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Ganz und gar Künstler

Der Luchauer Ralf Czekalla hat als Schlosser und Baustoffprüfer gearbeitet. Nun, 51-jährig, fängt er ganz neu an.

Von Maik Brückner

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Endlich kann Ralf Czekalla das tun, was er schon als Jugendlicher wollte: malen und zeichnen. Seit Januar ist der 51-Jährige als freischaffender Künstler tätig. „Das war schon immer mein Traum“, sagt der Luchauer. Dass er ihn erst jetzt verwirklichen kann, lag an den Umständen. Ralf Czekalla wuchs in Dresden auf. Dort besuchte er auch die Schule. Danach ließ er sich im damaligen Energiekombinat zum Reparaturschlosser ausbilden. Schon in der Lehre merkte er, dass das nicht die Erfüllung sein kann. Deshalb sah er sich nach was Neuem um. „Damals wurden Aufbauhelfer für Berlin gesucht“, erinnert er sich. Berlin, das war für viele DDR-Jugendliche das Tor zu Welt. Auch für den jungen Ralf Czekalla. Er packte seine Sachen und zog nach Berlin.

Der Neu-Berliner fand schnell Gefallen an der Hauptstadt. Hier gab es viele Galerien, hier lebten Maler, Grafiker und viele Intellektuelle. „Berlin war nicht so kleinbürgerlich wie Dresden, war toleranter und weltoffener.“ Czekalla merkte recht bald, dass er eine künstlerische Ader hat. Er begann, zu malen und zu zeichnen. Das Talent hat ihm seine Mutter mitgegeben. „Sie ist Textilgestalterin“, sagt er. Es dauerte nicht lange, bis er dort einen Freundeskreis aufgebaut hatte. Das sollte ihm dann zum Verhängnis werden. Denn unter den Freunden gab es mehrere, die mit der DDR nicht mehr zurechtkamen und Ausreiseanträge gestellt hatten. „Ich wollte nicht ausreisen“, sagt Ralf Czekalla. Dennoch verfestigte sich in den Gesprächen eine „pazifistische Grundeinstellung“. Das führte dazu, dass er den Dienst mit der Waffe ablehnte, Czekalla wollte Bausoldat werden. Diese Einstellung versperrte ihm den beruflichen Weg zur Kunst. Als er sich um einen Studienplatz an der Hochschule für Gestaltung und Werbung bemühte, wurde er abgelehnt. Der junge Mann begrub seine Pläne und versuchte, in Berlin zu bleiben. Das war nicht so einfach. Denn jeder Aufbauhelfer sollte nach zwei Jahren in seine Heimat zurückkehren. Czekalla bewarb sich bei einer kleinen Schlosserei, die ihn einstellte. So schaffte er es, in Berlin zu bleiben, schuf sich einen „Rückzugsort“, seine „Nische“. Die Monate vor dem Mauerfall erlebte er als Bausoldat südlich von Berlin. Danach konnte er in den Zivildienst wechseln. Später arbeitete er als Mechaniker. – 1995 kehrte Ralf Czekalla nach Sachsen zurück. Seine Familie hatte einen großen Hof in Luchau gekauft. Hier wollten sich nicht nur seine Eltern, sondern auch zwei seiner Brüder niederlassen. Und auch für ihn war Platz. 1997 begann Ralf Czekalla zusammen mit seiner Frau, einer Lehrerin, auf dem Grundstück ein Haus zu bauen. Das Geld dafür verdiente er erst als Heizungsbauer in Schlottwitz und später als Baustoffprüfer in Dresden. Vor gut einem Jahr dann bekam er Probleme mit den Knien und dem Rücken. Der Amtsarzt attestierte ihm, dass er keine schweren Arbeiten mehr ausführen könne. Was nun? Nach reiflicher Überlegung entschloss sich Czekalla, sein Hobby zum Beruf zu machen. Ihm ist klar, dass es nicht einfach sein wird, mit Kunst Geld zu verdienen. Trotzdem traut er es sich zu. Denn vor drei Jahren hat sich Czekalla mit einer besonderen Kunstform vertraut gemacht. Dem Bodypainting. „Damit kann man Geld verdienen“, sagt er. Inzwischen hat er sich einen Namen gemacht, ihn buchen Eventagenturen und Fotografen. Dennoch. Er bemalt und besprüht zwar sehr gern menschliche Körper, doch das reicht ihm nicht. Czekalla möchte auch mit Ölmalerei, Grafik und der Bildhauerei seinen Lebensunterhalt verdienen. Deshalb hat er Kontakte zu Galerien aufgenommen, damit seine Bilder auch wahrgenommen werden. Ganz unerfahren ist Czekalla dabei nicht. Er weiß, wie der Kunstbetrieb läuft. Seit 2005 hat er sich mit einigen seiner Kunstwerke an verschiedenen Ausstellungen in Berlin, Dresden und Potsdam beteiligt. Einige Bilder, in denen er sich hauptsächlich mit dem Verhältnis zwischen Fantasie, Traum und Realität auseinandersetzt, hat er auch schon verkauft. Das stimmt ihn optimistisch, dass er trotz des späten Starts auch als Künstler erfolgreich sein kann.

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