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Berzdorfer See: Party mit Nachspiel

Zu laut, sagen die einen. Corona-Auflagen nicht eingehalten, behaupten andere. Der Veranstalter eines Open Airs am Berzdorfer See wehrt sich.

Volles Haus, oder besser voller Strand wie hier beim Cherrybeach-Festival vor einigen Jahren wird man so bald sicher nicht wiedersehen. Veranstalter versuchen andere Formate.
Volles Haus, oder besser voller Strand wie hier beim Cherrybeach-Festival vor einigen Jahren wird man so bald sicher nicht wiedersehen. Veranstalter versuchen andere Formate. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Zutritt nur mit Kontaktzettel. Karten  nur im Vorverkauf.  Hinweise des Veranstalters  zum Tragen des Mundschutzes im Sanitärbereich. Und die Ticketzahl auf 999 begrenzt. Das waren nur einige der Sicherheitsauflagen, die zum Open Air an der Blauen Lagune im Süden des Berzdorfer Sees galten.  In der Nacht zum Sonnabend vergangener Woche stand das DJ-Duo "Gestört aber Geil" auf der Bühne, in der Nacht zum Sonntag wurde eine Beachparty gefeiert. Das Ganze hatte ein ziemliches Nachspiel.

Entschuldigung vom Bürgermeister

Christian Hänel, Bürgermeister von Schönau-Berzdorf, beispielsweise, entschuldigte sich diese Woche bei Übernachtungseinrichtungen am See. Nach dem Wochenende waren Beschwerden bei ihm eingegangen wegen des Lärms, zum Beispiel von Pfaffendorfer Anwohnern. Auch Gäste des St.-Wenzeslaus-Stifts in Jauernick sollen keine gute Nacht gehabt haben. Zumindest keine mit viel Schlaf. Andere Anlieger, die nicht namentlich genannt werden möchten, bestätigen das. "Es war sehr heftig", vor allem sei es sehr lange sehr laut gewesen. "Um drei Uhr haben wir die Polizei informiert." 

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Bei der Polizei sind voriges Wochenende tatsächlich mehrere Lärmbeschwerden wegen der Blauen Lagune eingegangen. Zunächst am Freitagabend um 23.30 Uhr. Zu dem Zeitpunkt aber war das "Gestört aber geil"-Open Air noch genehmigt, teilt die Polizei mit. Ebenso am Sonnabend um 22.20 Uhr, als die Strandparty lief. Einige Stunden später, am Sonntag, um 3 Uhr, ging eine weitere Beschwerde ein, die Veranstaltung sei dann vom Sicherheitsdienst beendet worden, teilt die Polizei mit. 

Veranstalter war die Gastrobande. Für die Beachparty in der Nacht auf Sonntag gibt der Veranstalter auf Facebook selbst an, dass sie bis 2 Uhr laufen würde. Dass sei ein Missverständnis gewesen, erklärt Toni Heide von der Gastrobande. "Beide Veranstaltungen waren bis 3 Uhr genehmigt." Dass die Strandparty vom Sicherheitsdienst beendet wurde, sei nichts Außergewöhnliches, sondern üblich. "Wenn Schluss ist, wird die Musik heruntergedreht, und der Sicherheitsdienst räumt nach und nach das Gelände", erklärt er. 

Lärm am See - immer wieder ein Problem

Strand und Lärm, das ist seit Jahren ein Dauerthema am Berzdorfer See im Sommer. Eines, das vor allem damit zu tun hat, dass sich an dem See zunehmend unterschiedliche Interessen aneinander stoßen.  Auf der einen Seite ist der See ein beliebter Veranstaltungsort im Sommer, sozusagen die Görlitzer Partymeile bis tief in die Nacht. Auf der anderen Seite: Rund um den See sind Ortschaften mit Anwohnern, teils auch touristischen Angeboten. So wirbt ein Hotel direkt am See nun gerade damit, hier "tiefe Einkehr und Entspannung " finden zu können. Wenn dann die Gäste bis spät in der Nacht im Bett stehen, ist die Verärgerung verständlich.

Andere dagegen hatten ein ganz anderes Problem mit dem Open Air: Dass Corona-Auflagen nicht eingehalten wurden. Was dran ist, lässt sich schwer feststellen. Auf der Internetplattform Instagram haben Gäste Videos hochgeladen, die nach Datum und Ortsangaben offenbar an dem Wochenende an der Blauen Lagune entstanden sind. Bei einem der Videos ist es nur ein ganz kurzer Schwenk auf das Publikum - der aber erkennen lässt, dass offenbar viele Gäste eng beieinander tanzen. 

Dass sich durchgängig alle Gäste zu jeder Zeit an die Auflagen halten, sei einfach nicht hundertprozentig sicherzustellen, sagt Andreas Otte vom GRS-Sicherheitsdienst. Im Großen und Ganzen hätten sich die Gäste gut an die Regeln gehalten. "Wir sind regelmäßige Streifen gegangen und haben vor Ort Hand in Hand mit der Polizei gearbeitet", erzählt er. Bereits am Eingang seien die Gäste auf die Regeln hingewiesen worden. "Wenn mal was war, dann haben wir die Leute freundlich angesprochen." 

"Wir haben unser Bestes gegeben"

Die Gäste auf der anderen Seite hätten entgegenkommend reagiert, sagt Toni Heide. "Man hat schon gemerkt, dass sie die Veranstaltung auch nicht gefährden wollten." Ihn beschäftigen die Vorwürfe, "weil wir echt viel dafür getan  haben, dass eine solche Veranstaltung unter den schwierigen Bedingungen derzeit stattfinden kann." Das Hygienekonzept, erzählt er, wurde in enger Abstimmung mit dem Landkreis erarbeitet. Ein Hauptpunkt dabei: entzerren und Staus vermeiden. "Wir hatten beispielsweise eine Fläche, die wir unter normalen Umständen für 4.000 Gäste nutzen würden", erklärt er. "Wir hatten doppelt so viele Bars, doppelt so viele Toiletten, ein bargeldloses Bezahlsystem." 

Für ihn kommen die Vorwürfe auch deshalb unerwartet, weil die Umsetzung des Konzeptes sogar vom Kreis gelobt worden sei. Dass es Situationen gegeben haben kann, in denen es nicht nach Plan lief, will er nicht bestreiten. "Ich kann als Veranstalter nie garantieren, dass die Leute sich immer daran halten. Aber wir haben unser Bestes gegeben." 

Auch Christian Hänel verteidigt die gute Absicht: "Wir wollten eigentlich etwas Gutes machen. Ein Stück weit sind wir damit auch ins kalte Wasser gesprungen." Denn tatsächlich hätte die Vorbereitungszeit  - und damit auch die Zeit, um Anlieger zu informieren - etwas länger sein können. "Aber es ist jetzt vorbei", sagt Hänel. "Wichtig ist, dass nichts passiert ist." 

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Tatsächlich gibt es Überlegungen, auch kommendes Jahr ein Open Air an der Blauen Lagune stattfinden zu lassen, sagt Heide, "falls das gewünscht ist. Wir wollen auch nicht die Leute jedes Wochenende um ihren Schlaf bringen. Es würde um zwei Tage gehen." 

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