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Trennstrich im Kunstverein Meißen

Zwei Meisterschüler haben verschiedene Kunststile zusammengebracht. In der Ausstellung in Meißen grenzen sie sich trotzdem voneinander ab.

Bevor Pietro Sabatelli mit seiner Arbeit beginnt, weiß er noch nicht, wie das Ergebnis aussehen wird. Das ergibt sich erst während des Schaffensprozesses.
Bevor Pietro Sabatelli mit seiner Arbeit beginnt, weiß er noch nicht, wie das Ergebnis aussehen wird. Das ergibt sich erst während des Schaffensprozesses. © Claudia Hübschmann

Meißen. Weiße Pappbecher, aufgebahrt wie wertvolle Porzellanvasen. Klar, dass Touristen, da erst mal neugierig vor den großen Fenstern des Kunstvereins Meißen stehenbleiben. Doch in die Ausstellungsräume zieht es sie dann doch nicht. Dabei wäre die Künstlerin da, um zu erklären, was es damit auf sich hat - und beim näherkommen, würde sich herausstellen, dass die weißen Gefäße auch nur wie Pappbecher aussehen.

Seit Anfang Juli stellen Hanne Lange und Pietro Sabatelli von der Kunsthochschule Dresden ihre Werke in Meißen aus. Jeden Sommer sucht sich der Verein dafür zwei Meisterschüler heraus. Nachdem im letzten Jahr eine sehr farbenfrohe Ausstellung herauskam, ist die aktuelle Sammlung in schwarz-weiß gehalten. "Vielleicht hat uns der Kunstverein, als Kontrast zum letzten Jahr, herausgesucht", überlegt Lange. 

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Vor dieser Ausstellung haben die beiden Meisterschüler noch nicht zusammengearbeitet. Sogar ihre Ausstellungsstücke sind unabhängig voneinander entstanden. Doch in den Räumen des Vereins wirkt alles sehr stimmig. Es hat auch nicht lange gedauert, bis die beiden zusammengefunden haben. "Wir haben uns den Raum einmal angeschaut und sofort gemerkt: Das passt hier alles super rein", erinnert sich Lange. Noch auf der Rückfahrt im Zug nach Dresden entsteht das Konzept sowie der Name für die Ausstellung. Der Raum habe perfekt zum Titel "Hyphen" gepasst.

 "Auf den ersten Blick haben wir gesehen, diese Säulen sind unsere Hyphen." Dann habe auch das Zusammenwürfeln der Kunstwerke auf Anhieb geklappt - auch wenn eins von Sabatellis Drucken dabei im hinteren Teil des Ausstellungsraums fast untergeht. Für dieses Kunstwerk ist es jedoch fast sinnbildlich: Denn das Bild war schon lange fertig. Erst nach einem Jahr habe er sich gedacht, dass doch noch etwas fehlt und schließlich eine weitere schwarze Schicht aufgetragen.

Verschiedene Ausgangspunkte

In der Typografie bezeichnet der Name ihrer Ausstellung einen Trennstrich - künstlerisch haben das Lange und Sabatelli ganz unterschiedlich interpretiert.  Der Ausgangspunkt für Sabatellis Arbeit ist die urbane Architektur. Vor allem Fenster, Fassaden, geometrische Formen, die hervortreten, fotografiert er besonders gerne. Bis daraus eine seiner Skulpturen entsteht, durchläuft das Foto mehrere Phasen: Zuerst geht die Fotografie durch ein 3D-Programm - aus der Visualisierung wird sein Kunstwerk. Die genaue Umsetzung und welche Materialien der 37-Jährige verwendet, das alles ergibt sich beim Arbeitsprozess ganz von allein. 

Für Lange beginnt die Arbeit mit einem nur schwer zu fassenden Gedanken, den sie unbedingt greifbar machen möchte. Auf dem Tisch inmitten der Ausstellung hat sie zum Beispiel Wünsche und Zukunftsvorstellungen kartografiert. Um diese abstrakten Gedanken fassbar zu machen, wollte sie die erstarrten Bleistücke vom Bleigießen der Silvesternacht visualisieren, um damit die ganze Hoffnung, die in diesen kleinen Figuren steckt, messbar zu machen. Doch kleine Bleiteile zu vermessen stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Letztendlich hat sie für ihr Projekt mit den präzisen Vermessungsgeräten von Materialwissenschaftlern zusammengearbeitet. "Seit zwei Jahren gibt es dafür schon eine Handyapp", lächelt Lange. "Aber damals war das einfach nicht anders möglich."

Hanne Lange vor ihren visualisierten Wünschen.
Hanne Lange vor ihren visualisierten Wünschen. © Claudia Hübschmann

Damit ihre Gedanken zu Kunstwerken werden können, muss Lange ständig Brücken zu Wissenschaftlern schlagen und oft lässt es sich trotzdem nicht so umsetzen, wie sie es sich gerne vorgestellt hätte. Für Lange ist das allerdings eine kreative Bereicherung. "Durch diesen Prozess wird meine Kunst noch etwas besser. Denn Probleme dienen dazu, neue Ansätze zu finden."

Für die Abschlussprüfungen wurden den Kunststudenten keinerlei Vorgaben gemacht. Denn darum gehe es im Studium, sich ohne Grenzen ausprobieren zu können. "Unseren eigenen Rahmen müssen wir uns schon selber bauen", erklärt Sabatelli. Nur so ist es möglich, dass sich der künstlerische Fokus während des Studiums noch komplett verschieben kann. Vor ihrer Einschreibung an der Kunsthochschule hat Lange nur gezeichnet und sich auch nichts anderes vorstellen können. "Umso erstaunter war ich, dass ich zu den Bildhauern eingeteilt wurde", sagt Lange. Im Laufe des Studiums hat es sich als richtige Entscheidung herausgestellt. Heute reizen sie besonders Arbeiten, die den 2-dimensionalen Raum verlassen. 

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Die eine arbeitet mit Pinseln, der andere mit 3-D-Druckern: In der Doppelausstellung des Kunstvereins Meißen treffen zwei scheinbar unvereinbare Künstler aufeinander.

Die Ausstellung läuft noch bis Ende August, der Eintritt ist frei. Zur Katalogpräsentation am 27. August, um 19 Uhr, kann man mit den beiden Künstlern das nächste Mal ins Gespräch kommen.

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