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Oderwitz erhält 10.000-Euro-Kunstaktion

In Oderwitz gibt es am Sonnabend eine vierstündige Kunstaktion übers ganze Dorf verteilt. Initiator Helge-Björn Meyer über Idee und seine Oberlausitzer Wurzeln.

Helge-Björn Meyer ist als Theater-Dramaturg bekannt. Er gewann einen Ideenwettbewerb der Staatlichen Kunstsammlungen und initiiert nun in Oderwitz; einen Kunst-Parcours.
Helge-Björn Meyer ist als Theater-Dramaturg bekannt. Er gewann einen Ideenwettbewerb der Staatlichen Kunstsammlungen und initiiert nun in Oderwitz; einen Kunst-Parcours. © Ronja Schulz

Als Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) vor Kurzem den Gemeinderat von einer besonderen, spontan angekurbelten Kunstaktion am 23. November berichtete, war sie noch nicht ganz sicher, wie genau sie die Sache beschreiben soll.

Kein Wunder, denn eine Aktion mit einem Budget von 10.000 Euro, die quer durchs ganze Dorf führt, bekommt man nicht alle Tage angetragen. Schon gar nicht von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Was das Ganze eigentlich soll und wie es dazu gekommen ist, erklärt der in Dresden und Berlin lebende Künstler Helge-Björn Meyer, der mit seiner Idee eines Kunst-Parkour MIT.NACHBARN einen Wettbewerb gewonnen hat:

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Herr Meyer, verstehen Sie, dass manche Oderwitzer fürchten, am Sonnabend landet ein Ufo, das Kunst aus der Großstadt ins Dorf bringt und dann wieder abfliegt?

Helge-Björn Meyer: Das kann ich vollkommen verstehen, aber genau das ist nicht beabsichtigt. Ja, es ist sicherlich irritierend und ein bisschen wie ein Überfall, wenn Leute einfach so in den Ort kommen, Geld und Ideen mitbringen. Aber was wir nicht möchten, ist, Leute zu belehren oder sie mit Kunst aus der großen Stadt zu beglücken. Wir wollen sie zum Mitmachen und Genießen zu verführen.

Wobei sollen die Oderwitzer mitmachen und genießen?

Meyer: Meine Idee ist ein Kunst-Parkour, bei dem die Oderwitzer und ihre Gäste einen anderen Blick auf ihr Umfeld werfen sollen. Wir laden sie in halböffentliche und private Räume in Oderwitz ein, wo es Kunstaktionen von elf internationalen Künstlern geben wird: zum Beispiel Tanz in der alten Webfabrik und im Wartehäuschen bei Zwahr, Videokunst nahe dem Wetterkabinett, gestische Malerei - da entsteht ein Gemälde aus Worten der Zuschauer - im Dreiseithof der Familie Nowak... Dabei geht es auch viel um persönliche Erinnerungen. Meine Idee ist, sich den Ort von Station zu Station gemeinsam neu zu erschließen - buchstäblich zu erfahren mit dem eigenen Fahrrad. Die Bewohner sind die Gastgeber des Ganzen.

Im November mit dem Fahrrad - warum musste das jetzt sein?

Meyer: Das haben uns viele gefragt - wo es doch im Frühjahr so viel schöner ist in Oderwitz. Aber, warum nicht: Auch das Novembergrau macht etwas mit einem Ort - und wir wollen es mit dem Parcours bunter machen. Vielleicht kommen wir am Ende zu dem Schluss, es das nächste Mal zu einem anderen Zeitpunkt zu versuchen - vielleicht dann, wenn es der Gemeinde für den Tourismus besser nutzt.

Beim nächsten Mal? Das heißt, sie wollen wiederkommen?

Meyer: Um bei dem Bild zu bleiben: Wir wollen kein Raumschiff sein, aus dem die Künstler wie Aliens mal kurz aussteigen, um dann gleich wieder abzufliegen. Mein Wunsch ist es, dass die Oderwitzer einsteigen und mitmachen. Bislang bin ich da optimistisch. Wir sind so offen und nett empfangen worden, Gemeinde und Bürgermeisterin haben uns hervorragend unterstützt, Kontakte geknüpft. Wir sind schwer begeistert von Oderwitz!

Und die Finanzierung? Jetzt haben Sie einen Preis gewonnen und 10.000 Euro Budget für die Aktion - viel Geld für Kunst hier in der Region. Wie soll eine Fortsetzung finanziert werden?

Meyer: Ja, das ist viel Geld hier in der Region, ich weiß das. Ich habe auch die Diskussionen um das Lausitz-Festival verfolgt, das auch von außen in die Region gekommen ist. Was die 10.000 Euro betrifft: Bei elf Künstlern an zwölf Stationen ist das - sauber kalkuliert - gar nicht so unglaublich viel. Ich verdiene mein Geld übrigens auch mit Theaterberatung. Ich suche Förderprogramme für Projekte und kläre, wie man da rankommt? Wenn die Oderwitzer es wollen, können wir gemeinsam für eine Fortsetzung Geld einwerben. Es müssen ja auch nicht gleich zwölf Stationen werden. Ich wünsche mir ohnehin nach dem Parkour eine Auswertung: Was war gut, was hat nicht funktioniert. Damit kann man dann arbeiten.

Wie sind Sie eigentlich ausgerechnet auf Oderwitz gekommen - sie haben den Kunst-Parkour ja nicht für den Ort entwickelt?

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Meyer: Nein, ich habe solche Performances auch schon in anderen Städten wie Athen oder Beirut initiiert. Mit der Idee habe ich mich dann beim Wettbewerb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beworben und gewonnen. Bei der Frage, wo ich das umsetzen möchte, war mir klar, dass es in der Oberlausitz/Niederschlesien sein soll, weil hier durch die Umbrüche, die industrielle Vergangenheit gewissermaßen die Themen auf der Straße liegen. Ich habe auch selbst familiäre Beziehungen hierher - durch meine Oma in Olbersdorf. Am Ende standen zwei Orte zur Auswahl und Oderwitz ist es geworden.

Mehr Infos zum Parkour, der um 14 Uhr startet und bis etwa 18 Uhr läuft, finden Sie hier.

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