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Lackiererei startet heute wieder den Alltag

Am Montag hat Steffen Flor seine neue Lackierkabine in Betrieb genommen. Zwei andere Firmen werden bald folgen.

Steffen Flor (l.) ist Inhaber der SF Lackiererei. Er startet nach dem Großbrand auf dem Roscher-Gelände in der Reichenbacher Straße mit einer neuen Lackierkabine wieder durch. Mit seinen Mitarbeitern Axel Schaffer (M.) und Lackiermeister Robert Ziegler be
Steffen Flor (l.) ist Inhaber der SF Lackiererei. Er startet nach dem Großbrand auf dem Roscher-Gelände in der Reichenbacher Straße mit einer neuen Lackierkabine wieder durch. Mit seinen Mitarbeitern Axel Schaffer (M.) und Lackiermeister Robert Ziegler be ©  André Schulze

Noch ist sie strahlend weiß, die neue Lackierkabine der SF Lackiererei auf dem Roscher-Gelände in der Reichenbacher Straße. „Der Kabinenmonteur hat gerade noch die Feineinstellung gemacht, jetzt kann es losgehen“, sagt Inhaber Steffen Flor am Montagvormittag. Da stehen in der großen Halle schon die ersten zwei Autos, außerdem die Stoßstange eines dritten Autos. Sie werden zum Lackieren vorbereitet. „Die Kabine ist unser Herzstück und auch das Teuerste, ohne sie läuft nichts“, sagt der 49-Jährige.

Beim Roscher-Großbrand am 25. Februar ist die bisherige Lackierkabine komplett abgebrannt, denn sie stand in einem Anbau. Die Haupthalle und das angrenzende Büro der SF Lackiererei hatten mehr Glück: Durch die Löscharbeiten stand das Wasser darin zwar 30 Zentimeter hoch, aber die Gebäudehülle blieb zum Großteil intakt – bis auf einige Stellen im Dach, auf das das Feuer ebenfalls übergegriffen hat, bevor es die Feuerwehr löschen konnte. „Durch das Wasser haben wir natürlich viel Technik, aber auch Möbel und Fußböden eingebüßt“, sagt Steffen Flor. Die beiden Anbauten – Lackierkabine und Finish-Raum – aber brannten komplett aus. Und mit ihnen alles, was drinnen stand: Maschinen, Geräte, Material und sogar der Mini-Traktor, den Steffen Flor im Winter zum Schneeschieben nutzte. Der Finish-Raum ist bis heute nicht wieder aufgebaut, sondern vollgeräumt mit Müll, der entsorgt werden muss. „Die nächste Zeit kommen wir erst einmal ohne den Finish-Raum aus“, sagt Steffen Flor. Die Arbeiten können auch in der großen Halle mit erledigt werden: Das ist zwar beengt, aber es geht.

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Kurzzeitig hatte er auch darüber nachgedacht, das Areal zu verlassen, sagt Steffen Flor. Allerdings sprach vieles dagegen: „Wir hätten den Standort eingebüßt, der bei den Kunden bekannt und schön zentral in Görlitz gelegen ist.“ Außerdem hätte der Unterbau der Lackierkabine neu gebaut werden müssen. Der ist aus Stein und Beton. „Ein Neubau hätte definitiv länger gedauert“, sagt der Inhaber. Hinzu kam, dass Anke Klaus, die Verwalterin des Maro-Gewerbeparks, sich wirklich ins Zeug gelegt hat, um die Gewerbetreibenden zu unterstützen: „Sie war für uns immer eine tolle Hilfe.“ Auch von Familie und Freunden kam viel Hilfe, für die er sehr dankbar ist.

Letztlich hat ihn die Renovierung und Instandsetzung fünf Monate gekostet. Die Lackierkabine sollte Mitte Mai eintreffen – und kam Mitte Juni mit einem Monat Verspätung. Dann musste sie noch aufgebaut und eingestellt werden. Auch einige andere Technik ist neu, aber nicht alles: „Der Computer war hinüber, der Drucker hat’s überlebt“, sagt Steffen Flor.

Die Versicherung hat schon eine Anzahlung geleistet. Für den Kauf der Lackierkabine aber musste er einen Kredit aufnehmen. Sobald das Geld von der Versicherung da ist, will er den Kredit zurückzahlen. Eine Betriebsausfallversicherung, die die Löhne weiterzahlt, hat Steffen Flor auch. Er musste seine beiden Mitarbeiter also nicht entlassen. Nur der vierte ist gegangen, aber das hatte nicht direkt mit dem Brand zu tun: Er hatte täglich zwei Stunden Arbeitsweg und hat jetzt eine Arbeit gefunden, die näher an seinem Wohnort liegt. „Ab 1. August sind wir aber wieder zu viert“, sagt Steffen Flor: „Dann fängt ein Azubi an.“

Bei dem Großbrand auf dem Roscher-Areal an der Reichenbacher Straße gingen im Februar nicht nur die Räume von Auto Glas (vorn) in Flammen auf.
Bei dem Großbrand auf dem Roscher-Areal an der Reichenbacher Straße gingen im Februar nicht nur die Räume von Auto Glas (vorn) in Flammen auf. © SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Dass gegen den mutmaßlichen Verursacher des Brandes nun Anklage erhoben wird, hat er gehört. „Er hat viele Gewerbe vor die Existenzfrage gestellt, natürlich hat man da einen gewissen Groll“, sagt Steffen Flor. Sicher habe er es nicht mit Absicht getan, aber entschuldigt habe er sich auch nie. „Urteilen müssen es die Gerichte“, sagt er. Auch Anke Klaus sagt, dass es gut sei, dass nun Anklage erhoben wird. Allerdings: „Die strafrechtliche Geschichte geht uns weniger etwas an.“ Wenn später die zivilrechtlichen Prozesse folgen, werde es für die einzelnen Geschädigten interessanter. Trotz allem ist es Anke Klaus egal, ob er eingesperrt oder freigesprochen wird: „Das, was er hier angerichtet hat, kann er zeitlebens nicht mehr gut machen.“ Allein der Gebäudeschaden liege bei rund 6,4 Millionen Euro. Mit Inventar und allem Drum und Dran schätzt sie die Schadenshöhe aber auf knapp über zehn Millionen Euro. Eine Entschuldigung habe auch sie bis heute nicht gehört. Stattdessen sei er da gewesen und habe Forderungen gestellt: „Das war schon dreist.“ Seine Fahrzeuge und die seiner Kunden habe er bis heute nicht beräumt: „Direkt auf die Beräumung angesprochen, hat er nur mit den Schultern gezuckt und ist gegangen“, sagt sie.

Doch Anke Klaus hat auch viele positive Neuigkeiten: „Die Fassaden sind gesichert, die Dächer – soweit möglich – geschlossen.“ Die Brandsanierungsfirma Belfor komme nächste Woche wieder, um letzte Gebäude zu beräumen: „Danach macht sie die Fassaden-, Ruß- und Teerbereinigung.“ Nach der Lackiererei stehen weitere Mieter kurz vor dem Neustart am angestammten Ort. Die Firma Robak wird ab 1. August loslegen, die Sanitär- und Heizungsbaufirma Hille und Reinhardt wahrscheinlich kurz danach: „Da freuen wir uns wahnsinnig.“

Steffen Flor hofft derweil, dass seine früheren Kunden zu ihm zurückkehren. Seit 1999 existiert sein Unternehmen, seit 2001 an diesem Standort. Er lebt von Großkunden wie Autohäusern, aber Privatkunden machen immerhin auch 30 Prozent aus. Bei den Großkunden ist er sehr zuversichtlich: „Sie haben versprochen, dass sie wiederkommen – und werden das auch tun.“ Seit 2. Juli war seine Firma für beratende Tätigkeiten und zur Terminvergabe wieder erreichbar, seit gestern nun sind die Männer wieder am Arbeiten, auch mit der Lackierkabine. Die ist auf dem modernsten Stand und energiesparend dazu.

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