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Hoyerswerda

Kulturschule ist Chefsache

Im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda weitet ein breitgefächertes Angebot den Blick auf die Welt.

Zehn Jahre Kulturschule Hoyerswerda im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda: Die Zehntklässlerinnen vor der Leinwand, auf der gerade eine Szene ihres Films zur Suchtproblematik zu sehen ist.
Zehn Jahre Kulturschule Hoyerswerda im Lessing-Gymnasium Hoyerswerda: Die Zehntklässlerinnen vor der Leinwand, auf der gerade eine Szene ihres Films zur Suchtproblematik zu sehen ist. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Kulturstunde für Fünftklässler, Tischtennisgrundkurs, Saxofonklasse, Arbeitsgemeinschaften wie Film oder Jazzdance und pro Klassenstufe ein Kulturtag mit fächerübergreifendem Projekt – diese Möglichkeiten kultureller Bildung gehören am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda seit dem Schuljahr 2009/2010 dazu wie normaler Unterricht, sagt die für das Kulturschulprojekt verantwortliche Lehrerin Inge Bormann. Alle Fünft- bis Zwölftklässler, auch die Klassen mit vertiefter musischer Ausbildung sind beteiligt, damit sich jeder Schüler ausprobieren kann und ein eventuelles Scheitern in einer der genannten Sparten nicht gleich negative Folgen hat.

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Am Donnerstag der letzten Woche hatten deshalb die Zehntklässler keinen regulären Unterricht, sondern sie bereiteten in klassenübergreifenden Gruppen eigene Kurzfilme zu selbstgewählten Themen vor. Am Freitag, ihrem Kulturtag, schauten sich alle die Arbeiten an, und eine Jury aus Lehrern, Vertretern der KulturFabrik (KuFa) und Schülern anderer Klassenstufen bewertete die Beiträge. Chantal und ihre Gruppe hatten schon in den Winterferien Filmszenen zum Thema „Sucht“ gedreht und an besagtem Donnerstag ihren fünfminütigen Beitrag am Schneidetisch der KuFa mit Dialogen, Musik, Vor- und Abspann endgefertigt. „Insgesamt war das viel Arbeit“, resümierte Chantal, und damit den dritten Platz zu erreichen sei schon schön.

Planspiel „Asyl in Buntanien“

Annabell erinnerte sich an Kulturtage in anderen Klassenstufen und erzählte vom Planspiel „Asyl in Buntanien“, bei dem einige Schüler Asyl beantragen mussten und andere „Polizisten“ oder „Mitarbeiter des Ausländeramtes“ waren. Eindrücklich sei diese Erfahrung gewesen. Genau wie das Kennenlernen der Braille-Schrift, mit der blinde Menschen Texte lesen und schreiben. „Die Kulturschule weitet den Blick“, sagte Annabell und der Physiklehrer Dr. Falk Günther ergänzte: „Alle Schüler gehen höflich und vernünftig miteinander um.“ Darin sieht er auch ein positives Ergebnis der Kulturschule des Hoyerswerdaer Lessing-Gymnasiums.

A-Woche und B-Woche

Sportlehrerin Inge Bormann erklärte die zweite Säule des Kulturschulprojekts: Im Flexi-Inn-Unterricht in der A-Woche üben die leistungsstärksten Fünft- und Sechstklässler während einer Unterrichtsstunde mit ihrer Schülerband oder spielen Fußball. Die anderen erarbeiten in Gruppen selbstständig Wissen für Deutsch, Englisch und Mathe. In der B-Woche erlernen in dieser Zeit alle Fünftklässler entweder das Schachspielen, Theaterspielen, Filmen oder, ganz neu: Zirkuskünste. Sechstklässler beschäftigen sich mit Lerntechniken. All diese Stunden geben neben Lehrern auch Mitarbeiter der KuFa, der Kinder- und Jugendfarm sowie Vertreter von Sportvereinen und Musikschulen.

Damit das sachsenweit einmalige, vom Kulturraum Oberlausitz/Niederschlesien initiierte Projekt funktioniert, besteht seit zehn Jahren die Bildungspartnerschaft „Kulturschule“ mit der KuFa. „Sie hat vonseiten der Schule wie der KuFa den Status einer Chefsache“, bekräftigt Inge Bormann. Dazu kommt, dass die Mitarbeiter aller Einrichtungen engagiert zusammenwirken. Die Projektfinanzierung läuft auf Basis der Ganztagsangebote für Schulen.