SZ +
Merken

„Kummt oack a de Mangel rei“

Wie kaum eine andere Mundartgruppe haben die „Ebersbacher Edelroller“ die Oberlausitz weit über das Gebiet hinaus bekannt gemacht. Ihre Lieder erklangen bereits zu ihrer Gründerzeit vor 70 Jahren über den Rundfunk. Am Sonnabend feiert die Gruppe in der „Alten Mangel“ dieses Jubiläum.

Teilen
Folgen

Von Peter Stache

Auch wenn es noch nicht zum allgemeinen Sprachgut in und um Ebersbach gehört. Nach dem morgigen Sonnabend wird es der eine oder andere weitersagen: Die „Ebersbacher Edelroller“ sehen sich solche „Moannsnbelustigungsblatl“ an. Einer sucht seine Brille und findet sie schließlich im Hausflur, wo er vor seiner Frau ein Sexmagazin „verkroancht“ hat.

Zur Sprecherprobe für das Jubiläumsprogramm klopfen die „Edelroller“ den Text für die Spielszenen ab und haben schon im Voraus ihren Spaß daran. „Hoffentlich hast du dann auch so ein Blatl mit“, meint Achim Röthig. Dieter Stephan antwortet: „Muss ich mir extra kaufen.“ Und er bekommt den Rücken gestärkt von der übrigen Männerrunde: „Das kannst du deiner Frau ruhig sagen!“ Die „Edelroller“ schlagen auch ernstere Töne an. Der Nachbar hat nach drei Jahren endlich Arbeit. In Bayern. Jan Herrmann hat darüber ein Gedicht gemacht, dass „de Fuhre 'n raajcht'n Waajg mol wieder nimmt und Jugend noa su monch'n Johre zuricke a de Heemte kimmt“. Der 26-jährige Leutersdorfer kommt nur an den Wochenenden in die Oberlausitz. Den 23-jährigen Robert Pätzold hat es noch weiter verschlagen. Er bleibt Mitglied und ist im Festprogramm mit dem Vortrag vom „Äberlausitzer Abc“ zur Stelle. So können auch die „Edelroller“ ein Lied von der neuen Zeit singen. In den letzten zehn Jahren verringerte sich die Gruppe von 20 auf 17 Mitglieder. Der Stamm ist zusammengeblieben, älter geworden, aber um so standfester. „Dienstältester Edelroller“ ist Friedbert Neumann, dicht gefolgt von dem an Lebensjahren älteren Friedersdorfer Friedrich Dreßler und dem 64-jährigen Ebersbacher Achim Röthig. Mit Frank Müller ist ein 29-Jähriger Vereinsvorsitzender. Er ist dennoch kein heuriger Hase. Mit 14 schon hat er angefangen. Jüngster „Edelroller“ ist der 20-jährige René Vogt. „Ich habe ihm im Programm absichtlich das Gedicht von Herbert Andert zugedacht, wo es heißt, dass unsere Oberlausitz lebt und weiter leben wird“, sagt Dieter Kretschmer. „Die Jugend trägt die Mundart weiter.“

Dieter Kretschmer leitet die „Edelroller“ seit 1986. Der 59-Jährige ist ihr vierter musikalischer Leiter. Schon zu ihrem Ursprung traten die Mundartsänger als „Botschafter der Oberlausitz“ hervor. Als Werber für die Heimat verstanden sie sich auch in den letzten Jahren bei Auftritten in Regensburg, Berchtesgaden, Wiesbaden, Nürnberg, Spandau, auf der Touristikmesse am Berliner Funkturm und bei den Veranstaltungen in der Heimat – vom Hainbergfest über Folkloretage bis zum „Tag der Sachsen“. Die Festveranstaltung zum 60-jährigen Bestehen ging vor zehn Jahren als 1 161. Veranstaltung in die Chronik der „Edelroller“ ein. Die bevorstehende Gala in der „Alten Mangel“ ist die 1 275.

So übten sie nun zusammen mit den „Abersbächer Heedelirchen“ erstmals ein musikalisches Theaterspiel ein. Das Festprogramm am Sonnabend (ausverkauft) wird die Vielfalt der Gruppe und die Tatsache widerspiegeln, dass Mundart nicht etwas aus dem vorvorigen Jahrhundert ist, sondern lebt.