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Löbau

Jetzt gibt es wieder fesche Wäsche

Friederike Israel ist mit ihrem Unterwäsche-Laden nach Neugersdorf umgezogen. Sie sagt, was kleine Geschäfte dem Internethandel voraus haben.

Friederike Israel in ihrer Boutique "Wäsche-Mode" am neuen Standort in Neugersdorf, die sie jetzt eröffnet hat.
Friederike Israel in ihrer Boutique "Wäsche-Mode" am neuen Standort in Neugersdorf, die sie jetzt eröffnet hat. © Matthias Weber

Da hatte Friederike Israel richtig Glück. Anfang Mai hat sie ihre Wäsche-Boutique in Neugersdorf eröffnet - kurz nachdem die Corona-Beschränkungen gelockert wurden und Einzelhandelsläden wieder öffnen durften. 

Genau genommen war es für Friederike Israel schon der zweite Neustart mit ihrem Wäsche-Laden. Bisher war sie mit dem Geschäft in Ebersbach an der Neugersdorfer Straße ansässig. Die Seifhennersdorferin machte sich vor 14 Jahren in der Branche selbstständig. Bis dahin arbeitete sie in einem Steuerbüro, erstellte Steuererklärungen für Unternehmen und Geschäfte. Auch diese Arbeit erledigte sie gern. Sie machte die Seifhennersdorferin aber auch neugierig. Denn während sie über den Steuererklärungen anderer saß, kam ihr der Gedanke, dass es doch spannend sei, es selbst mit einem eigenen Geschäft zu versuchen. 

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Sie hängte ihren Job im Steuerbüro an den Nagel, fuhr auf Messen, um Ware einzukaufen und machte ihr eigenes Geschäft auf. "Die Buchhaltung kann ich mir selbst machen", benennt sie ihren großen Vorteil als gelernte Finanzwirtin. 

Kein Einheitsbrei

Das Fachwissen rund um Unterwäsche und Miederwaren hat sie sich selbst angeeignet. Auch dazu gibt es Seminare auf den Fachmessen oder Infomaterial von den Herstellerfirmen. Zu beachten gibt es tatsächlich einiges, zum Beispiel was Passform oder Materialien angeht. "Da ist viel Beratung nötig", sagt Frau Israel. Und wegen dieses engen Kontakts zu den Kunden macht ihr die Arbeit im eigenen Laden so viel Freude. Gut sitzende Unterwäsche strahle man auch aus, sagt die Fachfrau. "Wenn es zwickt und verrutscht, fühlt man sich einfach nicht wohl." Und die richtige Beratung dafür gebe es eben nur im Einzelhandel, nicht im Internet, bricht Frau Israel eine Lanze für die kleinen Läden vor Ort. Und vor allem, sagt sie, gibt es bei ihr und anderen Inhabern kleinerer Läden eben auch das eine oder andere besondere Kleidungsstück. 

Auch das ist ein großer Vorteil kleiner Inhabergeführter Geschäfte, sagt Frau Israel. Das Sortiment sei individuell zusammengestellt und kein Einheitsbrei, wie bei großen Ketten. "Und ich verkaufe nur, wovon ich überzeugt bin. Alles, was ich hier verkaufe, habe ich auf Herz und Nieren geprüft." 

Zusammenhalt unter Ladeninhabern

Von den anderen Geschäftsleuten in Ebersbach-Neugersdorf sei sie als Quereinsteigerin sehr gut aufgenommen worden. Konkurrenzdenken gebe es hier nicht, sondern einen guten Zusammenhalt unter den Ladeninhabern. "Man hilft sich gegenseitig." Hat der eine Laden etwas nicht, schickt er Kunden auch mal in ein anderes Geschäft. 

Nun sind die Wege zu anderen Geschäften noch kürzer. Schon lange suchte Frau Israel nach einem zentraleren Standort für ihren Laden. Einen, wo auch etwas Laufkundschaft zu erwarten ist. Die gab es in ihrem alten Geschäft an der Neugersdorfer Straße nicht. "Der Laden war sehr schön, die Vermieter auch sehr nett. Aber es war eben sehr abgelegen." Mit der Nachbarschaft zum Spreequellcenter und zu anderen Bekleidungsläden sieht sie hier an der Goethestraße in Neugersdorf jetzt die bessere Wahl. 

Zu wenig regionale Anbieter

Obwohl ihre Neueröffnung direkt in die Zeit nach der Corona-Schließung fiel, merkt sie noch viel Zurückhaltung bei den Kunden. "Das Kaufverhalten hat sich verändert", sagt sie. "Viele trauen sich auch noch nicht so recht, wieder normal rauszugehen und erledigen nur das nötigste", stellt die Ladeninhaberin fest. Normalerweise sind die Frühjahrs- und Sommermonate die Umsatzstärksten in ihrem Geschäft, hat Friederike Israel in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht. 

Denn in den Wintermonaten befassen sich die Frauen weniger mit dem "darunter". "Was man unter den dicken Pulli trägt, ist vielen nicht so wichtig." Wird die Kleidung wieder luftiger, steigt auch das Interesse an schöner Unterwäsche. Außerdem führt Friederike Israel in ihrem Wäscheladen auch Bademode. In diesem Jahr rechnet sie aber damit, dass sich die Zurückhaltung der Kunden im Einzelhandel noch über den ganzen Sommer ziehen wird. 

Das schreckt die Geschäftsfrau nicht. Sie hat sich auch in den vergangenen Jahren immer wieder an die aktuelle Lage anpassen müssen. Hatte sie zu Beginn noch Herren- und Kinderwäsche im Sortiment, stellte sie schnell fest, dass sich das nicht lohnt. "Männer brauchen doch nichts" sagt sie mit einem Augenzwinkern. 

Inzwischen konzentriert sie sich auf den Damenbereich. Und da hat sie sich zum Ziel gesetzt, bezahlbare Wäsche anzubieten. "Mit etwas Recherche findet man durchaus Sachen von guter Qualität, aber mit vernünftigen Preisen." Sie wünschte sich allerdings noch mehr regionale Ware. "Die ist leider schwer zu bekommen. In Sachsen gibt es nur ganz wenige Firmen, die Unterwäsche herstellen." Das sei schade, sagt Frau Israel, denn sie würde auch bei den Lieferanten gern auf Regionales setzen. 

Geöffnet ist die Wäsche-Mode jetzt täglich Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Am Dienstag nur am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr. 

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