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Warum Zittau rausgeflogen ist

Zu unkonkret und "rätselhaft": Die Kulturhauptstadt-Jury hat an der Bewerbung aus dem Dreiländereck viel zu bemängeln. Lob gibt es aber auch.

Die Kulturhauptstadt ist raus - mit der Kulturherzstadt geht es weiter.
Die Kulturhauptstadt ist raus - mit der Kulturherzstadt geht es weiter. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Sie haben es den Zittauern nicht zugetraut! So könnte man die Begründung der Kulturhaupstadt-Jury auf einen kurzen Nenner bringen. Am 12. Dezember hatte das international besetzte Gremium bei der Vorauswahlrunde zur Kulturhauptstadt 2025 verkündet: Zittau ist nicht mehr im Rennen. Heute nun hat sie ihre ausführliche Begründung öffentlich gemacht.

Zwar haben der überwältigende Bürgerentscheid und das große Engagement, mit dem die Stadt und viele Einwohner dahinter gestanden hätten, der Zittauer Bewerbung viele Punkte gebracht. Die Jury lobt das ausdrücklich und "weiß es zu schätzen". Auch die Bildung des Fördervereins sei "ein deutliches Signal". An Inhalt und der Art der  Bewerbung haben die Jury-Mitglieder aber viel zu bemängeln: 

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Das BID - also das Angebotsbuch - enthalte zu viele allgemeine Informationen. Es sei für die Jury-Mitglieder schwierig gewesen, zwischen der allgemeinen kulturellen Entwicklung und den spezifischen Zielen zu unterscheiden.

Die Entwicklungsvision für Zittau und die 3-Länder-Region sei nicht klar dargestellt gewesen - eine Schwäche im ansonsten sehr ehrgeizigen Plan. Die Jury hat zwar ein großes Potenzial für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gesehen, fand dieses aber nicht klar herausgearbeitet. 

Auch die "kulturellen und künstlerischen Ambitionen" der Stadt für das Titel-Jahr 2025 haben der Jury offenbar nicht so richtig gefallen. Die konzeptionellen Richtlinien seien im Allgemeinen zwar angemessen, heißt es in der Begründung, aber die Themen "365° Leben" und "365° Europa" waren der Jury schlicht zu "rätselhaft".

Als einen Fehler sieht die Jury den Plan an, jeden Monat im Jahr ein anderes Land einzuladen, um sich zu präsentieren. Das sei weder eine Garantie für ein ansprechendes künstlerisches Programm, noch erweitere es die internationale Zusammenarbeit der regionalen und lokalen Künstler. Das seien zwölf thematische Schwerpunkte - einer hätte wohl gereicht. Die Jury hat auch keine sichtbare Strategie gesehen, wie Zittau Europäer und internationales Publikum, auch aus den Nachbarländern, im Titeljahr anlocken will.

Viel Potenzial und mutige Investitionspläne

Die Jury lobt aber ausdrücklich, dass die Stadt viele positive Schritte zur Entwicklung ihres kulturellen Profils gemacht habe. "Und diese Schritte sind es wert, fortgesetzt zu werden."

Es gibt nach Ansicht der Jury in Zittau auch "einige mutige Investitionspläne", deren Weiterentwicklung unbedingt empfohlen wird. So beispielsweise die Umwandlung der leerstehenden Robur-Brache in einen Ort der Erinnerung und des Dialogs, die Schaffung eines Europäischen Kreativzentrums und die Idee, zwölf Architekten dazu aufzufordern, 12 Brachengelände zu entwickeln. "Solche innovative Konzepte und Ideen sind es wert, weiterentwickelt zu werden."

Die Jury würdigt die Begeisterung und Energie des Projektteams und das Engagement des Oberbürgermeisters, ebenso die künstlerischen und erzählerischen Elemente in der Präsentation. Aber nach Ansicht des Gremiums scheint die Region noch nicht über die Kapazitäten zu verfügen, die für eine europäische Kulturhauptstadt nötig sind.

Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) wollte sich am Freitag noch nicht zum Bericht der Jury äußern. "Das Team und ich werden den Report zunächst in Ruhe lesen", teilt er mit. Anfang kommender Woche soll es eine Stellungnahme aus dem Rathaus geben.

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Der Freundeskreis, darin sind die Mitstreiter sich einig, will auf jeden Fall weiter aktiv sein. "Wir haben viele Projekte", sagt Freundeskreis-Chef Jürgen Wegerich. Unter anderem sind ein regelmäßiger "Drei-Sterne-Brunch" abwechselnd in den drei Ländern und Sport-Events geplant, auch die Lesenacht wird es weiter geben. Und unbedingt soll bald das grenzüberschreitende "Radio Z" auf Sendung gehen.

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