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Kurzarbeit: Seit Wochen wegen Corona daheim

Eine Kamenzerin sagt, warum die Situation schwer erträglich ist und was ihr jetzt Mut macht.

Wegen der Corona-Krise ist Diana Weiß aus Kamenz seit Mitte März auf Kurzarbeit Null. Die Reiseverkehrskauffrau vermisst ihren Job sehr.
Wegen der Corona-Krise ist Diana Weiß aus Kamenz seit Mitte März auf Kurzarbeit Null. Die Reiseverkehrskauffrau vermisst ihren Job sehr. © Ina Förster

Kamenz.  Diana Weiß liebt ihren Job. Der Reiseverkehrskauffrau aus Kamenz ist das gerade wieder klar geworden. Seit genau acht Wochen ist sie auf Kurzarbeit Null gesetzt. Ihre Chefin hat sich den Schritt nicht leicht gemacht. Doch als die komplette Reisebranche Mitte März  zusammenbrach, gab es nicht viele Optionen. Seitdem ist die 31-Jährige daheim. Ganze 60 Prozent ihres Gehaltes bekommt sie aktuell. Und die Maßnahme ist für ein Jahr bei der Agentur für Arbeit gemeldet. 

"In den ersten Wochen haben wir alle gedacht: Ach ja, mal ein bisschen durchatmen. Dann ist wieder gut. Aber da wurden wir eines Besseren belehrt", sagt die Kamenzerin. Mittlerweile ist klar: Das hier ist keine kurze Episode. Und Kurzarbeit kein Zuckerschlecken. In Deutschland sind aktuell aufgrund der Corona-Krise mehr als zehn Millionen Beschäftigte betroffen.

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Nach dem Urlaub kam das Aus

Ende Februar - da war die Welt noch in Ordnung. Und Diana Weiß auf Info-Reise in Ägypten. "Noch vor Ort habe ich das erste Mal von Corona gehört. In der Reisebranche kommt öfters eine Reisewarnung rein. Aber als man dann die Tourismusmesse ITB in Berlin absagte, schwante uns langsam nichts Gutes", so die Reiseverkehrskauffrau. Dass die Messe gecancelt wurde, war ein deutliches Statement.

Trotzdem flog die Kamenzerin anschließend in ihren Urlaub in die Dominikanische Republik. "Dort hörte man relativ wenig über die Situation in Europa, die sich langsam zuspitzte", sagt sie. Als sie am Freitag, den 13. März, auf Arbeit zurückkehrte, folgte Ernüchterung. "Meine Chefin sagte mir, dass sie mich auf Kurzarbeit setzen muss, da alle Reisebüros ab 16. März schließen. Das war die volle Breitseite!"

Tränen flossen da - vor allem bei der Reisebüro-Inhaberin. Doch auch an ihrer Angestellten ging das Ganze nicht spurlos vorbei.  "Man kannte sich ja bis dato glücklicherweise nicht mit solchen Dingen aus. Arbeitsamt - das klang schrecklich“, sagt Diana Weiß. 

Mittlerweile sind knapp 80 Tage ins Land gegangen. Corona legte zwischenzeitlich alles lahm. Und die Touristikbranche ist nach wie vor gebeutelt. Zwar gibt es zaghafte Hoffnungsschimmer und erste Inland-Buchungen. Doch auf eine neue Reise kommen immer noch drei Stornierungen.  Die Lage ist verfahren. Und die Kundschaft verhalten bis ängstlich, was den Urlaub 2020 anbelangt.

"Noch kann ich meiner Mitarbeiterin keine schnellen Versprechen machen", sagt Antje Löchel, die Inhaberin vom Reisecenter Kamenz. "Doch sobald es möglich und finanziell vertretbar ist, hole ich sie zurück. Ich weiß, was ich an ihr habe. Doch zurzeit arbeiten die Reisebüros noch immer ins Minus." Denn Touristikkonzerne fordern Provisionen für die geleistete Arbeit der Reisebüros zurück, wenn die Reisen nicht stattfinden.  

Ein Nebenjob hilft ein wenig

Im April gingen 2.138 Anzeigen über Kurzarbeit für den Landkreis Bautzen bei der Agentur für Arbeit ein. Dahinter stehen 24.360 Beschäftigte, die voraussichtlich von einem Arbeitsausfall betroffen sind. "Die Anzeigen bilden eine Obergrenze ab. Die realisierte Kurzarbeit kann geringer ausfallen, denn sie muss durch die Unternehmen zuerst angezeigt werden. Nach der Bewilligung können sie das vorfinanzierte und an die Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld beantragen", heißt es aus der Agentur für Arbeit. Eine Aussage, wie viele Beschäftigte also tatsächlich kurz gearbeitet haben, sei daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Diana Weiß muss sich nun einschränken. Sie hat wenigstens einen Nebenjob in einem Einkaufsmarkt ergattert. Regale einräumen, Ware auspacken – egal was. Hauptsache nicht zu Hause versauern, lautet ihr Motto. "Die fehlende Tagesstruktur macht mir zu schaffen", sagt sie. "Und diese Ungewissheit!" 

Ein zusätzliches Taschengeld  ist auch nicht zu verachten. "Doch man gewöhnt sich ziemlich schnell daran, nicht die teuerste Butter zu kaufen, sondern die im Angebot", sagt die 31-Jährige. "Ich fahre mehr mit dem Fahrrad und lasse das Auto stehen."  Dass sie als Single alles allein stemmen muss, und gerade in der Krise kein Partner da ist, der den Ausfall kompensieren kann,  macht es nicht einfacher. Miete, Versicherungen, Handy, Strom, die Kreditrate fürs Auto - überall laufen die Zahlungen weiter. "Ich halte nichts von Stundungen. Dann stehe ich in drei Monaten da und muss alles nachzahlen - wovon?", fragt sie.

Diana Weiß ist trotzdem positiv eingestellt. Und kämpft für das, was sie liebt. Am Mittwoch fuhr sie mit anderen Touristikern nach Berlin zur Demo. Und wenn die Sehnsucht groß wird, dann besucht sie ihre Chefin auf ihrem oft einsamen Posten. "Die Deutschen reisen gern. Ich hoffe darauf. Und dass es bald Lockerungen geben wird", sagt sie. "Ich möchte meinen Traumjob zurück!"

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