gestrigen Expertenanhörung im Stadtrat griff der von der CDU aufgebotene Konzertmeister der Philharmonie zur Geige. Einmal spielte er Beethovens „Ode an die Freude“ mit unpräpariertem Instrument, dann klemmte er einen Dämpfer an. Kaum etwas war zu hören.

Seele „aus dem Leib“ gegeigt

„Wir spielen uns die Seele aus dem Leib, aber unser Klang wird einfach ausgebremst“, sagte der Musiker. Für sein musikalisch untermauertes Plädoyer für einen neuen Saal im Kulturpalast erntete der Geiger langen und warmen Applaus.

Ansonsten mutete die Anhörung über das Für und Wider des „Kulti“-Umbaus emotional, mitunter aber auch recht zäh an. Statt der angesetzten 90 Minuten dauerte die auf FDP-Antrag beschlossene Runde drei Stunden. Acht Experten sprachen je zehn Minuten, danach mussten sie sich den Fragen der Stadträte stellen.

Eindrucksvoll und mit leisen, mahnenden Worten warnte der von der SPD nominierte Kulturpalast-Architekt Wolfgang Hänsch vor dem mindestens 65 Millionen teuren Umbau zu einem modernen Konzertsaal: „Ein unverzeihliches Vergehen“, konstatierte er knapp und sprach von der „Zerstörung des Mehrzwecksaales“ sowie der „Vernichtung einer bewährten kulturellen Einrichtung“. Allerdings zeigte er auch Respekt für die Qualität der Umbaupläne. Hänsch kündigte dennoch an, sein „Urheberrecht in Anspruch zu nehmen, um den Abbruch zu verhindern“.

Noch ist es aber nicht so weit. „Es gibt derzeit kein laufendes Verfahren“, sagte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) im Anschluss an die Debatte. Es gehe bei dem Streit um „individuelle Ansprüche“, die Lunau nicht näher beschrieb. Erst wenn die Planung im Detail vorliege, könne der Konflikt geklärt werden. Ob das zur Verzögerung des für 2012 geplanten Umbaus führen kann, ist unklar. Beobachter gehen aber nicht davon aus.

Schreier für Konzerthaus

Die Stadt jedenfalls hält am Umbau fest. Der von der Verwaltung benannte Hochbauamts-Mitarbeiter Roland Müssig verwies darauf, dass der Rat das Projekt bereits im Grundsatz beschlossen hat. Demnach soll ein moderner Saal nach den Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan entstehen, der vor allem gute Bedingungen für Klassik-Konzerte bietet. Unter das Dach des „Kulti“ ziehen 2014 auch das Kabarett Herkuleskeule und die Hauptbibliothek.

Müssig betonte, dass die ohnehin nötige Sanierung des Kulturpalastes womöglich teurer als der Umbau ausfalle. Zur Begründung verwies er auf umfangreiche Brandschutzmaßnahmen.

Für die Linke appellierte Dirigent Peter Schreier an die Stadträte, das Projekt zu überdenken. „Wir haben eine Verantwortung für die Zukunft der Stadt“, sagte er. Er forderte die „kleine“ Sanierung des Kulturpalastes und den Neubau eines Konzerthauses. „In den letzten Jahren sind die großen Orchester an Dresden vorbeigegangen.“

Unklar ist allerdings die Finanzierung. Für den Kulturpalast-Umbau gibt es nach Angaben des Freistaates Fördermittel. Um die auch für einen eigenständigen Saal – etwa am Neustädter Elbufer – einzuwerben, planen Konzerthausbefürworter die Gründung einer Stiftung. Die soll bis zu 40 Millionen Euro einwerben, sagte Schreier. Der Dresdner Stadtrat beschloss schließlich eine Einwohnerversammlung zum „Kulti“. Am 4. Dezember kommen ab 18.30 Uhr Befürworter und Gegner des Projekts zu Wort – im Kulturpalast.