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Meißen

Kurs der Sensenmänner

Der Nabu lud zum Tag der Gärten in die Naturschutzstation Schloss Heynitz ein, um altes Handwerk zu lernen.

Schmied Malte Reppe erklärt, wie man ein brauchbares Sensenblatt erkennt.
Schmied Malte Reppe erklärt, wie man ein brauchbares Sensenblatt erkennt. ©  Claudia Hübschmann

Nossen. Es mögen zwanzig Leute sein, die sich an diesem heißen Tag unter der großen Platane auf der Schlosswiese in Heynitz versammelt haben. Sie hören einem Mann zu, der den Griff einer Sense – Sensenbaum sagt man fachgerecht – in die Armbeuge geklemmt hat und die Krümmung eines Sensenblattes erklärt. Der Mann ist Norman Döring und er ist auf Einladung der Nabu-Regionalgruppe Meißen nach Heynitz gekommen, um einen Kurs zu geben.

„Eigentlich hätten wir uns schon um vier treffen müssen, wenn der Tau noch im Gras ist“, sagt er, weil es sich dann besser sensen lasse. Auf den ersten Blick scheint eine Sense ein ziemlich einfaches Werkzeug zu sein, um Gras oder früher auch Getreide zu mähen. Auf den zweiten ist es wie überall: Man braucht keine Wissenschaft draus zu machen, es ist eine. Aber alles lässt sich erklären und lernen.

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Sowohl bei der Vorwärts- als auch bei der Rückwärtsbewegung muss der Rücken des Sensenblattes über den Boden gleiten. Um das richtig einzustellen, muss man sich den Griff des Sensenbaums ins Fußgelenk klemmen, ein Steinchen vorher auf den Boden legen, und dann muss die Spitze des Sensenblattes etwa zwei Zentimeter unterhalb des Steinchens entlangfahren – alles klar?

Norman Döring zeigt, wie man die Sense benutzt.
Norman Döring zeigt, wie man die Sense benutzt. ©  Claudia Hübschmann

Norman Döring erklärt, dass der Sensenbaum senkrecht gestellt, bis unters Kinn reichen muss, damit er die richtige Länge hat. Wie das Blatt an den Baum geschraubt wird. In welchem Winkel das Blatt zum Baum stehen muss und, und, und. Als er schließlich dem Sensenblatt mit dem Schleifstein den letzten Schliff verpasst, ist die Überraschung perfekt: Statt rhythmischen Hin- und Herfahrens über das Blatt, streichelt er es fast mit dem Stein.

Die nächste Überraschung kommt dann beim Gebrauch einer Döringschen Sense. Das Blatt gleitet über den Boden und lässt keinen Halm stehen und das alles ohne schweißtreibenden Kraftaufwand. Dorfbewohner, Hobbygärtner und Naturbewegte – alle kamen sie bei diesem Kurs auf ihre Kosten. Wie auch beim zweiten, den der Nabu am vergangenen Sonnabend in Heynitz anbot. Malte Reppe, gelernter Schmied aus Schrebitz.

Er zeigt den Interessierten – übrigens sind ein paar Frauen dabei – wie ein Sensenblatt geschärft, also gedengelt wird. „Wenn etwas schön ist, funktioniert es in der Regel auch gut“, bringt er mit seinen Worten einen alten Leitsatz der Produktgestaltung auf den Punkt: Die Form folgt der Funktion. Mit einem speziellen Zweifinnen-Hammer treibt er das Metall des Blattes vom Rücken zur Schneide hin aus.

Auch das ist selbstredend eine Wissenschaft für sich. Übertreibt man es, kann die Schneide reißen, hämmert man nicht quer zur Schneide, wellt sie sich, und verliert man die Geduld, ist sowieso alles zu spät. Der eigentliche Dengel, also dort, wo die Schneide am weitesten ausgezogen ist, „ist papierdünn“. Eigentlich muss man den Daumennagel darunter halten können und den Schatten durch das Metall sehen. – Die hohe Schule, die Anwesenden reisten auch so mit viel Neuem im Gepäck wieder ab.

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