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Läuchelmännel und Pylamiden – Seiffen macht mobil

Handwerk. China-Stress im Weihnachtsland: DieHolzkünstler wehren sichgegen Billig-Importe.

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Von Brigitte Pfüller

Seiffen. Im Weihnachtsland Seiffen herrscht Aufregung. Im Oktober hat sich mitten im idyllischen Spielzeugdorf ein Unternehmen der Familie Johannes Schulte aus dem niedersächsischen Haren angesiedelt, das in China produzieren lässt.

Deshalb haben sich die einheimischen Gewerbetreibenden unter Federführung des Verbandes der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller gestern Abend entschlossen, eine bundesweite Kampagne gegen Billigproduktionen und Nachahmungen aus Fernost zu starten.

„Original statt Plagiat – deutsche Handwerkskunst“ steht auf dem Markenzeichen, das künftig überall an Geschäften, Produkten oder auch auf Briefen oder Internetseiten angebracht werden kann. „Für uns zeigen sich in der Ansiedlung des niedersächsischen Unternehmens die negativen Auswirkungen der Globalisierung“, erläuterte Ringo Müller, Mitorganisator des Protestes. Arbeitsplätze seien bedroht. „Wir hoffen, dass sich andere Regionen in Deutschland, die ebenfalls mit Plagiaten zu kämpfen haben, der Kampagne anschließen“, wünschte sich der Seiffener Bürgermeister Wolfgang Schreiter.

Nach seinen Angaben hat es rechtlich keine Handhabe gegen die Pläne der niedersächsischen Firma gegeben, sich in Seiffen in ein traditionsreiches Haus einzumieten. „Gerade Johannes Schulte ist für uns kein unbeschriebenes Blatt“, erläuterte Verbandsgeschäftsführer Dieter Uhlmann und sprach von gewonnenen Plagiats-Prozessen. Der Unternehmer war am Abend nicht zu erreichen.

Juristische Auseinandersetzungen sind Uhlmann zufolge aufwendig, da Neuentwicklungen aus dem Erzgebirge fast immer wenig später Fälschungen aus Fernost folgen. Inzwischen werden sogar Farben und Holz aus Deutschland zur Produktion nach China exportiert, wo der Lohn niedriger ist. Die Erzgebirgler pochen dagegen auf ihre 400 Jahre alte Tradition.