merken
PLUS

Kuschlige Begleiter

Auf der Alpakafarm in Langenwolmsdorf geht es das ganze Jahr hoch her. Zu tun gibt es immer etwas.

© Zschiedrich

Von Anja Weber

Langenwolmsdorf. Ihr leises Summen, ihr wuschliges Fell, ihre treuen, großen, glänzenden Augen – Alpakas muss man einfach gern haben. Schon bei ihrem Anblick scheint sich die Stimmung zu heben. Wer das jeden Tag genießen kann, darf sich wohl glücklich schätzen. Karl-Heinz und Carmen Grüttner aus Langenwolmsdorf verbringen schon fast 20 Jahre mit den kuschligen Vierbeinern. Und auf dem Hof scheinen sich tatsächlich alle wohlzufühlen. Die Zweibeiner und die Vierbeiner. 1998 hatten Grüttners die Idee, eine Alpaka-Farm aufzubauen. Ein Jahr später wurde sie eröffnet.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Ein Leben voller Alpakas

Einige Alpakas wurden auf dem Hof per Hand aufgezogen.
Einige Alpakas wurden auf dem Hof per Hand aufgezogen.
Genauso hübsch wie die Originale. Ein Blick reicht, und man wird ganz ruhig.
Genauso hübsch wie die Originale. Ein Blick reicht, und man wird ganz ruhig.
Alpaka-Mützen für alle, die es um den Kopf schön kuschlig mögen.
Alpaka-Mützen für alle, die es um den Kopf schön kuschlig mögen.
Alpaka-Rohwolle zu verspinnen, soll Stress abbauen helfen.
Alpaka-Rohwolle zu verspinnen, soll Stress abbauen helfen.
Mit ihrer Zucht hat die Familie viele Preise und Pokale gewonnen.
Mit ihrer Zucht hat die Familie viele Preise und Pokale gewonnen.

Begonnen hat die Geschichte der Alpaka-Farm Langenwolmsdorf bei einer Kanada-Reise. „Als wir dort die noch nicht gekannten Tiere gesehen haben, waren wir fasziniert von ihrer Schönheit, dem sanftmütigen Blick und der Intelligenz“, schwärmt Karl-Heinz Grüttner. Er und seine Frau waren so begeistert, dass sie sich nach kurzer Überlegung entschlossen, die Tiere selbst zu halten. Was einst klein begann, wurde im Laufe der Jahre als Familienbetrieb ausgebaut, in dem auch Tochter Heidi einige Zeit mitgearbeitet hat. Inzwischen hat sie selbst Familie und der Betrieb ist wieder etwas kleiner geworden.

Karl-Heinz und Carmen Grüttner bewirtschaften die Alpaka-Farm mit einem angestellten Mitarbeiter samt dem kleinen Hofladen mit seinen Produkten. Alpaka-Wolle ist eine der feinsten Naturfasern, die es gibt, mit vielen Farbnuancen. Sie kühlt bei hohen Temperaturen und wärmt bei Kälte. Hinzu kommt, dass die Wolle kein Lanolin enthält und deshalb auch für Allergiker sehr gut geeignet ist und gesundheitsfördernd wirken kann. Dank der Aminosäuren in der Wolle sollen Produkte aus ihr auch insgesamt zur Heilung des Organismus beitragen. Die Langenwolmsdorfer Alpaka-Züchter verarbeiten die Wolle nicht selbst, da sie nicht über die komplizierte Technik verfügen. Maschinen, auf denen zum Beispiel Schafwolle versponnen wird, können nicht für Alpakawolle verwendet werden, da diese viel feiner ist. Grüttners geben deshalb ihre Rohwolle ab und lassen diese regional verarbeiten.

Anfangs hat es Rückschläge gegeben. Doch mit den Jahren haben die Züchter dazu gelernt und lassen die Waren für den eigenen Hofladen ausschließlich in Unternehmen anfertigen, zu denen sie Vertrauen aufgebaut haben. Die Produzenten stellen aus der Langenwolmsdorfer Wolle hochwertige Betten, Kissen, Strickwolle, Nierenwärmer und mehr her. Zum Sortiment gehören aber auch Socken. Die sind zwar nicht ganz billig. „Aber sie sind wie Seelenwärmer“, sagt Carmen Grüttner. Und vor allem Menschen mit chronisch kalten Füßen können dank der Alpakawolle ihre Zehen warm halten. Grüttners Hofladen ist täglich geöffnet. Sollte gezielt jemand kommen, so ist es besser, sich vorher kurz anzumelden. Auch übers Internet kann bestellt werden. Und so bekommen sie auch Anfragen und Bestellungen aus Schweden, Norwegen und Dänemark. „Die Menschen in den Regionen, wo es länger kalt ist, wissen schon, was gut ist“, sagt Carmen Grüttner. Einige ihrer Kunden kommen aber auch speziell auf den Hof, um sich vor Ort etwas auszusuchen.


Zwischen den Produkten des Hofladens finden sich viele Pokale und Urkunden. Die haben die Grüttners für ihre Alpakazucht bekommen. An Wettbewerben nehmen sie inzwischen nicht mehr teil, sagt Karl-Heinz Grüttner. Ein bisschen stolz sei er aber schon, dass die Farm weit über Langenwolmsdorf hinaus bekannt ist und sogar schon Prominente angelockt hat. Zum Beweis präsentiert er ein Foto vom Volksmusik-Duo Geschwister Hofmann. Die hatten für ein paar Minuten sogar mit auf dem Hof gearbeitet. Auch die Volksmusikgruppe „Die Schäfer“ hat es schon nach Langenwolmsdorf verschlagen. Nach einem Auftritt in der Nähe seien sie einfach vorbeigekommen. Auch Reisebusse und Seniorengruppen kämen zu Hofführungen, ebenso Schulklassen und Kindergartengruppen. Dies geht aber nur mit Voranmeldung.

Alpakas eignen sich gut für Trekkingtouren, da sie zwischen vier und sechs Kilo Gepäck tragen können. Solche Touren werden auf dem Hof allerdings nicht mehr angeboten. Dafür nutzt Familie Grüttner noch die anderen Qualitäten der Alpakas. So werden die Tiere wegen ihres ruhigen Wesens für Therapiezwecke verwendet. Die Patienten einer Tagespflege aus Kamenz sind oft in Langenwolmsdorf zu Besuch. Die Tagespflege betreut depressive Menschen. Der Umgang mit Alpakas soll sich positiv auf das Befinden der Menschen auswirken. „Sie helfen gegen die Bewältigung von Stress aller Art“, sagt Karl-Heinz Grüttner. Etwas Beruhigendes haben sie auf jeden Fall. „Und auch das Verspinnen der Wolle hat etwas Beruhigendes“, ergänzt Ehefrau Carmen.

Aus diesem Grund hebt sie auch immer Rohwolle auf. Diese wird von Stammkunden gekauft. Die Grüttners verstehen ihr Handwerk. Um mitmischen zu können, haben sie sich als Direktvermarkter listen lassen bei „Alles Gute von hier“. Darüber hinaus arbeiten sie mit landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieben zusammen, um ihr Wissen über die Alpakazucht weiter zu vermitteln.

www.alpaka-farm.de