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„La Gondola“ zieht die Reißleine

Das Eiscafé arbeitet aus Personalnot nur provisorisch. Auch andere Cafébetreiber sorgen sich um die Zukunft.

Wegen Personalmangels gibt es die Eisspezialitäten von Gianfranco De Vecchi im „La Gondola“ am Demianiplatz jetzt nur in Selbstbedienung und im Straßenverkauf.
Wegen Personalmangels gibt es die Eisspezialitäten von Gianfranco De Vecchi im „La Gondola“ am Demianiplatz jetzt nur in Selbstbedienung und im Straßenverkauf. ©  André Schulze

Gianfranco De Vecchi sieht keine andere Lösung. Im Eiscafé „La Gondola“ am Demianiplatz in Görlitz gibt es das Eis aus eigener Herstellung jetzt nur noch im Straßenverkauf. Wer Eisbecher, Kaffee oder heiße Waffeln möchte, bekommt das – aber nur in Selbstbedienung, Gäste müssen sich das Gewünschte selbst am Tresen holen. Seit Anfang dieser Woche handhabt De Vecchi das so – aus Personalnot. Gern macht er das nicht. „Ich bin sehr traurig, vor allem wegen der Stammgäste, aber es war die einzige Lösung“, sagt er. Der Spezialist für italienisches Eis findet kein Personal. Nur eine Angestellte hat er jetzt noch. Er selbst steht von früh bis nach Ladenschluss im Eiscafé. Manchmal hilft sein Sohn mit. All seine Bemühungen, Servicepersonal zu finden, sind gescheitert.

Zwar klagen andere Inhaber von Cafés in der Innenstadt ebenfalls über Personalmangel, aber zu so drastischen Maßnahmen müssen sie nicht greifen. Im Café am Flüsterbogen auf dem Untermarkt haben zwei Mitarbeiter gekündigt. Personalnot sieht Inhaber Heiko Hänsch deswegen aber nicht. Eine Mitarbeiterin bleibe der Görlitzer Gastronomie erhalten, sagt er. Sie übernimmt eine Gaststätte, deren Inhaberin in den Ruhestand geht. „Der andere Mitarbeiter hat jetzt 21 Jahre lang für mich gearbeitet, da habe ich Verständnis, dass er mal was anderes machen möchte“, erklärt Hänsch. Bis zum Saisonende bleibt der Mitarbeiter aber noch da. Von Personalnot will Hänsch erst sprechen, wenn er im nächsten Jahr ab April niemanden gefunden hat, der im Flüsterbogen arbeiten möchte. „Aber da bin ich ganz entspannt und sehe es optimistisch“, sagt er. Dass er jetzt den Flüsterbogen nicht 13 Uhr, sondern erst 15 Uhr öffnet und im nächsten Winter einen Ruhetag einführen will, dürfte den verbliebenen Mitarbeitern gelegen kommen.

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Thomas Bednarek, der Chef von der Espresso Bar Caffe Kränzel an der Ecke Neiß-/Kränzelstraße, weiß, wie es sich anfühlt, wenn Personal fehlt. „Im letzten Sommer habe ich sehr lange nach einer Festangestellten gesucht“, sagt er. „Aber jetzt ist alles im grünen Bereich, ich habe gute Fachkräfte.“ Thomas Bednarek selbst, eine Festangestellte und zwei Pauschalkräfte sind im Café tätig. Wie lange man Mitarbeiter in der Gastronomie suchen müsse, hänge auch vom eigenen Anspruch ab, erklärt er. Er braucht Mitarbeiter, die nicht nur flott, zuverlässig und freundlich sind, Arbeit sehen, sich organisieren können und vom Fach sind, sondern die auch Hintergrundwissen zum Beispiel zum Kaffee haben.

Gut aufgestellt sieht Enrico Walkstein das Team vom Café Flair in der Brüderstraße. Zwei Festangestellte, eine Aushilfe und einen Auszubildenden hat er. Der junge Mann ist an seiner Berufsschule in einer Klasse, die insgesamt elf Azubis zählt. Es gibt in dem Beruf Restaurantfachmann nur diese eine Klasse an der Schule. „Früher gab es zwei oder drei“, schildert Walkstein die Misere im Gaststättengewerbe. Thomas Bednarek bestätigt das, geht sogar noch weiter: „Die Situation wird sich künftig noch verschlechtern.“ Eine Rolle dabei spielt der Verdienst. Walkstein und Bednarek zahlen mehr als den Mindestlohn, De Vecchi geht mit der Entlohnung aber nicht darüber.

Der Eisspezialist vom Demianiplatz hat vieles versucht, um Personal zu finden, betont er. Auch aus seiner italienischen Heimat warb er Mitarbeiter an. „Aber die jungen Leute hatten Probleme mit der deutschen Sprache“, erklärt er. Mitarbeiter aus Görlitz und dem Umland, auch aus Polen, findet De Vecchi nicht. Selbst Aushilfen zu bekommen, sei schwierig. „Niemand will abends oder am Wochenende arbeiten und auf Urlaub im Sommer verzichten“, beklagt er. Im Winter schließt Gianfranco De Vecchi das Café mehrere Wochen zu. „Der Winter bringt nur ein großes Minus“, betont der Eismacher. Deswegen entlässt er die Mitarbeiter über die Schließzeit. Mit Saisonbeginn stellt er sie wieder ein – wenn sie noch verfügbar sind.

Der Chef vom Café Flair handhabt das anders. Seine Mitarbeiter bleiben auch im Winter angestellt, das Café macht keine Betriebsferien. Die Mitarbeiter bauen im Sommer ein Arbeitszeitkonto auf, von dem sie im Winter zehren.

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