merken
PLUS Dresden

So soll die Dresdner Neustadt leiser werden

Kommt bald Tempo 30 auf der Albertstraße? Und wird die Fahrbahn vorm Goldenen Reiter enger? Das plant die Stadtverwaltung.

Auf einem Teil der Albertstraße soll nachts bald Tempo 30 gelten.
Auf einem Teil der Albertstraße soll nachts bald Tempo 30 gelten. © Sven Ellger

Dresden. Ruhige Nächte sind vielen Dresdnern heilig. Wer an einer Hauptstraße wohnt, die sich darüber hinaus noch in der Neustadt befindet, wird so etwas wie Ruhe jedoch kaum kennen. Entlang von Albertstraße, Bautzner Straße, Königsbrücker Straße oder Großer Meißner Straße herrscht auch nachts ein durchschnittlicher Schallpegel von bis zu 60 Dezibel. Das ist so, als würde die ganze Nacht der Fernseher in Zimmerlautstärke laufen, wo man doch eigentlich schlafen möchte. Seit über einem Jahr ist deshalb ein Lärmaktionsplan für die Innere Neustadt in Arbeit. Die Stadtverwaltung ist inzwischen so weit, dass er im Herbst in Kraft treten könnte. Was das für Auswirkungen auf den Straßenverkehr hätte - das sind die wichtigsten Antworten.

Was plant die Stadt in der Neustadt?

Auf der Albertstraße und der Hoyerswerdaer Straße soll nachts Tempo 30 gelten. Darüberhinaus will die Stadt regelmäßiger blitzen, um lärmende Raser abzuschrecken. Auf ausgewählten Strecken wie der Glacisstraße, der Hoyerswerdaer Straße und dem Carusufer möchte die Verwaltung nachts ein Fahrverbot für Lkw aussprechen.

Anzeige
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?

Kostenlos gibt es aktuell bei pitstop einen Sommer-Check für Ihr Auto. Ein solcher Check ist unbedingt empfehlenswert vor Antritt der Fahrt in den Urlaub.

Auf dem Palaisplatz ist geplant, den Schleichverkehr zu verbannen, auf der Hainstraße soll die Linksabbiegespur zur Theresienstraße wegfallen. Ziel ist es in beiden Fällen, den Verkehr in den angrenzenden Wohngebieten zu beruhigen. 

Ein großes Vorhaben, das im Stadtrat auf viel Kritik stieß: Die Große Meißner Straße soll von zwei auf eine überbreite Fahrspur eingeengt werden. Damit wäre Platz für einen Radweg – somit entstünde zwischen den Wohnhäusern am Goldenen Reiter und den Autos mehr Abstand. Gleichzeitig will die Stadt die Zufahrt zum Palaisplatz einschränken, indem sie entweder gesperrt oder verengt wird. Langfristig wird auch eine Verlegung aller Bundesstraßen aus dem 26er-Ring empfohlen. Insgesamt umfasst der Lärmaktionsplan mehr als zehn Maßnahmen.

Teil des Plans sind auch Radverkehrsanlagen entlang der Albertstraße. Konkret werden in beide Richtungen Radwege angelegt. Der Fördermittelbescheid vom Land liegt seit Anfang Juni vor, die Bauleistungen sind in dieser Woche vergeben worden.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Die Stadt hat den Entwurf im vergangenen Jahr öffentlich ausgelegt und mit Bürgern diskutiert. Am Ende gab es 35 Stellungnahmen und Einwände, welche die Verwaltung in den vergangenen Monaten bewertet hat. Das Landesstraßenamt bemängelt zum Beispiel, dass das Tempo 30-Limit auf der gesamten Albertstraße gelten soll, wo doch lediglich zwei Wohngebäude-Komplexe im Bereich des Albertplatzes von stärkerem Nachtlärm betroffen seien. Auf Hauptverkehrsstraßen wie der Albertstraße als Teil der städtischen Nord-Süd-Achse hätten die Belange des fließenden Verkehrs aufgrund ihrer Funktion im Straßennetz besonderes Gewicht, so die Behörde weiter. Die nötige Abwägung zwischen den Belangen des Verkehrs und den Interessen der Anwohner sei bislang nicht erfolgt. Als Reaktion auf die Kritik will die Stadt das Tempo 30-Limit nun nur noch für den Abschnitt zwischen dem Albertplatz und Höhe Ritterstraße prüfen.

In einer weiteren Stellungnahme wird vorgeschlagen, das Tempo 30-Limit auf der Albertstraße auf die Straßenbahnen auszuweiten. Dem will die Stadt allerdings nicht folgen. Die Straßenbahn verursache auf dieser Strecke deutlich weniger Lärm, da sie dort über ein Rasengleis fahre, welches viel Krach schluckt, heißt es in der Begründung. In einem anderen Hinweis heißt es, die Linksabbiegespur von der Hainstraße in die Theresienstraße dürfe nicht erst mittelfristig wegfallen, dies müsse sofort passieren. Fußgänger und Radfahrer seien dort einer erheblichen Gefahr ausgesetzt. Die Stadt will diesen Hinweis berücksichtigen.

Wie reagieren Politiker?

Der alte Stadtrat, der sich im vergangenen Jahr mit dem Entwurf beschäftigt hat, zeigte sich gespalten. Ein Streitthema waren die Pläne für die Große Meißner Straße, die aus Sicht von CDU und FDP zulasten von Autofahrer gehen. FDP-Stadtrat Holger Zastrow betonte, der Rückbau von Hauptverkehrsstraßen habe eine höhere Verkehrsbelastung in Wohngebieten zur Folge. Wichtig sei es, die Anwohner zu schützen und den Verkehr auf gut ausgebauten Hauptverkehrsstraßen zuzulassen. Der Individualverkehr solle nicht ausgebremst werden. Johannes Lichdi von den Grünen mahnte, dass über 1.300 Bürger in der Inneren Neustadt von Lärm betroffen seien. Alle von der Verwaltung vorgeschlagenen Maßnahmen seien aus seiner Sicht wichtig. Schließlich konnte sich der Stadtrat mehrheitlich zu einem leicht geänderten Entwurf durchringen, auch weil die CDU ihr Veto gegen das Tempolimit auf der Albertstraße zurückzog.

Und wie geht es nun weiter?

Der Umweltausschuss muss schlussendlich den Entscheidungen der Verwaltung zustimmen, welche Vorschläge berücksichtigt und welche nicht in den Lärmaktionsplan eingehen werden. Geplant ist das für Ende September. Dann könnte es an die Umsetzung gehen. Diese hängen allerdings vom Geld ab, was einige Vorhaben verzögern könnte. Denn gerade erst hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bekanntgegeben, dass Dresden in den kommenden Jahren sparen muss.

Wie sieht es mit dem Lärm in der Äußeren Neustadt aus?

Weiterführende Artikel

Wo der Krach am größten ist

Wo der Krach am größten ist

An vielen Stellen erreicht der Lärm in Dresden gesundheitlich bedenkliche Ausmaße. Was die Stadt dagegen tut.

Für diesen Stadtteil gibt es bereits einen Lärmaktionsplan. Eine der bedeutendsten Maßnahmen darin ist im vergangenen Sommer umgesetzt worden. Auf der Bautzner Straße gilt seither nachts Tempo 30 zwischen Rothenburger Straße und Prießnitzstraße. Diese knapp 700 Meter gehörten zu den lautesten Straßenabschnitten in Dresden, erklärte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) damals. Von der Reduzierung auf Tempo 30 in der Nacht würde etwa 750 Anwohner profitieren. Die geringere Höchstgeschwindigkeit koste Autofahrer etwa 30 Sekunden Fahrzeit. "Gut investierte Zeit für den gesünderen Schlaf der Anwohner", so Jähnigen.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden