merken
PLUS Zittau

Kurden bei Schnaps-Prenzel

Zwei junge Männer haben in dem historischen Zittauer Laden ihr erstes Restaurant eröffnet. Dort gibt es ganz besondere Deko - aber keine Döner.

Abdu Jafar und Jarje. freuen sich auf ihre Gäste.
Abdu Jafar und Jarje. freuen sich auf ihre Gäste. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Lange haben sie darauf hingearbeitet. Abdu Jafar und sein Cousin, den alle nur Jarje nennen, haben sich einen lang gehegten Traum erfüllt und ein Restaurant eröffnet. Seit Mitte Februar bieten die jungen Kurden in der "Sonne" einen Mix aus italienischer und deutscher Küche an. Zum Probieren haben sie für die Zittauer auch einige kurdische Gerichte auf der Speisekarte. Den Ort des kleinen Lokals kennt wohl jeder Zittauer. Das erste eigene Geschäft der beiden befindet sich in dem Laden, den früher oft als "Schnaps-Prenzel" bezeichnet wurde.

Abdu Jafar kam vor etwa fünf Jahren nach Zittau. Damals kam der Krieg in seine Heimatstadt, sagt der 25-Jährige. Das durchkreuzte alle seine Zukunftspläne. Er und sein Cousin trugen sich damals schon mit dem Gedanken, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch nun hatten sie nach der Schule keine berufliche Perspektive mehr. Obwohl sie ihre Heimat und vor allem auch ihre Familie sehr vermissen, gingen sie nach Deutschland und Abdu Jafar verschlug es nach Zittau.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Von Anfang an habe er hier gearbeitet, sagt er. Es war ihm immer wichtig, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten und möglichst keine staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. So lernte Abdu Jafar auch auf eigene Faust Deutsch. Denn die Sprache sei der Schlüssel, sagt er. Wenn man die nicht könne, habe man in einem fremden Land verloren. Also brachte er sich die Sprache seines Gastlandes selber bei. Ohne die Hilfe seiner vielen Freunde, die er inzwischen hier gefunden hat, hätte er das aber nicht geschafft, sagt er. Bei jedem unbekannten Wort fragt er solange nach, bis er die richtige Aussprache trifft. "Wenn man was will, lernt man es auch", sagt er dazu. 

So lernt er Tag für Tag ein bisschen mehr. Auch durch seine neuen Freunde hat er Gefallen an Zittau gefunden. Es sei eine angenehme Stadt zum Leben, sagt der 25-jährige. Also holte er vor etwa drei Jahren seinen Cousin aus Essen in die Oberlausitz. Die beiden wollen hier bleiben und sich eine Existenz aufbauen. Dennoch hoffen sie, dass irgendwann der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist und sie zurück können.

Angefangen in Döner-Läden

Zunächst arbeiteten beide in verschiedenen Dönerläden der Stadt. Doch nun wollten sie sich selbstständig machen. Also gingen sie auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Als sie das "Zu Vermieten"-Schild in dem ehemaligen Geschäft sahen, griffen sie zu. Sie kannten den Laden und seine Geschichte nicht. Jetzt wissen sie aber um seine Bekanntheit bei den Zittauern. Als Erinnerung an die Vergangenheit haben sie einige echte Flaschen aus der DDR als Deko ins Regal gestellt. Wer sich zuweilen fragt, was wohl früher eine Flasche Kirschwhisky, Eismint oder Nordhäuser Doppelkorn kostete, findet hier die Antwort.

Aber heute kommt man hierher zum Essen. Die Auswahl ist recht groß. Um möglichst den Geschmack der Zittauer zu treffen, brachten sich die beiden jungen Männer die deutsche und italienisch angehauchte Küche bei. So findet man zum Beispiel Nudeln, Hamburger, Pizza, Schnitzel, aber auch Kartoffelaufläufe auf der Speisekarte. Aber keine Döner.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau