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Ladensterben in Cotta

Immer mehr Händler haben ihre Geschäfte in den vergangenen Jahren geschlossen. Leidtragende sind vor allem ältere Menschen.

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© Jörn Haufe

Von Lars Kühl

Wer mitten durch Cotta läuft, sucht sie lange, die Läden für den täglichen Bedarf und den kleinen Einkauf zwischendurch. Immer mehr Bäcker, Fleischer, Spät-Shops, Obst- und Gemüsehändler sowie Apotheken oder Postannahmestellen wurden in den vergangenen Jahren im Viertel zwischen der Gottfried-Keller- und der Lübecker Straße geschlossen. Der alte Konsum an der Hebbelstraße steht schon lange leer. Die einstmals belebte und beliebte Einkaufsmeile Warthaer Straße dümpelt nur noch vor sich hin, ständig wechseln die Ladenbesitzer. Zuletzt hat auch noch der Bio-Markt „Kernbeißer“ an der Werkstättenstraße zugemacht.

„Im Moment gibt es wirklich nur noch wenige, kleine Geschäfte“, sagt Reinhild Garrelts, die Vorsitzende des Freundeskreises Cotta. Der Verein kümmert sich ehrenamtlich um den Stadtteil und will die ortstypischen Besonderheiten bewahren. Die aktuelle Entwicklung beobachtet Garrelts mit Sorge. Die Konkurrenz durch immer mehr Läden und größere Supermärkte in Löbtau, in Gorbitz und in Briesnitz nimmt stetig zu. „Die Gefahr ist da, dass die letzten kleinen Geschäfte auch noch verschwinden.“ Auch Gert Miemitz arbeitet im Freundeskreis mit. Er hat noch ganz andere Zeiten in Cotta erlebt. Gut kann sich der Rentner unter anderem an den Tante-Emma-Laden „Alpermann“ an der Ecke Gottfried-Keller-/Zöllmener Straße erinnern. Etwa zehn Jahre sei es her, dass dort noch Butter oder das Feierabendbier verkauft wurde.

Das Rathaus schätzt die Situation positiver ein. Die vorhandenen Zentren an der Peripherie seien in den vergangenen Jahren aufgrund erheblicher Investitionen zu attraktiven Versorgungsstandorten geworden, sagt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Grundlage sei ein Zentrenkonzept, das der Stadtrat 2007 beschlossen hatte. Trotzdem bleiben auch der Stadtverwaltung die vielen Geschäftsschließungen nicht verborgen. „Die Entwicklung ist ein Abbild des deutschlandweit insbesondere beim Einzelhandel zu beobachtenden Trends“, erklärt Marx. Die wenigen, dafür aber größeren Anbieter würden sich auf die zentralen Standorte an gut frequentierten Straßen konzentrieren. Wie eben die Kesselsdorfer, die Hamburger oder die Coventrystraße. Möglichkeiten zum Gegensteuern gebe es kaum, meint Marx. Für die Entwicklungen im Handel sei allein die Privatwirtschaft verantwortlich. Lediglich durch das Aufstellen von Plänen und der Erteilung von Baugenehmigungen könne die Stadt eingreifen. Dies betreffe vor allem aber Einkaufszentren. Für die Ansiedlung von „kleinen Läden um die Ecke“ gebe es keine Möglichkeiten.

Leidtragende sind vor allem ältere Menschen und Anwohner mit Mobilitätseinschränkungen. Die Strecken für die Besorgungen werden immer länger, oft müssen sie sogar mit der Straßenbahn oder dem Bus zum Einkaufen fahren. Während in anderen Stadtteilen die Wege zu den Haltestellen durch neue Umstiege immer kürzer werden, fühlen sich viele Cottaer zunehmend abgehängt.

Das stimme so nicht, erklärt Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). „Im Stadtvergleich ist Cotta kein benachteiligtes Gebiet.“ Natürlich sei klar, je weiter eine Wohngegend vom Stadtzentrum entfernt ist, desto dünner werde das Verkehrsnetz. Trotzdem wäre die Situation zufriedenstellend. Die Busse der Linie 80 fahren mitten durch Cotta und die Straßenbahnen 2 und 12 flankieren das Gebiet im Zehn-Minuten-Takt.

Das Stadtplanungsamt hat zudem errechnet, dass zwischen allen Haltestellen im Gebiet um die Lübecker und die Gottfried-Keller-Straße und den angrenzenden Einkaufszentren in Löbtau, Gorbitz oder Briesnitz maximal vier Haltestellen liegen. So könnten die Passagiere das preisgünstige Kurzfahrtangebot der DVB nutzen. Auch umsteigen müssen sie nicht.