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Kunstdepot zieht bald um

Die städtische Kunstsammlung ist ab Sommer im Wasapark untergebracht. Dort hilft künftig ein Aufzug beim Bildertransport.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

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Dem nüchternen Gang im Plattenbau der Oberschule Mitte auf der Wasastraße ist es nicht anzusehen. Aber gleich hinter der nächsten Tür liegt und steht jede Menge Radebeuler Kunstgeschichte. Das Gemälde „Bildnis Gussy Hippold“ gehört dazu. Der Radebeuler Maler Erhard Hippold porträtierte seine Frau – selbst eine bekannte Künstlerin und Schülerin von Otto Dix –, mit der er ab 1945 im Haus Sorgenfrei in Oberlößnitz lebte. Mithilfe von Spenden über 10 000 D-Mark gelangte das Werk vor zwei Jahrzehnten in städtischen Besitz und damit ins Kunstdepot. Spenden halfen auch beim Ankauf eines Gemäldes des in Dresden geborenen Theodor Rosenhauer. Für 20 000 D-Mark konnte 1995 die „Lößnitzlandschaft mit Anschlagtafel“ aus dem Jahr 1964 erworben werden.

Für Stadtgaleristin Karin Baum sind nicht nur die Werke besonders wertvoll, die auf dem Kunstmarkt hohe Preise erzielen können. Sondern auch solche, die wichtige künstlerische Entwicklungen sichtbar machen. Sie nennt eine der jüngsten Schenkungen für die Kunstsammlung – eine kleine Buntstiftzeichnung mit einem Indianerkopf, den der in Radebeul lebende Künstler Claus Weidensdorfer als Zehnjähriger fertigte. Oder die Schenkung des Kunsthistorikers Werner Schmidt: Mit einem Selbstbildnis des Malers Paul Wilhelm würdigte er die Verdienste beim Aufbau einer städtischen Kunstsammlung. Das Wertvolle an den Exponaten ist ihre Einzigartigkeit, sagt Karin Baum.

All diese Arbeiten finden sich in der städtischen Kunstsammlung Radebeul. Die ist der Stadtgalerie angegliedert und seit 1992 bemüht, wichtige Werke von Künstlern aufzunehmen, die durch Leben und Arbeit mit der Lößnitzstadt verbunden sind. Zusammengetragen wurden so unter anderem Gemälde, Grafiken, Plastiken, Fotografien und Skulpturen. Sie zeigen Landschaften, Menschen, Tiere, Gebäude und Industrieanlagen ebenso wie Stillleben und Künstlerselbstbildnisse.

Etwa 2 000 Kunstwerke von über 150 Künstlern sind es bereits. Dazu kommen noch viele andere Lebenszeichen der Künstler: Entwürfe und Modelle, Plakate, Bild- und Filmdokumente. Spielzeugtiere gehören dazu, von einer Künstlerin nach Kriegsende geknetet, zum Broterwerb.

Ohne Schenkungen und ohne die Unterstützung durch den Förderkreis der Stadtgalerie wäre die Ausgestaltung des Kunstdepots schwieriger, sagt Karin Baum. Standen bisher 2 000 Euro jährlich im Stadthaushalt für Ankäufe zur Verfügung, sind es jetzt noch 1 000 Euro. Sammeln, bewahren, forschen und präsentieren nennt die Stadtgaleristin als Aufgabe der Kunstsammlung. Weil Depotkapazität kostbar ist, werden selbst Teilnachlässe nur in Ausnahmefällen angenommen, wie beim Radebeuler Karl Sinkwitz. Viele seiner Arbeitsblätter stapeln sich auf einem Tisch im Depot auf der Wasastraße. Das muss alles noch geordnet werden, so Karin Baum. Lange wird sie allerdings nicht mehr hier in der Schule arbeiten, in den ersten eigenen Depoträumen, die 2009 bezogen wurden. In dem Gebäude beginnt demnächst der Umbau. Die Oberschule erwartet mehr Schüler, das Haus muss energie- und brandschutzmäßig sowie behindertengerecht saniert werden. Sanitäre und Elektroanlagen sind zu modernisieren.

Deshalb zieht neben der Arbeitsgruppe Stadtmuseum und einem Teil des Hoflößnitzarchivs auch das Kunstdepot um. In den nicht weit entfernten Wasapark. Dort werden sie wieder aufgestellt, die angepassten Stahlregale zum Bilderaufbewahren und die Grafikschränke. Gab es bisher 200 Quadratmeter reine Nutzfläche kostenfrei in stadteigenen Räumen, sind es jetzt 150 angemietete Quadratmeter. Mit dem Platz kommen wir erst mal hin, sagt Karin Baum. Sie sieht Klimatisierung und Sicherheitsanlage als Vorteil der neuen Räume, ebenso den Aufzug und die Nähe zu Stadtarchiv und Stadtmuseumsdepot.

Der vorerst für zehn Jahre geltende Mietvertrag für den Wasapark läuft ab 1. Juli. Im April geht das Verpacken der Kunstwerke los, beim Umzug selbst hilft eine Firma. Für die insgesamt rund 195 Quadratmeter Mietfläche zahlt die Stadt monatlich 1 321,85 Euro Kaltmiete plus Betriebskosten von knapp 705 Euro. Für eine Gefahren- und Brandmeldeanlage gibt sie außerdem 7 000 Euro aus. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hatte dem kürzlich zugestimmt.

Für Karin Baum und ihr Team ist der Umzug nur eine der großen Aufgaben in diesem Jahr. So soll es die Ausstellung „Radebeul – Stadt der Zukunft“ geben – auch mit Kunstdepot-Exponaten. Eine Kunstwissenschaftlerin beginnt jetzt, Biografien von verstorbenen Radebeuler Künstlern zu ergänzen. Und die Stadtgaleristin hofft, dass es in den kommenden Jahren gelingt, den gesamten Depotbestand digital zu erfassen.

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