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Lärm-Konflikt: Schaumparty ging die Luft aus

In Pirna gibt es kaum noch einen Ort, an dem die Jugend richtig lautMusik machen kann.

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Von Christian Eißner

Konzerte und Partys für Jugendliche in Pirna? Ein schwieriges Thema, denn es gibt inzwischen kaum noch einen geeigneten Veranstaltungsort. Sobald es nachts ein bisschen lauter wird, beschweren sich Anwohner, denen die Musik die Ruhe raubt – egal, wo die jungen Leute feiern. Es ist noch nicht lange her, da gab es Ärger am Baywa-Gelände, und nun bahnt sich die nächste Misere an.

Am Sonnabend feierten Jugendliche auf dem Grundstück des ehemaligen Kohlehandels an der Geibeltstraße eine Schaum-Party. Sie hatten das abgelegene Gelände gerade erst für sich entdeckt, es war die erste Veranstaltung dort. Auch Pirnas Ordnungsamtsleiter Steffen Martin, der die Party genehmigte, hoffte, endlich einen Ort mit geringem Konfliktpotential gefunden zu haben: Ein ganzes Stück weit weg vom nächsten Wohngebiet und mit ausreichend Parkplätzen dank des Obi-Baumarkts.

Doch mit der ausgelassenen Stimmung war’s Sonnabendnacht schnell vorbei. „Zehn Minuten nach 22 Uhr standen Ordnungsamt und Polizei bei mir: Es hatte Beschwerden gegeben wegen der Musik“, erzählt Schaumparty-Veranstalter Jens Beier von Sky-Records Pirna. Die Musik musste leiser gestellt werden. „Und zwar so leise, dass ich, wenn ich direkt vor den Lautsprecherboxen stand, telefonieren konnte. Die Besucher haben sich beschwert, viele sind gleich wieder gefahren, weil es ihnen einfach zu leise war.“ Die Schaumparty wurde ein Flop.

Die Beschwerden wegen Lärmbelästigung kamen vor allem vom Aufbauring und vom Postweg, rund 300 Meter vom Veranstaltungsort entfernt, jenseits der B 172. „Ich habe bei der Polizei Anzeige erstattet“, sagt Peter Tränkner, Postweg-Anwohner und Pirnaer Stadtrat, „und ich stehe auch dazu. Der Lärm war so unerträglich, dass ich mich mit meiner Frau im Garten nicht unterhalten konnte.“ Den Menschen in der Siedlung sei die Veranstaltung eine Zumutung gewesen, so Tränkner.

Und so kollidiert in Pirna wieder einmal der Wunsch der Jugend nach Musik am Wochenende mit dem Recht der Einwohner auf einen ruhigen Schlaf. „Ich habe die Schaumparty genehmigt, weil ich dachte, dort an der Geibeltstraße funktioniert es“, sagt Ordnungsamtsleiter Steffen Martin. „Ich habe aber leider zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Schall weit über die B 172 trägt.“ Pirna, gibt Steffen Martin zu, habe im Hinblick auf größere Jugend-Partys ein Problem. Es gibt im Stadtgebiet praktisch kein Gelände, auf dem Konzerte im Freien stattfinden können, ohne jemanden zu stören. Einzig das „Respect“-Festival in Graupa am vergangenen Freitag bildete eine rühmliche Ausnahme in punkto Lärm-Beschwerden. Die Veranstalter hatten die Graupaer vorher um Verständnis gebeten, zudem konnten die Einwohner des Ortes das Festival kostenlos besuchen.

Was den Veranstaltungsort der Schaumparty am ehemaligen Kohlehandel angeht, sind die Konflikte unterdessen noch nicht ausgestanden. Am 9. Juli soll hier ein Konzert der Band J.B.O. stattfinden, das sicher auch nicht unbedingt leise werden dürfte. „Zumindest muss der Veranstalter die Bühne anders ausrichten“, erklärt Martin.

Ist es dann immer noch zu laut, dann ist wahrscheinlich auch das Kohlehandels-Gelände als Veranstaltungsort gestorben.