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Hoyerswerda

Werke aus Erdbeer-Senkern und Binsen

Unter dem Motto „Daheim & unterwegs“ zeigt die Wittichenauerin Karla Kümmig bis April in Lohsa ihre Arbeiten.

Freitag wurde die neue Sonderausstellung „Daheim & unterwegs“ im Zejler-Smoler-Haus eröffnet. Karla Kümmig (re.) aus Wittichenau zeigt die Vielfalt ihrer Kunst. Zu den Besuchern gehörte Gerda Schwan (li.) aus Hoyerswerda.
Freitag wurde die neue Sonderausstellung „Daheim & unterwegs“ im Zejler-Smoler-Haus eröffnet. Karla Kümmig (re.) aus Wittichenau zeigt die Vielfalt ihrer Kunst. Zu den Besuchern gehörte Gerda Schwan (li.) aus Hoyerswerda. © Foto: Andreas Kirschke

Lohsa/Wittichenau. Friedlich wirkt die Landschaft in der Nacht. Der Vollmond scheint durch die Bäume. Sein kräftig leuchtendes Gelb erhellt den Wald. „Alles still“ heißt das 2014 entstandene Bild. Karla Kümmig aus Wittichenau schuf es mit der Mixed-Media-Technik. Am Freitag versetzt es wie die anderen Kunstwerke ihrer Sonderausstellung „Daheim & unterwegs“ die weit über 40 Besucher im Zejler-Smoler-Haus in Erstaunen. Der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa freut sich über den Zuspruch. „Erstaunlich ist, wie Karla Kümmig aus der Vielfalt ihrer Kreativität einzigartige Projekte entwickelt“, meint Kristina Niemz aus Hoyerswerda. Das Motiv „Alles still“ zum Beispiel entstand bei einem Patchwork-Kurs zum Thema „Durchblick“. Verschiedene Stoffe sind kombiniert, verschiedene Wollfäden verarbeitet, verschiedene Quilt-Techniken angewendet.

„In jedem Kunstwerk steckt ein Teil von mir“, meint Karla Kümmig. Mit Pastellkreide entstand 2017 ihr Werk „Winter im Oderbruch“. Mit Aquarelltechnik malte sie das Motiv „Birke“ (2017). Mit Aquarell und Graffiti-Stift entstand das Bild „Schiefe Kirche in Wales“ (2019). Durch Papierschöpfen und Nadelfilzen schuf sie das Werk „Im Schilf“. Der Besucher entdeckt Blüten aus Filz, Schafe aus Nadelfilz und Styropor, ein Schiff aus Draht, Beton und Blüten, zudem Keramikgefäße, gefertigt in der asiatischen Technik des „Raku-Töpferns“. Dabei handelt es sich um eine spezielle Brenntechnik. Mit offener Flamme“, erläutert die gebürtige Wittichenauerin.

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Schon als Kind malte und las sie gern. Oft zog es sie hinaus in die Natur. Die Landschaft mit Dubringer Moor, Zelders Teichen und Wäldern faszinierte sie. „Ich bin ein Naturkind“, meint die 54-Jährige. „Als Einzelkind hatte ich in der Familie keine Geschwister zum Spielen. So suchte ich mir Beschäftigung.“ Ihre Mutter brachte Karla Kümmig das Stricken, Sticken, Nähen und Häkeln bei. Das fruchtete nicht sofort. Die Tochter war nicht sonderlich angetan. „Umso dankbarer bin meiner Mutter heute im Rückblick für ihre Geduld, für ihr Durchhaltevermögen“, sagt Karla Kümmig.

Nach der Schulzeit studierte sie zunächst Lehramt Oberstufe. Einige Jahre unterrichtete sie in Hoyerswerda und in Knappenrode. Nach der Wende baute sie an der Volkshochschule Hoyerswerda (VHS) die Fachbereiche Kultur und Gesundheit mit auf. Heute ist Karla Kümmig stellvertretende VHS-Leiterin. Sie leitet den Fachbereich Gesellschaft, Kultur und Gesundheit. Sie leitet zugleich den Kurs Filzen zusammen mit Kollegin Ute Grun. Seit 2009 nimmt sie selbst teil am Kurs „Pachtwork“ bei Monika Selke aus Spremberg. Dort lernt sie stetig hinzu. „Das Gleiche trifft auf die Malwerkstatt zu. Monika Schumann aus Bergen und Anita Guske aus Burg leiten den Kurs. Von ihnen lerne ich ebenfalls“, sagt die 54-Jährige dankbar. „Manchmal nehme ich auch teil am Kurs Raku-Töpfern. Helgard Vogel aus Maukendorf leitet ihn. Sie ist sehr kreativ und experimentierfreudig. Mit ihrem Mann hat sie sogar einen Raku-Brennofen gebaut.“

Vielfältig kreativ ist Karla Kümmig. „Vor einigen Jahren noch habe ich mit mir gehadert. Ich versuchte, mich einzugrenzen“, erzählt sie. „Doch weder konnte ich vom Töpfern lassen noch vom Papierschöpfen oder Filzen. Dann habe ich festgestellt, dass mir die beim Malen erworbenen Kenntnisse über Farben das Kombinieren von Stoffen erleichtern, dass das Töpfern für mehr plastisches Vorstellungsvermögen sorgt, dass oft das Eine das Andere ergänzen kann.“ Karla Kümmig spürte: Es kommt nicht auf Perfektion an. Entscheidend sind Freude und Gemeinschaft finden. Eben das will sie mit ihrer Ausstellung sagen. Jeder kann sich am Malen, Töpfern, Filzen, Papierschöpfen und anderen kreativen Tätigkeiten versuchen. Niemand sollte Scheu davor haben. „Vieles ist Handwerkszeug. Das kann jeder lernen“, ist sie überzeugt. Jedes Hemd, jede abgelegte Hose, Bluse und Bettdecke ist nützlich für kleine Kunstwerke. CDs lassen sich als Boden und Deckel für Dosen verwenden. Binsen-Pflanzen aus dem Dubringer Moor lassen sich zu einem Korb flechten. Und aus einem Erdbeer-Senker im eigenen Garten lässt sich ein Korb fertigen. „Upcycling (Wiederverwertung) liegt im Trend. Es ist der Gegenpool zur heutigen Konsum- und Wegwerf-Gesellschaft“, sagt Karla Kümmig.

„Karla Kümmigs Werke wirken freundlich, positiv und lebensbejahend. Sie macht das aus vollem Herzen“, meint Gerda Schwan aus Hoyerswerda. Bei der Eröffnung der Ausstellung staunt sie über die enorme Vielfalt und Kreativität. Das sieht Besucherin Monika Sochorik aus Lauta ähnlich. Es ist die Herangehensweise der Ausstellerin, die sie begeistert. „Wenn Karla Kümmig sich mit einem Thema befasst, bleibt sie konsequent dran“, meint die Lautaerin. „Trotz der Vielfalt an Ideen und Themen kann sie sich auf eine konkrete Sache konzentriert und beharrlich einlassen.“

Die Ausstellung „Daheim & unterwegs“ von Karla Kümmig ist bis Ende April im Zejler-Smoler-Haus Lohsa zu sehen – montags und donnerstags (10-12 / 13-17 Uhr) oder nach Vereinbarung unter Telefon 035724 50256.

www.zejler-smoler-haus-lohsa.de