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Kurzarbeit bei Kübler & Niethammer

Die Papierfabrik befindet sich mitten im Insolvenzverfahren. Nun fehlen wegen Corona auch noch die Aufträge.

Das Insolvenzverfahren der Kübler & Niethammer Papierfabrik läuft planmäßig. Aufgrund der Corona-Krise musste aber Kurzarbeit angemeldet werden.
Das Insolvenzverfahren der Kübler & Niethammer Papierfabrik läuft planmäßig. Aufgrund der Corona-Krise musste aber Kurzarbeit angemeldet werden. © Dietmar Thomas

Kriebstein. Der Betrieb in der Kübler & Niethammer Papierfabrik AG in Kriebstein wird weiter durch den Insolvenzverwalter fortgeführt. Dies hat die Gläubigerversammlung am Dienstag im Amtsgericht Chemnitz bestätigt, sagt Raik Kilper, Sprecher der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Beck & Partner GbR, in der auch Insolvenzverwalter Hubert Ampferl tätig ist.

Zum Erhalt des Unternehmens werde weiterhin an der Umsetzung der Insolvenzplanlösung gearbeitet. Diese sieht vor, dass die Schönfelder-Gruppe aus Annaberg-Buchholz die Papierfabrik in Kriebstein übernimmt. „Die Abstimmung über den Plan erfolgt in einer gesonderten Gläubigerversammlung. Den genauen Termin wird das Insolvenzgericht in Chemnitz noch festsetzen“, so Kilper.

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Wie viele Unternehmen, hat Kübler & Niethammer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. „Corona hat natürlich auch in der Papierindustrie große Auswirkungen, die sich bis heute stark bei den Auftragseingängen bemerkbar machen. Wir rechnen damit, dass bis August weiter mit einer schlechten Marktlage gerechnet werden muss. Vor diesem Hintergrund bestand die Notwendigkeit, in Kriebstein Kurzarbeit einzuführen“, erklärt Raik Kilper. 

Die Zeit werde auch genutzt, um notwendige Wartungsarbeiten durchzuführen. Die Regelung betrifft alle Mitarbeiter. Jedoch werde jeweils kurzfristig entschieden, in welchen Bereichen sie angewendet werden müsse, so Kilper. Auf das Insolvenzverfahren habe die Kurzarbeit aber keinen Einfluss.

Nachdem die Papierfabrik im Januar Zahlungsunfähigkeit angemeldet hatte, war zunächst ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden. Schon bald konnte der Insolvenzverwalter einen Investor präsentieren. Die Schönfelder-Gruppe aus Annaberg-Buchholz übernahm zunächst den Vertrieb der im Markt etablierten Produkte und stellte die für die Produktion benötigten Rohstoffe zur Verfügung.

Nassfeste Etiketten entwickelt

„Mit dieser schnellen Entscheidung der Familie Cordier kann der Betrieb in Kriebstein weiterlaufen“, hatte Hubert Ampferl damals gesagt. Felix Cordier, Geschäftsführer der Schönfelder Papierfabrik, fügte an: „Beide Unternehmen ergänzen sich ideal. Wir stellen unsere Produkte aus 100 Prozent Altpapier her und führen nicht nur eine Diskussion über Nachhaltigkeit, sondern leisten hierfür unseren Beitrag.“

Nach der letzten Insolvenz in den Jahren 2017/2018 hat das Unternehmen den Wechsel weg vom LWC-Papier (holzhaltiges, beidseitig gestrichenes Papier) hin zu Sorten mit besseren Margen eingeleitet. Es hat sich als einziger Anbieter für nass- und laugenfeste Etikettenpapiere aus 100 Prozent Altpapier etabliert. Namhafte Getränkehersteller drucken ihre Etiketten auf Papier mit dem Blauen Engel aus Kriebstein. Bisher konnten Etiketten aus recycelten Fasern dem Vergleich mit solchen aus Frischfasern nicht standhalten. Doch dank einer speziellen Aufbereitung der Fasern ist das Produkt konkurrenzfähig.

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Die Kübler & Niethammer AG, die auch ein Kraftwerk betreibt, war im September 2019 durch die Insolvenz ihres Gaslieferanten stark betroffen. Der Schaden betrug etwa eine Million Euro. Nachdem nahezu alle Lieferanten der Kübler & Niethammer AG für Rohstoffe, insbesondere Altpapier, Vorkasse verlangten, Kunden allerdings meist mit langen Zahlungszielen bezahlen, fehlte zuletzt die Liquidität, um die Produktion aufrecht zu erhalten.

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