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Hoyerswerda

Kulturerbestatus für Bergbaugiganten?

Im Jahr der Industriekultur gibt es eine Idee für die Energiefabrik Knappenrode und die Förderbrücke F 60.

Die Energiefabrik Knappenrode
Die Energiefabrik Knappenrode © Foto: Uwe Schulz/Archiv

Der Freistaat Sachsen hat das „Jahr der Industriekultur“ ausgerufen. „Industrie und Sachsen – das gehört einfach zusammen. Sachsen ist Industrieland. Es ist wichtig, dass gerade der jungen Generation – die vieles als selbstverständlich empfindet – auf anschauliche Weise erklärt wird, dass unser heutiger Wohlstand viel mit der Entwicklung der Industrie in den vergangenen Jahrhunderten in Sachsen zu tun hat“, äußerte Industrieminister Martin Dulig vor wenigen Tagen.

Die zentrale Veranstaltung im Jahr der Industriekultur ist die 4. Sächsische Landesausstellung in Zwickau und an begleitenden Standorten. Vom 24. April bis 1. November blickt sie auf beeindruckende 500 Jahre Industrietradition in Sachsen zurück und reflektiert deren Bedeutung. Am 3. Juli wird die neugestaltete und umgebaute Energiefabrik Knappenrode wieder eröffnet. Landrat Michael Harig hat für die über 100 Jahre alte Immobilie indes eine Vision. Wie wäre es denn, wenn sie eines Tages zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt werden würde, zusammen mit einem anderen Lausitzer Bergbaugiganten – der Förderbrücke F 60 in Lichterfeld?

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Herr Harig, woher stammt diese Idee mit dem Weltkulturerbe?

Diese Idee ist bereits 2012/13 im Ergebnis eines dienstlichen Aufenthaltes in der Völklinger Hütte/ Saarland gereift. Das dortige Stahlwerk trägt den Kulturwelterbetitel und ist Zeugnis der industriellen Entwicklung der gesamten Region. Die Anregung wurde seiner Zeit an die Leiterin der Energiefabrik Knappenrode weitergegeben. Mit dem Verweis auf den damaligen Zustand der Anlage wurde eingeschätzt, dass ein Bewerbungsverfahren noch zu früh wäre. Aktuell habe ich dann den Vorschlag in der Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland Anfang Dezember 2019 wiederholt. Die Geschäftsstelle wurde beauftragt, die formellen und materiellen Voraussetzungen für eine Antragstellung zu erkunden. Die immensen Investitionen des Landkreises in die Energiefabrik bilden nunmehr eine vielversprechende Grundlage.

Gibt es bereits Gespräche mit den F60-Betreibern/Besitzern?

Nein, meinerseits noch nicht. Kirstin Zinke, Leiterin der Energiefabrik, wurde von mir beauftragt, mit den Verantwortlichen der F 60 in Kontakt zu treten. Nach der Bewertung der formellen und materiellen Voraussetzungen muss das Ganze in die Gremien der Kreistage/ der Gemeinderäte und gegebenenfalls auch der Zweckverbände eingebracht werden. Dabei ist natürlich vorausgesetzt, dass sich die Kollegen der F 60 von einer gemeinsamen Antragstellung überzeugen lassen. Die Aufgabenstellung an Kirstin Zinke erfolgte erst Anfang Januar des Jahres 2020. Wir stehen also erst am Anfang, wobei bekanntlich auch der längste Weg immer mit einem ersten Schritt beginnt.

Welche zeitlichen Abfolgen muss man sich bei einer solchen Bewerbung vorstellen?

Das gilt es gegenwärtig zu ermitteln. Die Antragstellung des Erzgebirges beanspruchte 16 Jahre! Da es sich bei den in Rede stehenden Industrieanlagen um abgegrenzte, überschaubare Objekte handelt, sollte das Verfahren schneller durchzuführen sein. Zu klären ist auch die Frage, wer Antragsteller sein kann bzw. muss.

Welche Vorgaben muss der Kreis für die Fabrik erfüllen für eine erfolgreiche Bewerbung?

Auch das ist Gegenstand der Prüfungen, welche im ersten Halbjahr des laufenden Jahres abgeschlossen sein sollten.

Wie sehen die nächsten konkreten Schritte aus?

Nach Klärung aller Voraussetzungen ist abzuwägen, welche Gremien zu beteiligen sind. Auch der finanzielle Aufwand muss ermittelt werden, um die gemeindewirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Welche finanziellen Auswirkungen sind absehbar, erhofft sich der Landkreis Bautzen?

Ich sehe in der Antragstellung mehrere Aspekte, nicht nur wirtschaftliche. Die Kohlegewinnung und Verarbeitung haben die Region geprägt. Für viele Menschen sind damit Lebensmittelpunkt, berufliches Werden und Sein, Tradition und Emotionen verbunden. Dies soll und muss der Nachwelt erhalten bleiben. Die Zusammenarbeit mit der F 60 ist eine Art Brückenschlag zwischen Sachsen und Brandenburg und steht ganz im Zeichen des beginnenden Strukturwandelprozesses in der Lausitz. Knappenrode und die Stadt Hoyerswerda sowie die Belegenheitsgemeinde in Brandenburg können dadurch stellvertretend für die gesamte Region Nordsachsen- Südbrandenburg eine Bekanntheit erreichen, welche privat und gewerblich zu Interesse und Nachfrage führt. Die Bedeutsamkeit eines solchen Bewerbungs- und, ich hoffe, Anerkennungsverfahrens, geht weit über monetäre Zielstellungen hinaus.