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Mehr als klassische Druckkunst

Ted Behrens hat das Motiv für sein Werk zum Stadtkunstfest rund um die Großenhainer Marienkirche gefunden.

Keine "Straßenmalerei", trotzdem Kunst: Ted Behrens hat am Dienstag eins von drei Kunstwerken für das Stadtkunstfest kreiert.
Keine "Straßenmalerei", trotzdem Kunst: Ted Behrens hat am Dienstag eins von drei Kunstwerken für das Stadtkunstfest kreiert. © Anne Hübschmann

Großenhain. Ein älterer Autofahrer schaut etwas verdutzt und ungehalten, als er an der Ecke Kirchplatz/Gabelsbergerstraße abbremsen und sogar kurz stoppen muss. Andere Passaten blicken neugierig und lächelnd durchs geöffnete Fenster, nicken kurz und fahren weiter. 

Ted Behrens nimmt es kurz zur Kenntnis, streicht ein Stück Straßenpflaster mit Farbe ein. Dann legt er ein weißes Blatt Papier drauf, drückt kurz an - fertig. Seine Partnerin Anne Heller nickt zustimmend. "Das sieht doch schon gut aus", sagt sie.

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Auch an weiteren Stellen nahe der Marienkirche vollzieht Ted Behrens das Prozedere. Und nach gut einer halben Stunde ist ein Gemälde entstanden. Der 58-Jährige ist zufrieden. "Das Bild soll in die klassische Druckkunst passen und einen regionalen Bezug haben", formuliert er den Anspruch. Die verschiedenen Pflasteranordnungen, aber auch andere Details rund um die Marienkirche haben es ihm angetan.

Behrens ist einer von 20 Künstlern, die zum diesjährigen Stadtkunstfest am 11. September ihre Werke ausstellen werden. Der gebürtige Rostocker wird sich dann zum zweiten Mal in der Röderstadt präsentieren. Schon 2008 war er beim "Erlebnisfest der Sinne" im Stadtpark vertreten. 

Damals mit der Installation "Meins!". Zwölf mit Wasser gefüllte Kanister wurden da an einen Baum gekettet. Das Wasser selbst stammte aus so unterschiedlichen Quellen wie der Elbe, dem Großenhainer Dianabrunnen, dem Zschauitzer Steinbruch oder aus einem Brunnen am Potsdamer Platz in Berlin. 

Verschiedene Motive rund um die Marienkirche haben es dem gebürtigen Rostocker besonders angetan.
Verschiedene Motive rund um die Marienkirche haben es dem gebürtigen Rostocker besonders angetan. © Anne Hübschmann
Besonders beliebt für Druckunst sind Gullydeckel, die oftmals den lokalen Bezug herstellen.
Besonders beliebt für Druckunst sind Gullydeckel, die oftmals den lokalen Bezug herstellen. © Anne Hübschmann
Fertig: Das Gemälde kann am 11. September, dann natürlich gerahmt, bestaunt werden.
Fertig: Das Gemälde kann am 11. September, dann natürlich gerahmt, bestaunt werden. © Anne Hübschmann

Nun also Druckkunst. Die Inspiration dazu fand Ted Behrens vor einiger Zeit beim Car-Painting, bei dem unterschiedliche Autospuren und Farben übereinander gedruckt werden. Die Idee für das Gemälde in Großenhain wiederum kam bei einem Spaziergang im Zentrum.

Auch die Idee für einen Namen gibt es bereits - und auch der hat seinen Ursprung in der Röderstadt. Anne Heller und Ted Behrens entdeckten nahe des Wiesenweges ein Graffiti-Bild mit dem Schriftzug "Who we are?". Und da Kunst ja auch zum Nachdenken anregen soll, sei der Titel passend. Wobei auch die Übersetzung denkbar ist: "Wer sind wir eigentlich?". Eine Frage, die sich ja viele Mitmenschen gerade in diesen Zeiten immer wieder stellen - und auch beantworten.

Eigentlich ist Ted Behrens ja Lehrer. 2017 kehrte er nach 27 Jahren in Berlin wieder in den Norden zurück, arbeitet jetzt an der Erzieherfachschule in Greifswald. Als freischaffender Künstler absolvierte er zahlreiche Bildhauerkurse, war zu mehreren Studienaufenthalten in Polen, Argentinien, Indien, Nepal, Kuba und Mexiko.

In Großenhain wollte er seiner Partnerin eigentlich auch den Ort des Erlebnisfestes zeigen, wo er vor zwölf Jahren ausstellte. Doch 2008 war vor dem Tornado - "deshalb hab ich den Stadtpark gar nicht wiedererkannt", sagt der Künstler und packt seine Utensilien ins Auto. Ein paar Tage haben er und Anne Heller noch Urlaub, wollen sich Dresden anschauen. Und wer weiß, mit welcher Inspiration sie dann in die Heimat an der Ostsee zurückkehren.

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