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Lärm am Nürnberger Ei nervt Anwohner

An Tempo 30 hält sich kaum ein Autofahrer an dem Platz. Nun rasen die Lkws auch nachts. Von der Stadt kommt keine Hilfe.

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Von Annechristin Kleppisch

Seit drei Wochen kann Michael Mittag nicht mehr ruhig schlafen. Er wohnt auf der Nürnberger Straße 37. Der Lärm von der Straße macht seine Nacht zum Tag. Mit mehr als den vorgeschriebenen 30Kilometern pro Stunde donnern die Lastwagen am Nürnberger Ei entlang. Bis zu zehn Stück hat der 23-jährige Student pro Ampelphase gezählt. Nun schläft er bei geschlossenem Fenster. „Wenn die Lkws langsamer fahren würden, wäre die Situation besser“, sagt er.

Schuld an dem übermäßigen Verkehr in der Nacht ist eine Sperrung der A17 zwischen den Abfahrten Gorbitz und Südvorstadt. Dort wird in beiden Richtungen an den Böschungen gearbeitet. Bis zum 24.Dezember ist die Autobahn daher Nacht für Nacht zwischen 22 und 24Uhr sowie zwischen 2 und 4Uhr dicht. Die Umleitung führt durch die Stadt. Das wäre an sich kein Problem, sagt der angehende Verkehrswissenschaftler. Die Straßen seien zu dieser Zeit frei. Was stört, ist die hohe Geschwindigkeit.

Die hat auch Simon Zuidema beobachtet. Er wohnt in dem Jugendstilkomplex auf der Nürnberger Straße 39–45. „Wenn ich abends mit dem Hund rausgehe, donnern die Lkws an mir vorbei“, sagt er. Bis zu 80 Kilometer pro Stunde hat er geschätzt. Simon Zuidema vermietet auch Wohnungen in dem Komplex. „Die Mieter haben sich schon beschwert“, sagt er. Auch ihnen sei der plötzliche übermäßige Lärm in der Nacht aufgefallen. Dem Vermieter fällt auch kein besserer Rat darauf ein. „Die Fenster bleiben jetzt zu“, sagt er.

Keine Blitzer in der Nacht

Abhilfe erhoffen sich die Anwohner bei der Stadt. Michael Mittag hat sich an das Ordnungsamt gewendet. „Die Stadt müsste einfach mal blitzen“, sagt er. Der Student ist sich sicher: Wenn die Autos nur 40 Kilometer pro Stunde fahren würden, wäre der Lärm weniger. Simon Zuidema sieht das ähnlich. „Hohe Geldstrafen für die Raserei würden helfen“, sagt er.

Bei der Stadt ist das Problem am Nürnberger Platz bekannt. Nicht nur in der Nacht halten sich viele Autofahrer nicht an die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde. „Das ist auch für Fußgänger gefährlich“, sagt Simon Zuidema. Verstärkte Kontrollen wird es dennoch nicht geben. Wegen der kurvigen Straßenführung sind an der Stelle nur bedingt Geschwindigkeitsmessungen mit der zur Verfügung stehenden Messtechnik möglich, teilt Nora Jantzen aus dem Presseamt der Stadt mit. Nur einmal wurde in diesem Jahr am Nürnberger Ei vor dem Haus mit der Nummer 35 geblitzt. Von 173 Fahrzeugen fuhren acht zu schnell.

Und auch gegen den nächtlichen Lärm unternimmt die Stadt nichts. „Kontrollen zu Nachtzeiten werden grundsätzlich nicht durchgeführt“, sagt Nora Jantzen. Die Stadt habe jedoch die zuständige Polizeidirektion informiert. Die Anwohner müssen also Geduld haben. Noch bis Ende Dezember gilt die Sperrung der Autobahn. Die Fenster zu den Schlafzimmern bleiben wohl geschlossen.