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Kurze Antritte, lange Pausen

Filip Trojan ist noch immer einer von Dynamos Besten. Das zeigt er aber selten, was nicht nur an Verletzungen liegt.

Von Tino Meyer

Die Überraschung ist ihm gelungen, das muss man Olaf Janßen lassen. Drei Positionen hat Dynamos Trainer im Ostduell gegen Energie Cottbus neu besetzt. Wobei Christoph Menz als rechter Außenverteidiger ebenso schon einmal gespielt hat wie Thorsten Schulz auf der linken Seite der Abwehrkette. Dass aber Filip Trojan dabei gewesen ist, kam nach dessen langer Verletzungspause doch etwas unerwartet.

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Dabei hätte man es mindestens ahnen müssen, als der kleine Tscheche den kurzfristig am Scheinbein operierten Marco Hartmann bei der obligatorischen Spieltagspressekonferenz vertreten durfte. Wer nämlich bei jenem Frage-Antwort-Spiel neben Janßen sitzt, diese Regel galt schon bei dessen Vorgängern, spielt tags darauf auch. Was Trojan natürlich wusste. Dass er dann aber auf dem Platz ebenfalls die Rolle des fehlenden Hartmann einnehmen sollte, überraschte sogar ihn. Im defensiven Mittelfeld hat der dribbelstarke Techniker bislang selten bis nie gespielt.

Doch genau diese Vorzüge, seine Fähigkeiten am Ball, gaben dafür den Ausschlag. „Jeder kennt doch seine Qualitäten“, sagt Janßen, nennt sie sicherheitshalber aber noch einmal: „Er ist sehr kreativ und kann unseren Offensivspielern mit seinen Pässen guttun.“ Auch wenn Trojan dies beim 1:0-Erfolg gegen Cottbus nur ansatzweise unter Beweis stellen konnte, war er danach zufrieden – mit dem Ergebnis. „Das fühlt sich sehr gut an, es war ein wichtiger Sieg für uns alle.“ Also ihn inklusive. Man habe gesehen, betonte Trojan noch, dass es richtig schwere Arbeit gewesen sei.

Seine Analyse des Spielverlaufs passt allerdings auch ganz gut zur eigenen Leistung beim Comeback. „Ich bin froh, endlich wieder mal so richtig dabei gewesen zu sein“, meint der 30-Jährige. Das ist alles, was er diesmal über sich sagen will. Trojan weiß nur zu gut, dass von einem Spieler seiner Klasse und Erfahrung deutlich mehr erwartet wird als bloßes Engagement. Er erwartet es ja von sich selbst am allermeisten. Körperlich fit, das bestätigt auch der Trainer, sei er jedenfalls. Doch rennen und kämpfen ist im Fußball dieser Tage nicht mehr als die Voraussetzung.

Nach gut zweimonatiger Punktspielpause – die 1:3-Niederlage gegen den FSV Frankfurt Mitte August war bis zum Sonntag sein letzter Einsatz – fehlt ihm ganz offensichtlich noch die Bindung zum Spiel, der Rhythmus und sein Schwung. Und der ist nun mal entscheidend für den Lustfußballer Trojan.

Wo soll das aber auch alles herkommen? Nach vier Spieltagen hatte ihn erst ein Infekt gestoppt, direkt im Anschluss eine Prellung im rechten Fuß. Statt Mannschaftstraining absolvierte Trojan also ein weiteres Extraprogramm mit Fitnesstrainer Christian Canestrini, den er in den vergangenen Wochen und Monaten fast mehr gesehen hat als die Mitspieler. Schon im Sommertrainingslager am Walchsee bildeten beide ein unzertrennliches Duo, nachdem sich Trojan mitten in der Saisonvorbereitung eine Adduktorenzerrung zugezogen hatte.

Neuanfang nach dem „fast nichts“

Danach war nicht nur Canestrini hochzufrieden. Auch Trojan fühlte sich gut vorbereitet auf ein Spieljahr, in dem es für Dynamo, aber auch für ihn ganz persönlich besser laufen sollte. Das hatte er sich fest vorgenommen. „Die letzte Saison war ja fast nichts“, stellte der frühere Bundesligaspieler von Schalke, Bochum und Mainz kurz nach dem Trainingslager in vernichtender Selbstkritik fest. Doch er hat recht.

Zu selten zeigt Trojan seine Qualitäten, was auch die Statistik beweist. 64 Ligaspiele hat der Mittelfeldspieler seit dem Wechsel im Sommer 2011 für Dynamo bestritten. 32 in der ersten Saison, 27 in der zweiten und nun bislang fünf. Das sind immerhin 64 von 80 Partien. Was quantitativ eine beachtliche Quote ist, bröckelt bei der Tiefenprüfung. Drei Treffer und 14 Torvorlagen sind das einzig Zählbare, zudem insgesamt 30 Aus- sowie acht Einwechslungen. Im Grunde läuft es mit Trojan so wie bei dem Sprinttest, den die Dynamos kürzlich absolviert haben: Kurzen Antritten folgen lange Pausen. Mit dem Unterschied, dass die bei so einem Test ausdrücklich erwünscht sind, nicht aber während eines Spiels. Und schon gar nicht regelmäßig – wie es Trojan passiert. „Mr. 50 Prozent“ hatte ihn Peter Pacult deshalb am Ende der vergangenen Saison genannt.

Um mehr Leistung herauszukitzeln, setzt Nachfolger Janßen auf andere Methoden, auf Kommunikation und taktisches Geschick. Ob Trojan aber zur Dauerlösung im defensiven Mittelfeld wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist vor Dynamos Auswärtsspiel am Sonntag bei 1860 München lediglich, dass Mickael Poté erneut in der Anfangsformation steht. Was zum einen mit seinem Tor gegen Cottbus zutun hat, zum anderen mit der Besetzung der Spieltagspressekonferenz. Denn heute ist es Poté, der neben dem Trainer sitzen darf – und damit wieder spielt. Alles andere wäre eine echte Überraschung.