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Kurze Wege für kurze Beine

In Nieder Seifersdorf wird für die Schule viel Geld ausgegeben. Zum Vorteil ihrer Schüler.

Von Alexander Kempf

Uta Karsch ist eine Freundin kurzer Wege. Denn die Zeit, die ihre Kinder zum Sportplatz oder zum Verkehrserziehungsplatz benötigen, fehlt letztlich im Unterricht, weiß die Lehrerin der Grundschule Nieder Seifersdorf. Darum ist sie auch nicht glücklich darüber, dass die Jungen und Mädchen ihre Fahrradprüfungen seit vergangenem Jahr in Niesky absolvieren müssen. Der neue Verkehrserziehungsplatz dort biete zwar tolle Voraussetzungen, sei aber eben ohne Bus nicht zu erreichen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat sie auf das Problem hingewiesen. „Für uns ist das umständlich und teuer“, erklärt sie den anderen Gemeinderäten. Uns bedeutet in diesem Fall Schule wie Gemeinde. Denn als Träger der Einrichtung zahlt am Ende Waldhufen die Rechnung. Darum setzt die Gemeinderätin und Lehrerin viel Hoffnung in den neuen Schulhof. Der soll der Schule ganz neue Wege eröffnen und zugleich Sportplatz, Schulgarten und vielleicht auch Verkehrserziehungsplatz sein.

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In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat bereits Christian Stoppiera angemahnt, dass insbesondere der Schulgarten dringend auf den Weg gebracht werden muss, um den Lehrplan erfüllen zu können. Der werde eingehalten, beruhigt Uta Karsch. Schulgarten sei kein eigenes Fach mehr. Die Inhalte finden sich stattdessen im Sachunterricht wieder. „Wir sind auf dem Land und müssen nur im Vorgarten des Nachbarn schauen“, sagt sie. Tatsächlich wären die geplanten Hochbeete hinter der Schule aber ein Gewinn.

Viel wichtiger sei nach Ansicht von Uta Karsch aber, dass sich endlich die Situation für die kleinen Sportler verbessere. Denn mit der Sanierung des Schulhofes erhält die Schule auch eine neue 50-Meter-Bahn, eine Weitsprunggrube und ein Kleinfeld. Bisher trainieren die Jungen und Mädchen Leichtathletik auf einem Sportplatz, der laut Uta Karsch bereits mehrfach vom Tüv angezählt worden ist. Besonders schlimm sei der Schotter auf der Laufbahn. „Wenn da ein Kind hinfällt, sind gleich die Knie offen“, sagt Uta Karsch. Da die Kinder in der Bahn einsinken, seien sie zudem zu langsam und könnten kaum die geforderten Zeiten für gute Noten schaffen, bemängelt die Lehrerin. Und auch die bisherige Weitsprunggrube entspreche nicht den Standards und muss erneuert werden.

Das hat natürlich seinen Preis. In den vergangenen Jahren sind die veranschlagten Kosten für das Bauvorhaben stetig gestiegen. Im Jahr 2011 sind es noch 222 300 Euro, ein Jahr später schon rund 30 000 Euro mehr. Nun soll der Schulhof sogar stolze 318 800 Euro kosten. Die Mehrkosten begründet Bürgermeister Horst Brückner im jüngsten Gemeinderat mit gestiegenen Preisen für Material und Planung. Zudem seien die Pläne auch größer geworden. Neben Sportbereich und Schulgarten soll nun auch der Zaun rund um das Schulgelände erweitert werden. Immerhin sollen 40 Prozent der Kosten mit Hilfe von Fördermitteln gestemmt werden. Ohne diesen Zuschuss könnte sich die Gemeinde Waldhufen den neuen Schulhof nicht leisten, hat Bürgermeister Horst Brückner zuletzt klargestellt.

Immer noch offen ist, wann in Nieder Seifersdorf die Bauarbeiten beginnen. Die von der Sächsischen Aufbaubank geforderten Unterlagen hat die Gemeinde mittlerweile eingereicht. Erhält Waldhufen nach mehreren Anläufen nun grünes Licht, geht ein Marathonlauf zu Ende. Für die Finanzierung der kurzen Wege hat es einen langen Atem gebraucht.