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Kunststoffwerk geht Geld aus

Großröhrsdorf. Die „JM Kunststoffwerke GmbH“ im Rödertal ist offenbar zahlungsunfähig. Gestern informierte der Insolvenz- Verwalter die Mitarbeiter.

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Von Reiner Hanke

Sechs Millionen Senfbecher sollten kommendes Jahr in den JM Kunststoffwerken Großröhrsdorf vom Band rollen. Bei Kunststoffkompostern sprach Geschäftsführer Joachim Miszori im Sommer sogar von Lieferengpässen – so enorm sei die Nachfrage. Die Herbststürme bringen nun eine kalte Dusche: Das Unternehmen schlitterte in die Insolvenz, es ist zahlungsunfähig.

Unter dem Aktenzeichen 530 IN 3016/06 heißt es nüchtern: „In dem Insolvenzverfahren über das Vermögen der JM Kunststoffwerke GmbH wurde am 25. Oktober Rechtsanwalt Helgi Heumann zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.“ Gestern Nachmittag rief der Verwalter die rund 50 Mitarbeiter zu einer Betriebsversammlung zusammen. Ganz überraschend kam die böse Nachricht nicht. Erfolglos versuchte die Belegschaft sogar mit Lohnverzicht die Misere abzuwenden. Im Oktober blieben die Löhne schließlich ganz aus. Auch ehemalige Beschäftigte meldeten am SZ-Telefon mittlerweile Zweifel am Management an. Dagegen erklärte Miszori bereits in der Vergangenheit, er habe das finanziell angeschlagene Unternehmen Technoplast erst 2004 vor dem Aus gerettet. Gestern beteuerte Miszori: „Die Auftragslage ist gut, damit hat die Insolvenz nichts zu tun.“ Deshalb werde auch weiter produziert. Helgi Heumann bestätigt: „Die Firma hat ein hohes Volumen guter und langfristiger Aufträge, ist zwar nicht kerngesund aber geeignet weiterzumachen. Die Kunden werden beliefert.“ Die Mitarbeiter sorgen sich dennoch um ihre Jobs: „Sie werden im wesentlichen erhalten bleiben“, schätzt Heumann ein.

Zu den Hintergründen für die Geldnot schwieg sich der Geschäftsführer gestern aus und verweist auf den Insolvenzverwalter. Zur SZ sagte Helgi Heumann: „Gemessen an den Umsätzen ist das Kreditvolumen zu gering.“ Das heißt, die Banken sind sehr zurückhaltend und wenig schüssig gegenüber dem Unternehmen. Sie halten die Geld-Leine kurz.

Nicht die einzige Insolvenz

Ein Blick in die gerichtlichen Bekanntmachungen lässt ahnen warum: So meldete im September die JM Management Consulting GmbH (eine Unternehmensberatung) Insolvenz an. Als Vertreter der Geschäftsführung wird Joachim Miszori genannt. Doch die Pechsträhne geht weiter. Schon im Sommer gerieten auch ein Haustechnik-Handel und ein Fachgroßhandel ins Trudeln. Die gehören nach den Worten von Rechtsanwalt Heumann ebenfalls zum Firmenkonglomerat Miszoris. Helgi Heumann: „Das Vertrauen der Banken ist letztlich verloren gegangen.“ In diesen Sog geriet nun das Kunststoffwerk.

Dabei sollten noch dieses Jahr weitere Investitionen den Standort Großröhrsdorf sichern. Das Geld wollte Miszori einerseits in neue Anlagen vor Ort stecken und andererseits in ein neues Recyclingwerk in Bautzen, die JM Kunststoffrecycling GmbH. Noch in diesem Jahr sollte mit dem Bau der fünf Millionen teuren Anlage begonnen werden. Doch die Kaufverhandlungen für das Baugrundstück mit der Stadt Bautzen stagnieren. Bereits Mitte Oktober hatte Finanzbürgermeister Michael Böhmer von fehlenden Unterlagen gesprochen. Pressesprecherin Elke Lorenz: „Der Investor muss jetzt etwas tun.“ Nach den jüngsten Hiobsbotschaften erscheint die Investition unwahrscheinlich: „Die Auswirkungen der Insolvenz sind noch nicht absehbar. Es sind aber eher keine positiven“, räumt Miszori ein.

Auch die geplante neue Produktionslinie in Großröhrsdorf wird warten müssen. „Aber wir werden versuchen die Produktion zu steigern“, so Heumann. Die Aufträge sollen abgesichert werden: „Es ist wichtig, dass die Kunden nun zur Stange halten.“ Seine Kanzlei wird das Management nun in die Hand nehmen und voraussichtlich bis Anfang 2007 über Sanierung oder Verkauf der Firma entscheiden. Die ersten Kaufinteressenten hätten schon angeklopft. Auf ein Wort