SZ +
Merken

Kurtl rullt über Provinzkacke

Der Mundart-Rocker hat einen neuen Tonträger rausgebracht. Zu hören sind ins Äberlausitz’sche übersetzte Superhits.

Teilen
Folgen

Von Mario Heinke

Oderwitz. Kurtl war sich selbst nicht genug, denn elf seiner vermeintlichen Brüder zieren das Hülleninnere der neuen CD des bekannten Mundart-Rockers. So wie der eine heißt, sieht der andere aus, würde der Oberlausitzer wohl sagen. Vom Versicherungsvertreter, Sonnyboy, Straßenkämpfer, Bauarbeiter bis zum Schnäppchenjäger. Zwölf Figuren, die sich mehr oder weniger in den zwölf kritischen Songs wieder-finden. Lieder, deren Texte stellenweise durch philosophischen Tiefgang brillieren.

„Provinzkacke“ nennt sich der neuste Tonträger aus dem Hause Bluestone. Der Titel geht auf einen Konzertbesucher zurück, der zu Kurtl einmal sagte: „Die Musik ist super, aber mit der Sprache ist das nur Provinzkacke.“ Wie die Liveauftritte seit vielen Jahren zeigen, gibt es auch Menschen, die anders als besagter Zeitgenosse ihre helle Freude an der kantig gerollten Mundart haben. Die Scheibe bietet zwölf frank und frei ins Äberlausitz’sche übersetzte Coverversionen meist nordamerikanischer Pop- und Rocknummern, aus dem Live-Repertoire des Oderwitzer Musikers. Wer der hiesigen Mundart mächtig ist und die Texte versteht, bekommt eine Ahnung davon, wie in einem Randgebiet, dass die „Landesfürschtn oabgeschriebn hoan,´s woahre Labn derweile vorbeizieht“. Melancholisch singt der 52-Jährige wie „a rullender Steen“ über den sozialen Abstieg oder über die Privilegierten, die „Menschen die Gutt will“. „Sweet Home Äberlausitz“– eine Liebeserklärung an die Heimat, sollte zumindest Konzertbesuchern nicht unbekannt sein.

Zu den Aufnahmen, die zwischen 2012 und 2014 entstanden, gesellt sich Studio-Material, das Kurtl mit dem Gitarristen Jörg Weißelberg eingespielt hat. An den Aufzeichnungen beteiligt ist die Stammbesetzung der Band aus den vergangenen Jahren, bestehend aus Marc Winkler (Gitarre), Steffen Peschel (Bass), René Pech (Keyboard, Percussion) und Peter Kanis (Akkordeon). Außerdem zu hören sind Schlagzeuger Lars „Larry“ Friedrich und Bläser der Görlitzer Band „Yellow Cap“, der Dresdner Gitarrist Johannes Gerstengarbe, Schlagzeuger Oliver Bähr, der tschechische Zitherspieler Michal Müller sowie einige Background-Sängerinnen.

„Provinzkacke 1“ ist im SZ-Treffpunkt und im CD-Shop am Zittauer Markt für 16,10 Euro erhältlich.