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Kulturamtsleiter im Unruhestand

Stefan Waldau prägte Görlitz jahrzehntelang mit – und tut es noch immer. Heute wird er 75.

Stefan Waldau (r.) voriges Jahr bei der Eröffnung des interkulturellen Zentrums an der Bahnhofstraße.
Stefan Waldau (r.) voriges Jahr bei der Eröffnung des interkulturellen Zentrums an der Bahnhofstraße. © Nikolai Schmidt

Obwohl Stefan Waldau seinen Ruhestand seit 13 Jahren in Melaune verbringt: Im Stadtbild von Görlitz ist er bis heute präsent. Und wer dann mit ihm ins Gespräch kommt, erlebt einen wachen, blitzgescheiten Mann, der über alle aktuellen Entwicklungen stets auf dem Laufenden ist.

Doch Waldau ist nicht nur informiert, sondern er gestaltet auch noch immer aktiv mit. Öffentlich trat er zuletzt im April vorigen Jahres in Erscheinung. Da eröffnete der Verein Assalam sein interkulturelles Zentrum an der Bahnhofstraße. Dort geht es um Kultur, Sport und Bildung. Deutschkurse zum Beispiel bietet der Assalam-Verein an, aber auch Vorträge über den Islam – ein Ort zum Lernen für Muslime und Nichtmuslime. Stefan Waldau ist der wichtigste Mentor dieses Projektes. Sein Ziel ist es, die neu in die Region gekommenen Muslime offen und tolerant in die einheimische Gesellschaft aufzunehmen.

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Vor der großen Flüchtlingswelle war Waldau auf dem Lande aktiv. Als Sprecher eine Bürgerinitiative gelang es ihm und seinen Mitstreitern, Massentierhaltung in der Putenfarm bei Prachenau zu verhindern.

Die zwei jüngsten Beispiele reihen sich gut ein in eine Biografie, in der ihm vermutlich niemals langweilig gewesen ist. Geboren in Penzig, östlich der Neiße, besuchte er die Schule in Görlitz und lernte dann das Malerhandwerk. 1964 – mit 20 Jahren – ergriff er eine neue Chance, als im Bezirk Lehrer gesucht wurden. Obwohl ohne Abitur, konnte er als ausgebildeter Handwerker an der Pädagogischen Hochschule in Dresden und an der Hochschule der Künste studieren. Bis 1968 arbeitete er bei Stralsund als Lehrer. Dann gab es den ersten Dämpfer: Die Stasi holte ihn aus dem Unterricht, weil er den Schülern beibrachte, dass nicht nur der Westen atomar abrüsten müsse, sondern alle Staaten.

Nach diversen Zwischenstationen – auch noch einmal als Lehrer – suchte sich Waldau eine Nische. Die Stadtbibliothek gab ihm Ende der 1980er Jahre eine neue Chance. Dann kam der Wendeherbst. Er war an vorderster Front dabei – als Mitbegründer des Neuen Forums in Görlitz. Kurz danach leitete er von 1990 bis 1994 die Stadtbibliothek. Anschließend wechselte er ins Kulturamt und leitete es bis zum Eintritt in den Vorruhestand Anfang 2006. Eines seiner größten Verdienste dort bleibt das Internationale Straßentheaterfestival Viathea, das er 1995 mit Projektleiterin Christiane Hoffmann in die Welt setzte und fortan etablierte. Damit hat sich der Mann, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, schon frühzeitig ein Denkmal gesetzt.