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Kunstwerk erlaubt Blicke ins Unterirdische

Dresden. Station eins des Erlebnispfades Äußere Neustadt zeigt „Wurzelwerk“ in Stein.

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Von Lilli Vostry

„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt“. Unverhofft leuchtet Fußgängern in blauen Buchstaben dieser Satz des libanesischen Malers und Dichters Khalil Gibran vom Pflaster des Albertplatzes entgegen. Zu lesen ist die Inschrift auf einer fünf mal zwei Meter großen „Augenlinse“ aus Edelstahl und schwarzem Basaltpflaster, unweit der stattlichen Platane, die sich hier an der Bautzner Straße behauptet. Wie ein Sichtfenster ins Erdreich ist ihr Wurzelverlauf nachgebildet, der sich zwischen Telefonzellen und Ampelübergang unterirdisch verzweigt. Das beträchtliche Flechtwerk des Naturdenkmals hat im Laufe der Jahre sogar die Oberfläche leicht angehoben. Mit dem begehbaren Kunstwerk „Wurzelwerk“ wurde jetzt die erste Station des Erlebnispfades Äußere Neustadt eingeweiht. Den Entwurf gestaltete die Dresdner Landschaftsarchitektin Chris Erben-Bernert. „Wir wollen auf interessante Dinge und Orte in diesem Stadtteil aufmerksam machen – sinnlich erlebbar. Man soll sozusagen darüber stolpern, sehen, hören und wahrnehmen“, sagte sie.

33 Stationen sind geplant

Die Idee für den Erlebnisweg „Blickwinkel“ lieferte bereits vor fünf Jahren die damalige Architekturstudentin Katrin Jödicke im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Sie entwickelte auch das Konzept im Auftrag des Stadtplanungsamtes und des Sanierungsträgers Stesad und gewann Verbündete für das Projekt. Träger des Erlebnispfades ist nun die Bürgerinitiative IG Äußere Neustadt. Den Bau der Station „Wurzelwerk“ förderte die Klimaoase, eine Gemeinschaftsinitiative des BUND e.V. und der Deutschen Post AG, mit 3 300 Euro sowie die Stiftung Äußere Neustadt. Diese sammelt öffentliche und private Mittel für die geplanten 33 Erlebnis-Stationen. „Wir unterstützen Initiativen, die Natur in der Stadt noch mehr erlebbar machen“, sagte Rolf Schulz, Pressesprecher der Post AG. Als weitere Stationen sollen ein „Wassertelefon“ an der Prießnitz, eine „Dufte Wiese“ auf dem Alaunplatz und Guckrohre am Martin-Luther-Platz zur Beobachtung von „Tieren auf Wohnungssuche“ wie Turmfalken und Fledermäusen im Kirchturm einladen.

Eine Station kostet rund 5 000 Euro. „Wir hoffen, dass der Erlebnispfad bald weitergeht. Mitstreiter und Sponsoren können damit eine bleibende Erinnerung hinterlassen“, so Andreas Querfurth, Koordinator des Erlebnisweges.