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Zittau

Stadt der kunstvollen Wasserspeier

Zittau ist auch eine Stadt der historischen Brunnen. Sächsische.de stellt drei von ihnen vor.

Neben dem Salzhaus ist der 310 Jahre alte Herkulesbrunnen der Blickfang auf der Zittauer Neustadt. Das belegt diese historische Ansichtskarte eindrucksvoll.
Neben dem Salzhaus ist der 310 Jahre alte Herkulesbrunnen der Blickfang auf der Zittauer Neustadt. Das belegt diese historische Ansichtskarte eindrucksvoll. © Repro: Heike Schwalbe

Einige Zittauer Brunnen sprudeln bereits wieder, weitere sollen nach Reparatur und Reinigung in der ersten Maihälfte folgen. Von einfach bis reich verziert sind in der Stadt noch 18 meist kostbar gestaltete Wasserspeier vorhanden. Die Steinmetze holten sich dafür Anregungen aus dem Sagenschatz oder aus der Stadtgeschichte. Drei dieser barocken Meisterwerke haben 2019 runde Jahrestage und sollen hier näher vorgestellt werden.

Der Grüne Born

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Er gilt seit langem als schönster Brunnen der Stadt. Südöstlich vor dem Rathaus errichtet, war er an keine Rohrleitung angeschlossen. Eine Säule mit einer Pumpe stand in einem sechseckigen steinernen Brunnentrog, womit das Wasser, ein Mineralwasser, das beste Zittaus, aus einer Tiefe von 13 Metern heraufgeholt wurde. 1679 baute der Zittauer Kunstschmiedemeister Michael Fröhlich ein Brunnenhaus – ein Gitterwerk mit Ranken und Ornamenten, das ein Kupferdach erhielt. Gekrönt wurde sein Werk von einer vergoldeten schmiedeeisernen Kugel, die das kursächsische Wappen trägt. Den Namen „Grüner Born“ erhielt der Brunnen vermutlich durch sein Kupferdach. Ein Erdbeben soll 1856 zum Versiegen des Brunnens geführt haben, darum wurde er 1868 abgebaut. Der Historiker Dr. Christian Pescheck rettete das Brunnenhaus für seine Altertümersammlung, die schließlich ins Depot des Stadtmuseums gelangte. Fröhlichs Meisterwerk wurde zwischenzeitlich bei vielen großen Ausstellungen präsentiert und erhielt großen Beifall. Lange suchte die Stadt nach einem neuen Brunnen-Standort, den man schließlich vor dem Stadtmuseum fand. Hier steht der Grüne Born nun seit 1934. Er erhielt in der Mitte eine Sandsteinsäule mit einer Kugel, in der sich vier Wasserspeiröhrchen befinden. Darauf steht die Figur eines kleinen Jungen, der in der rechten Hand eine Blume und in der linken den Saum seines Hemdchens hält. Auch der schmucklose sechseckige Wassertrog wurde neu gestaltet. Beides schuf der Zittauer Bildhauer und Baumeister Fritz Föst. 1995 wurde dieser Brunnen saniert und mit neuer Technik ausgestattet. Als der Sandstein schadhaft wurde, konnte 2011 dank einer privaten Spenderin eine Kopie angefertigt und aufgestellt werden.

Die Knabenfigur auf dem Grünen Born vor dem Stadtmuseum.
Die Knabenfigur auf dem Grünen Born vor dem Stadtmuseum. © Archivfoto: Matthias Weber

Die beiden anderen Zittauer Brunnen, von denen hier die Rede ist, haben ihren Standort auf der Neustadt. Inmitten geschweifter achteckiger Wasserbassins, über zwei Stufen erreichbar, erhebt sich aus Sandstein jeweils eine reich gestaltete Säule, gekrönt mit einer Figur, die dem Brunnen den Namen gab.

Der Herkulesbrunnen

Der Wasserspeier aus dem Jahre 1709 steht oberhalb des Salzhauses. Seine Säule verziert einen Sockel, auf dem vier mit Schlangen spielende Putten sitzen. An den Ecken befinden sich, aus Löwenköpfen kommend, die vier Wasserspeier. Auf der Spitze der Säule kämpft der muskulöse Herkules überlebensgroß gegen Cerberus, der sich ihm zu Füßen windet. Herkules trägt ein Löwenfell und schwingt mit beiden Händen eine Keule. Der Sage nach hatte Herkules auf dem Weg zur Gottheit den dreiköpfigen Hund Cerberus mit Schlangenmähne, der den Eingang zur Hölle bewacht, mit bloßen Händen zu besiegen. Das gelang. Die Herkulesfigur nahm sich Johann Michael Hoppenhaupt, damals einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer, bei der Gestaltung der Säule zum Vorbild. Sein Meisterwerk beeindruckte auch den sächsischen König: August der Starke nahm die Brunnenweihe vor.

Der Sameriterinbrunnen

Um 30 Jahre älter ist dieser Brunnen südlich des Salzhauses, der sogar zwei Vorgänger hatte. Gestaltet wurde er 1679 vom Bildhauer Johann Friedrich Schmidt. Inspiriert haben könnte ihn die von Seuchen geplagte Stadt, in der man sich recht gut eine selbstlos helfende Frau vorstellen kann, die die Verletzten und Dürstenden mit einem erfrischenden Trunk labt – die Samariterin. Die sieben Meter hohe Säule zeigt an den Ecken vier wasserspeiende Delfine, auch Fische, Vögel, Schnecken und Pflanzen sind zu sehen. Und ganz oben steht die Figur der Samariterin mit freundlicher Miene in ruhiger, stolzer Haltung in Lebensgröße. Ein Wassergefäß hält ihre rechte Hand, ihre Linke rafft das einfache Gewand. Ihr zu Füßen lehnt links ein Wappenschild mit dem Zittauer „Z“.

Wie der Herkulesbrunnen wurde auch der Samariterinbrunnen 2001 saniert.

Saisonstart bei den drei hier vorgestellten Brunnen ist laut Stadtverwaltung Zittau beim Grünen Born und beim Samariterinbrunnen am 4. Mai. Beim Herkulesbrunnen soll sich am 11. Mai erstmals das sprudelnde Wasser zeigen.

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