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Kuschel-Alarm im Tierpark

Im Winter legen sich die Tiere ein dickes Fell zu, rücken unter Wärmelampen zusammen – oder gehen auf Partnersuche.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Frank Seibel

Hei, wie gemütlich. Ein ausgehöhlter Baumstamm, ein bisschen Stroh und eine wärmende Rotlichtlampe. Was braucht man mehr in diesen Tagen? Die beiden Zebra-Mangusten im Tierpark sind damit schon sehr zufrieden. Sie könnten stundenlang aus ihrem Gehege heraus das Wetter und die Leute anschauen. Wenn denn welche da wären. Ein bisschen rar machen sich die Besucher in diesen Wochen. Doch obwohl ein paar Tierchen sich vor Ostern nicht mehr blicken lassen – die Schildkröten schlummern irgendwo im Keller, die Murmeltiere tief unter der Erde –, gibt es hier im Winter einiges zu entdecken, was im Sommer verborgen bleibt. Die gut gelaunten Mangusten, eine Art von Erdhörnchen, sind zum Beispiel zuverlässig an ihrem Platz, anstatt in entlegenen Winkeln ihres Geheges herumzustreunen. Ausflüge aus dem Kuscheltunnel sind erdenklich kurz. Einmal rund herum, dann husch wieder ins Warme. Und so witzig sind die Kerlchen, dass unser Fotograf sich gar nicht von ihnen trennen mochte.

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Ja, wo ist er denn? Die beiden Zebra-Mangusten beobachten aus ihrem Nest im ausgehöhlten Baumstamm den herannahenden Winter.Fotos: Pawel Sosnowski
Ja, wo ist er denn? Die beiden Zebra-Mangusten beobachten aus ihrem Nest im ausgehöhlten Baumstamm den herannahenden Winter.Fotos: Pawel Sosnowski © Pawel Sosnowski/80studio.net

Catrin Hammer erinnert sich noch, wie die Mangusten dieses Jahr im Tierpark ankamen. Sie waren an Bord eines Lastwagens, der aus Spanien kam und in die Ukraine wollte. Aber der Zoll fand die Papiere nicht in Ordnung, so dass einige Tiere, die ebenfalls für einen Zoo bestimmt waren, seither in Görlitz leben. Eine Bereicherung in diesem Fall, findet die Kuratorin des Naturschutz-Tierparks.

Sie hat die Anlage in den vergangenen Wochen gemeinsam mit den sechs Pflegern und zwei Auszubildenden winterfest gemacht. Das Wichtigste, sagt Catrin Hammer, sind die roten Wärmelampen. Etwa 20 braucht sie an kalten Tagen für verschiedene Tiere. Fünfzig Lampen hat sie insgesamt zur Verfügung; sicher ist sicher. Wichtig ist die zusätzliche Wärme für die Schweine. Als Haustiere haben sie keinen natürlichen Schutz gegen Kälte, sagt Catrin Hammer. Und als Haustiere haben sie auch keine festen Jahreszeiten für Paarung und Geburt. So gibt‘s auch jetzt im Winter im Schweinestall ein paar Ferkel, die zwischen zwei Wärmequellen hin und her krabbeln: dem Bauch der Mutter und der Rotlichtlampe, die die Tierpark-Mitarbeiter über ihrem Gemach aufgehängt haben. Damit‘s auch von unten warm wird, gibt es für manche Tiere auch spezielle Heizmatten. Auch die sind vor allem für solche Haustiere gedacht. Außer den Schweinen kommen auch manche Ziegen in den Genuss der warmen Unterlage.

Doch nicht alle Tiere müssen im Winter besonders umsorgt werden. Es gibt auch die „Selbstkümmerer“, wie Catrin Hammer sie nennt. Und die sind im Winter oft viel imposanter und schöner als im Sommer. Die Kamele zum Beispiel. Die haben sich ein dickes Winterfell zugelegt und wirken in der kalten Zeit viel größer und buschiger als sonst. Auch die Luchse sind besonders. Wenn sie faul sind, rollen sie sich zu richtigen Knäueln zusammen; wenn sie schauen, dann glitzern die Augen im buschigen Fell.

Auch die Ernährung hat sich mit dem Herbst geändert. Selbstkümmerer wie die Hirsche bekommen außer Heu und Pellets auch Möhren und Eicheln. Das Erstaunliche: Möhren machen dick. Das ist eine relativ neue Erkenntnis, sagt Catrin Hammer. Dabei liegt es auf der Hand. „Möhren bestehen ja nur aus Wasser und Zucker. Das ist pure Energie.“ Im Herbst ist das gut so. Aber insgesamt hat der Tierpark den Anteil an Obst – und dazu werden die süßen Möhren hier auch gezählt – deutlich reduziert. Stattdessen gibt es mehr echtes Gemüse, Kohlrabi zum Beispiel oder Salat. Bananen für die Affen sind zum Beispiel nicht mehr angesagt. „Diese Früchte haben nicht mehr viel mit dem zu tun, was die Tiere ursprünglich in der Natur vorgefunden haben.“ Je mehr die exotischsten Früchte auf den Speiseplan des Menschen genommen werden, desto süßer werden sie gezüchtet. Eine ganz ursprüngliche Banane in der Wildnis enthalte ganz wenig Zucker, erklärt die Kuratorin. Während sich Kamele und Hirsche mit Karotten ihre Fettdepots für den Winter gefüllt haben, brauchen die „Maskottchen“ des Tierparks die Energie für etwas ganz anderes. Die Pandas nämlich drehen im Winter erst richtig auf. „Für sie beginnt jetzt die Paarungszeit“, sagt Catrin Hammer. Und dazu ziehen sich die roten Pandas nicht etwa in irgendwelche Kuschelhöhlen zurück, sondern sind ganz viel in ihrem Freigehege ganz nahe dem Tierpark-Eingang unterwegs. Denn zur Paarung gehört erst einmal die Partnersuche. Die Auswahl ist hier zwar begrenzt, aber das kann ein Panda ja erst einmal nicht wissen. Die Tiere sind also für Besucher im Winter viel besser zu sehen als im Sommer. Und sie sind auch noch schöner. Denn auch sie haben jetzt ein Winterfell, das sie buschiger macht.

Dass die Pandafamilie noch komplett ist, ist einer der großen Glücksfälle im zurückliegenden Jahr, erinnert sich Catrin Hammer. Denn die kleine Tashi war kurz nach ihrer Geburt im Frühjahr richtig krank. Die Aufmerksamkeit der Tierpfleger hat das Pandababy gerettet. Weil auf einmal viele Fliegen aus dem Bau kamen, wussten die Pfleger, dass etwas nicht stimmt. Und tatsächlich. Der kleine Panda hatte eine Wunde an der Pfote, die schon übel aussah. Die Pfleger wagten es, sie aus dem Bau zu holen – ein Risiko, weil Pandamütter dazu neigen, ihre Kinder bei Gefahr zu töten oder sie später nicht mehr anzunehmen. „In diesem Fall konnten wir das Tier heilen, und die Mutter hat ihr Kind wieder aufgenommen.“