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Lärmschutz für Anwohner der B 170

An der Bundesstraße wohnen die Bannewitzer besonders laut. Vorkehrungen werden getroffen. Doch nützen sie auch?

Von Verena Weiß

Die Nachfrage zeigt es deutlich: Bannewitz ist bei Familien beliebt. Immer mehr Häuslebauer schauen über die Stadtgrenzen hinaus und suchen nach einem Fleck fürs Eigenheim. Unweit der Stadt soll es sein, Kitas und Schulen gleich in der Nähe und dennoch möglichst ruhig gelegen. Doch gute Infrastruktur und ländliche Idylle lassen sich nicht immer vereinbaren. Wer den Traum vom Eigenheim leben will, muss Kompromisse eingehen – auch in Bannewitz. Denn ruhig ist es nicht überall.

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Die Nähe zur A 17 ist noch der geringste Störfaktor. Der Lärm von der Schnellstraße dürfte hauptsächlich den Einwohnern im Ortsteil Gaustritz aufstoßen – wenn überhaupt. Nur sechs Häuser seien betroffen. Die Lärmbelästigung erreiche hier nachts nicht einmal 50 Dezibel und liege im Rahmen des für Wohngebiete einzuhaltenden gesetzlichen Grenzwertes – so das Ergebnis der Lärmkartierung, die zuletzt für die A 17 aufgestellt wurde. Schwerer könnte der Lärm von der B 170 wiegen, wie aktuelle Untersuchungen zeigen. Neben der A 17 wurden in Bannewitz nun auch für die Bundesstraße Lärmkarten erstellt. Ein vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beauftragtes Ingenieurbüro hat die Lärmkartierung unter Mitwirkung der Gemeinde aufgestellt. Dazu sind die Kommunen gesetzlich verpflichtet. Folgende Grenzwerte, sogenannte Erheblichkeitsschwellen, liegen der Untersuchung zugrunde: Die Grenze für den 24-Stunden-Wert liegt bei 65 Dezibel. Der Nachtwert beträgt 55 Dezibel.

Was heißt das für die Bannewitzer? Bis zu 4,9 Millionen Fahrzeuge sind pro Jahr auf dem Abschnitt der B 170 zwischen Dresden und Rabenau unterwegs. Das Verkehrsaufkommen ist zwar geringer als auf der Autobahn, dafür ist die Bebauung an der B 170 dichter – Tendenz steigend. Am Käferberg beispielsweise wächst seit geraumer Zeit ein Eigenheim nach dem anderen in die Höhe. In der Nachbarschaft werden dieses Jahr weitere Bauflächen erschlossen. Häuslebauer scheint die Nähe zur lauten Bundesstraße aber nicht an ihren Plänen zu hindern. Für die neuen Baugebiete werden zwar Lärmgutachten erstellt und mit Hilfe einer schallmindernden Bauweise Lärmschutzmaßnahmen getroffen.

Gänzlich unterdrücken lässt sich das Brummen von der Bundesstraße aber nicht. Manchem Eigenheimbesitzer ist der Geräuschpegel ein Ärgernis. „Seit der Fertigstellung des oberen Bereiches am Königsteinblick hat sich die Lärmbelästigung verstärkt, besonders bei Westwind“, sagt ein Anwohner auf dem Käferberg. An solchen Tagen wäre eine Unterhaltung in normaler Lautstärke kaum möglich – obwohl zur B 170 hin ein Wall den Verkehrslärm zurückhalten soll. Noch lauter haben es dagegen die Anwohner, deren Häuser unmittelbar an der B 170 stehen. Diese liegen sogar über dem Grenzwert von 65 Dezibel. Geschätzte 113 Anwohner sind laut Lärmkartierung betroffen. Allerdings geht die Gemeinde Bannewitz davon aus, dass die in den 90er-Jahren erfolgten Lärmsanierungsmaßnahmen bereits zu einer „Entspannung der Situation geführt haben“. Damals wurden in Absprache mit dem Straßenbauamt Dresden Fenster und Schalldämmlüfter an betroffenen Gebäuden erneuert. Hinzu kommt, dass die Zahlen aus der vorliegenden Lärmkartierung auf den örtlichen Gegebenheiten von 2012 basieren. Seitdem wurde nämlich in Sachen Lärmschutz an der B 170 nachgebessert. Dieses Jahr wurde in Possendorf, Hänichen und zuletzt in Wilmsdorf die Decklage der Bundesstraße erneuert und ein geräuschärmerer Fahrbahnbelag aufgebracht. Auch für den bevorstehenden Ausbau der B 170 am Ortseingang Bannewitz sind Maßnahmen zur Lärmvorsorge geplant.

Wegen der zwischenzeitlich erfolgten und noch geplanten Lärmschutzvorhaben und der geringen Zahl der Betroffenen sieht Bannewitz daher keinen Grund, selbst aktiv zu werden und einen sogenannten Lärmaktionsplan aufzustellen. Auch die Gemeindevertreter lehnten dies kürzlich ab. Abgesehen davon, dass dieses bürokratische Pamphlet weiteres Geld verschlingen würde, ist die Gemeinde vom Baulastträger der Straße abhängig. Und dieser trifft bereits Vorkehrungen.