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Kunst im einstigen Armenhaus

Die Tochter des Volkskünstlers Gerhard Neumann hält das Vermächtnis ihres Vaters mit Kreativität in Ehren.

© Katja Frohberg

Von Peter Salzmann

Cunnersdorf. Goldene Lettern auf schwarzem Stein verraten: „Hier lebte und wirkte der Lehrer und Volkskünstler Gerhard Neumann“. Und es stimmt: Das Haus Cunnersdorfer Straße 1 atmet Geschichte, auch ohne Datenbeweis. Der Überlieferung nach soll das ehrwürdige Gemäuer auf Sandsteinsockel – heutzutage denkmalgeschützt in Bestzustand – schon zur Ortsgründung anno 1379 existiert haben. Das einstige Armenhaus des idyllischen Waldhufendorfes hatte sogar einen kleinen Kerker, in dem aufgegriffene Landstreicher in Gewahrsam genommen worden waren. 1950 übernahm Gerhard Neumann das Anwesen. Der Lehrer, Schulleiter, Kunsterzieher, Kantor, Maler, Komponist und Dichter ist vor allem als Volkskünstler in die Annalen eingegangen. Eine Vitrine gegenüber dem Haus zeigt seine Holzschnitte und Grafiken mit Motiven der Sächsischen Schweiz. Eine Tafel, initiiert vom Cunnersdorfer Heimatforscher Emil Nickel, verweist darauf, dass Neumann viele einheimische Schnitzer ausgebildet hat. „Was man gern tut, gelingt immer“: Dieses lebensnahe Gerhard-Neumann-Zitat ist auf Holz in der kleinen museumsreifen Laden-Galerie zu lesen.

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Die 84-jährige Monika Backmann bewahrt das Vermächtnis ihres Vaters mit Herz und Verstand. Sie hat sich als Textilgestalterin einen Namen gemacht. Zeitlose Kleider und Oberteile, Hosen, Jacken, Pullover, Socken, auch geschmackvolle Wandbehänge sind allesamt Unikate, ausschließlich aus Naturmaterialien. Mit Ausstellungen in Dresdner Galerien, in Weimar, Berlin und Pirna, sogar im Goethe-Institut zu Helsinki hat sich Monika Backmann in den Fokus gerückt. „Ich hole mir Anregungen von den Menschen, kann mich so an den Trends orientieren, ohne dem Zeitgeist zu folgen“, sagt sie. Mit ihrer Bauernmalerei auf Truhen, Schränken, Stühlen und Bänken– bis 1989 in der Cunnersdorfer Heimatstube zu sehen – hat sie sich traditionsbewusst verewigt, ganz im Sinne ihres Vaters Gerhard Neumann.

Seit 2000 besitzt sie eine Yoga-Trainer-Lizenz, vor allem für die „Fünf Tibeter“. Es handele sich um Übungsfolgen für Körper, Atem und Bewusstsein, was „zweifelsfrei in unserer stressigen Zeit der Entspannung dient“, sagt sie. Nicht nur die Cunnersdorfer machen davon Gebrauch. In der Volkshochschule Senftenberg, auch in Pirna findet Frau Backmann mit ihren Kursen regen Zuspruch. „Das Rüstzeug habe ich mir an der Sportschule in Münster geholt.“ Es gehe um bewusstes, reines Körpertraining, so mit dem „Sonnengruß“, um mit gezielten Übungen die Sonne zu begrüßen. Seit fünf Jahren ist sie außerdem als Mineralstoffberaterin tätig, schwört auf Schüssler-Salze, berät mit Kursen und Seminaren in Pirna und Senftenberg. „Das hilft, dem Leistungsdruck und der emotionalen Belastung erfolgreich zu begegnen“, will die sportliche Künstlerin unterstrichen wissen.

Wer mit Monika Backmann ins Gespräch kommt, kann sich auf eine lebensnahe Lehrstunde freuen. Ideenreich und aufgeschlossen ist die 84-Jährige. Ihre Worte sprudeln ohne Unterlass – nicht immer geordnet, aber stets gehaltvoll. Ihr säuberlich gebundener Pferdeschwanz reicht weit über den Nacken. Eine Künstlerin eben, auch äußerlich. Auch das passt zu ihr: Als Mitglied im Pirnaer Tierschutzverein sind Kater „Minki“ und Katze „Hupsi“ bei Monika Backmann in besten Händen.